#1

Sammeln von Schmetterlingen - warum tut man es ?

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 13.06.2013 21:38
von Scary-Doll | 91 Beiträge | 622 Punkte

Ich lese viel und gerne in diesem Forum, man lernt sehr viel, aber es entstehen immer mehr Fragen, je tiefer ich in die Geheimnisse der Entomologie vordringe :-) . Ist es richtig Schmetterlinge zu fangen, die vielleicht selten sind um sie zu präparieren ? Sie können sich doch dann noch weniger vermehren, man stört vielleicht sogar noch die Paarung und die Arten werden noch seltener. Versteht mich bitte nicht falsch, das ist keine Kritik jetzt, sondern nur so ein Gedankengang - ich verstehe nicht, wieso kann man begeistert Raupen füttern und Schmetterlinge züchten auf der einen Seite und dann die Tiere der Natur entnehmen und töten auf der anderen ? Wenn ich denke, das wir zusammen mit Grundschulkindern die Raupen sammeln und uns dann über die in die Natur entlassenen Schmetterlinge freuen und dann steht um die Ecke ein "Fänger" mit einen spitzen Nadel um sie aufzuspießen und in ein kasten zu stecken, dann wird es mir ganz gruselig ! Die Frage ist - warum fängt man Insekten im Freien zum sammeln und nicht zum vermehren ? Kann es sein, das es darauf beruht, das eine Vielzahl der Insekten auch Schädlinge sind oder hat das ganz andere Gründe ?

LG, Swetlana.



zuletzt bearbeitet 13.06.2013 21:39 | nach oben springen

#2

RE: Sammeln von Schmetterlingen - warum tut man es ?

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 14.06.2013 01:23
von Steffen1978 (gelöscht)
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Hallo Swetlana,
Die Frage ist völlig berechtigt, wenn auch nicht zu beantworten. Es gibt "Sammler", die sehr wissenschaftlich arbeiten. Denen geht es überhaupt nicht darum, ein buntes schönes und womöglich seltenes Tier in einem Kasten zu verewigen, sondern das Vorkommen, Habitat, die Flug- und Raupenzeiten, die Eiablage und Futterpflanze usw. zu dokumentieren. "Man kann nur schützen was man kennt".
Dann gibts Leute, die "sammeln" nicht oder nicht mehr. Manche nehmen Belegexemplare aus ihren Zuchten, denn nur das hat (bei sauberer Vorgehensweise) einen wissenschaftlichen Wert, der nicht selten Museen und Staatssammlungen zu dem gemacht hat, was sie heute sind.
Es gibt auch Leute, die überhaupt keine Sammlung oder Dokumentation im Sinne von Präparaten anstreben - sondern vielleicht nur Fotos machen. Wissenschaftlich gesehen mag das zumindest teilweise unzureichend sein, aber es muss nicht alles wissenschaftlich sein! Ich mag Schmetterlinge und ich fotografiere sie leidenschaftlich gern möglichst natürlich - also ohne sie zu fangen, eben dort, wo ich sie antreffe. Trotzdem züchte ich gern und erlebe gern die Verwandlung von einem winzigen Ei zu einem (nicht immer!) farbenprächtigen Falter.
Die Menschen in diesem wie auch in anderen Foren sind einfach facettenreich. Daher musst Du jeden Einzelnen nach möglichen Beweggründen für seine/ihre Handlungen fragen, wenn Du eine echte Antwort willst.
Sicher ist in jedem Fall eines: Ich kenne hier überhaupt niemanden, der eine gefährdete Art noch dadurch dezimieren würde, indem er/sie die Tiere in Anzahl fängt, nur um sie in einen Kasten zu packen. Das lehne ich strickt ab und finde es sogar ekelhaft, auch wenn Insekten dadurch womöglich sehr viel weniger gefährdet sind als durch sehr viele Umwelteinflüsse... Die meisten Tiere verlieren ihren Lebensraum oder ihr Lebensgrundlage - durch Insektengifte, Autos, durch falsche Beweidung/Maht, durch Gewinnmaximierung von Landwirten (und damit Kostensenkung für uns - die Kunden!).
Eine Antwort auf Deine Frage ist dies vermutlich nicht, aber betrachte es als Versuch, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.
Liebe Grüße
Steffen



zuletzt bearbeitet 14.06.2013 01:34 | nach oben springen

#3

RE: Sammeln von Schmetterlingen - warum tut man es ?

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 14.06.2013 09:58
von Scary-Doll | 91 Beiträge | 622 Punkte

Lieber Steffen, danke für die ausführliche Antwort ! Es bringt doch etwas Licht ins Dunkel und so, wie ich es verstehe, geht es nicht nur darum die Tiere zu fangen und in die Kästen zu stecken, sondern es gibt auch andere Arten des Beobachtens und Sammelns, je nach Zweck und Interesse. Danke noch mal !


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#4

RE: Sammeln von Schmetterlingen - warum tut man es ?

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 14.06.2013 10:13
von klow | 1.239 Beiträge | 4460 Punkte

Ich kenne zumbeispiel jemanden der hat echt ein top catalog.
Der ist jahre damit beschaftigt gewesen und hat 90 % der arten
aus meiner region in der sammlung. Seine sammlung ist damit
wissenschaftlich gesehen fon ungekenten wert und auch samlmungen
die jets einfach fon hobbyisten aufgebaut werden und nicht so intensief oder
wissenschaftlich gericht ist werden oft später an museën weitergeleitet.

Grus jens

Und was steffen sagt stimmt auch noch nie ist eine art ausgestorben durch
entomologen. Aber alles andere ist wohl sehr schädlich wusstest zumbeispiel
das wenn mann 300 km autofahrt mann mehr insecten hat getötet wie in die groBte
sammlungen der welt sind.


Grusse jens
--------------------------
Meine zuchte im moment
http://insektenfreunde.xobor.de/t824f46-...Tigermotte.html
http://insektenfreunde.xobor.de/t792f46-...rphofalter.html

Tips sind immer wilkommen
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#5

RE: Sammeln von Schmetterlingen - warum tut man es ?

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 14.06.2013 11:46
von Scary-Doll | 91 Beiträge | 622 Punkte

Das kenne ich - bei uns im Ort gibt es ein Heimat-Naturgarten, dort, in der "Lehrhalle" sind alle Wände mit Kästen zugebaut, wo Insekten aus der Region präsentiert werden. Bei manchen Exponaten liegt die Datierung über 100 Jahre zurück, ist schon bemerkenswert, wie lange die Präparate halten und dabei noch sehr frisch aussehen. Alle Tierchen haben ein Schildchen mit der Bezeichnung, Fundort und Datum, wenn ich so jetzt daran denke, dann verstehe ich doch etwas besser jetzt - die Schulkinder aber auch viele Erwachsenen besuchen die Sammlung und lernen (hoffentlich) etwas davon über unser Heimatort.


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#6

RE: Sammeln von Schmetterlingen - warum tut man es ?

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 14.06.2013 12:51
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo Scary-Doll,

Danke, dass du mit diesem sehr interessanten Thema, einer wichtigen Frage Raum zur Diskussion gegeben hast!

Wie Steffen schon schrieb, eine allgemein gültige Antwort auf deine Frage wirst du nicht bekommen können, zu vielseitig sind die Beweggründe, die Motive und die Herangehensweise der einzelnen Entomologen.

Dennoch, und hier möchte ich mich gerne der Meinubg von Jens anschließen, bin ich dankbar für viele Amateur-Sammlungen, also Sammlungen, die von privaten Personen angelegt wurden, die sich für Insekten interessieren.

Weißt du, nur dadurch ist es heute noch möglich, nachzuweisen, welche Arten in einem bestimmten Gebiet einst vorkamen. Durch Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung auf der einen, und der baulichen Maßnahmen auf der anderen Seite wurden in fast allen Gebieten ein Großteil der früher heimischen Arten ausgerottet. Fast!

Denn eines hat die Forschung in jüngerer Zeit bewiesen. Da wo (Gott sei Dank) der Natur Flächen zurückgegeben werden, kommen auch viele der Arten wieder zurück! Viele - und die fehlenden können dann aus Zuchtbeständen wieder dort angesiedelt werden. Wiederansiedlungsversuche machen aber nur dort Sinn, wo die betreffende Art auch einst ihr natürliches Verbreitungsgebiet hatte, und nun wieder Habitatumstände vorfindet, wie sie einst dort geherrscht haben.

Um das alles sicher festzustellen, greifen die Forscher heute auf die oben erwähnten Sammlungen zurück!

Auch möchte ich hier einen weiteren Satz aus einem obigen Beitrag zitieren!

"Man kann nur schützen was man kennt"

Oh wie wahr! Leider fliegen in vielen Gegendenwennn überhaupt nur mehr so wenige Falter, dass ein Kennelernen in der Natur (nicht mehr) möglich ist. Auch hier kann die Sehnsucht nach den verlorenen Juwelen der Lüfte duch Sammlungsexemplare geweckt werden.

Wer einmal die Schönheit des großen Feuerfalters gesehen hat, wird ihn vermissen, ganz sicher... und das ist sicher bei vielen anderen Arten auch so!

Ein weiteres geeignetes Mittel ist allerdings dass, was du und einige andere sehr engagierte Menschen hier beschreiben, und auch praktizieren! Unsere Kinder und Jugendlichen für die Natur und die Insekten zu begeistern, Schulprojekte zu starten, und den Kindern ein natürliches Bedürfnis nach Einheit mit dem Leben um sie herum zu vermitteln. Dafür bin ich dir und jedem einzelen dankbar, der seine Freizeit dafür aufopfert.

Jedes Kind, dass heute mit dem Funken der "Liebe zur Natur" infiziert wird, wird sie als Erwachsener auch schützen wollen. Und vielleicht möchte das eine oder andere Kind auch eine kleine Belegsammlung seiner Heimat anlegen. Einfach aus Leidenschaft, und als Grundlage für spätere ernste Auseinandersetzung mit der entomologischen Materie. Das sollte man meiner Meinung nach nicht verhindern sondern fördern.

Fördern in dem Sinne, dass niemals der Resepekt vor dem Lebewesen verloren gehen darf, aber auch darin, das wissenschaftliche und natürliche Interesse (auch wenn es das Sammeln beeinhaltet) eines Kindes so zu lenken, dass Exemplare ordentlich präpariert, ettiketiert, und aufbewahrt werden. Denn wer kann schon sagen, ob es nicht eines Tages genau die Sammlung eines heutigen Kindes ist, die der erfolgreichen Renaturierung eines Habitates, und der späteren Wiederansiedelung verschollener Arten aus Grundlage gedient hat. Außerdem bedeutet das Sammeln eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit den Insekten, und somit auch, dass Menschen die sie sammeln das Bedürfnis entwickeln, Schmetterlinge und andere Krabbler zu schützen und deren Bestände zu erhalten, nicht sie zu dezimieren oder gar auszurotten.

Ja, ich sammle Insekten, ja ich habe das schon als Kind getan, und ja, ich habe auch viele Fehöler gemacht dabei!

ABER!

Ohne all das, ohne die Förderung meines Umfeldes (meines Vaters, und meines guten Freundes und Mentors des Tierpäparators Werner Högl), die mir gezeigt haben, wie man richtig sammelt, wie am eine Sammlung anlegt, und welche Arten wo leben, was deren Larven fressen, und die mit mir auf Exkursionen in die Naur aufbrachen), hätte ich nie jene intensive Beziehung zur Natur entwickeln können, die mich heute beseelt, und ohne deren Akzeptanz für meine Sammelleidenschaft würde es heute auch dieses Portal nicht geben. ...

In diesem Sinne hoffe ich auch ein wenig zu deiner Frage beigetragen zu haben,

Liebe Grüße
Michael


Freunde sind Engel die dir auf die Beine helfen, wenn deine Flügel verlernt haben zu fliegen!
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#7

RE: Sammeln von Schmetterlingen - warum tut man es ?

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 14.06.2013 15:55
von hall | 1.036 Beiträge | 7113 Punkte

Kurz gesagt: Artenschutz geht nur über den Schutz des Lebensraumes. Durch die Lebensweise unserer Konsumgesellschaft werden tagtäglich wertvolle Biotope
vernichtet. Intensive Landwirtschaft (Düngemittel, Insektizide, Herbizide), Monokulturen, Siedlungsbau, immer mehr Straßenbau wegen der Vollmotorisierung, Straßenbeleuchtung, neue Gewebegebiete in jeder noch so kleinen Gemeinde, Freizeitparks, Schipistenbau mit der dazugehörigen Infrastruktur (Lifte, Parkplätze etc.) und nicht zuletzt unsere Freizeitaktivitäten zu Hause und im Urlaub sind die Ursache dafür daß täglich weltweit Pflanzen und Tiere verschwinden.
Dazu kommt noch das Hautproblem, die Überbevölkerung der Erde.
Ich befasse mich schon über 50 Jahre mit der Zucht und dem Sammeln von Schmetterlingen. Es ist erschreckend wie sogar ganz gewöhnliche Arten zu Seltenheiten werden. Das Sammeln von präparierten Schmetterlingen ist praktisch nicht die Rede wert und hat überhaupt keine Auswirkungen auf die Population.

Einige Gedanken von einem "alten" Sammler der den erschreckenden Arten- und Lebensraumverlust in den letzten Jahrzehnten hautnah miterlebt hat.

Werner aus Tirol


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#8

RE: Sammeln von Schmetterlingen - warum tut man es ?

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 14.06.2013 21:26
von Scary-Doll | 91 Beiträge | 622 Punkte

Ich danke Euch allen sehr für die tolle Antworten ! Ich selber habe das Glück in einem Naturschutzgebiet zu leben wo noch sehr viele Arten vorkommen. Ich habe mich immer schon für die Natur interessiert, aber eher oberflächlich, ohne auf die einzelnen Arten einzugehen. Seit ich selber Mutter bin, sind wir noch mehr im Wald und Feld, da beides zum Glück vor der Haustür ist. Wenn ich so nachdenke, dann beobachten wir seit etwa 4 Jahren die Insekten in unserem Ort. Kennt ihr "Insekten-Safari" ? *lach* Das haben wir mit meiner Tochter zusammen "erfunden" und dann haben wir es mit Kindergartengruppen gemacht und jetzt gibt es monatliche Safaris für die Kinder der Grundschule. Wir versammeln uns einfach zur bestimmten Terminen im Wald (oder Feld oder Wiese) und stiefeln los mit Lupen und Smartphones "bewaffnet" - alles, was wir sehen wird unter der Lupe betrachtet und fotografiert, falls jemand das Tier erkennt, wird gleich darüber berichtet (mittlerweile passiert es sehr oft und selbst die Kinder erkennen viele Arten). Dieser Spaziergang kann schon bis zur 4 Stunden dauern, anschließend gehen wir heim und treffen uns einige Tage später in der Schule wo wir unsere Bilder auswerten und mit Kindern zusammen per Internet und den Paar Büchern die wir haben versuchen, die Arten zu bestimmen. Bis jetzt hat das immer viel Spaß gemacht und die Kinder bekommen ein ganz anderes Gefühl für die Natur und die "kleine Welt", keiner der Kinder hat je versucht eine Raupe oder Ameise zu zerquetschen und gehen sehr behutsam mit den Insekten um.
Es geht uns um Aufklärung und sinnvolle Beschäftigung, solche "Insekten-Safaris" vergessen die Kinder nicht so schnell und wir Eltern werden davon auch nicht dummer . Die Kinder beeindruckt das viel mehr als ein Zoobesuch und sie gehen ganz anderes in die Natur - mit offenen Augen und Jagdfieber :-).
So beobachten wir die Insekten, nicht wissenschaftlich, sondern eher pädagogisch.

LG Swetlana.


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#9

RE: Sammeln von Schmetterlingen - warum tut man es ?

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 15.06.2013 10:07
von LION | 141 Beiträge | 756 Punkte

Hallo liebe Foren-Mitglieder, selten habe ich eine so wundervolle Diskussion zu einem oft wiederkehrenden Thema gefunden. Leider, oder vielleicht gut so, habe ich erst heute die Diskussion gelesen. Na ja, praktisch fast alles, was ich hätte sagen wollen, ist mindestens schon einmal gesagt worden. Und der Nebeneffekt: diese unsere Gemeinschaft ist völlig o.k., wir sind Gleichgesinnte! Jene Frage eingangs kenne ich mehr als gut. Ich habe schon in mehreren Schulen, auch Kindergärten, über unsere Lieblinge vorgetragen, natürlich auch mit Demo-Material. Na ja, und da ist eben jene Frage unausbleiblich, aber die Antworten sind ja schon gegeben worden. Der mal NaBu-Verantwortliche zumindest im Raum Jena, Dr. Dietrich von Knorre, hat mal einen diesbezüglichen Vortrag hier Im Phyletischen Museum gehalten. Und der Kernsatz seines Vortrages war: "Nur was man kennt, kann man auch schützen!" Ich dachte damals, dieser Satz sei seine Erfindung. Aber, offenbar stammt der schon aus einer früheren Zeit. Wer kennt den wahren Autor?? Würde mich sehr interessieren.
Ich habe eine mini-kleine Ergänzung zu dem Satz "noch keine Schmetterlingsart ist von Sammlern ausgerottet worden". Ich schätze mal, zu 99,9% richtig. Es gibt wenige kritische Situationen. Ein Falter ist ein "Eiszeitrelikt", er hat sich an ganz wenigen Stellen, manchmal nur einer einzigen, ganz lokal erhalten. Hier bei Jena gibt es so ein Tier, Chelis maculosa. Natürlich möchten die Sammler so ein Tier schon gerne haben, aber wie?? Na ja, und da gibt es eben leider unter uns auch solche, die, wenn sie den genauen, eng begrenzten Flugplatz kennen, dem Falter mit Lichtfallen, den Raupen auf den wenigen Labkrautpolstern nachstellen. Und die Falter lassen sich dann auf Börsen so richtig zu Geld machen!! Na ja, und da kann es dann passieren, dass die minimal nötige Überlebenszahl unterschritten wird, denn eine "Zuwanderung" ist ja schlecht möglich. Und das war es dann. Einer meiner Schmetterlingslehrer, Gerhard Schadewald, hatte mir ähnliches über den Apollo erzählt. Unbestritten ist dieses Tier ja ein sehr begehrenswertes Objekt. Das ist nicht schlimm, wenn da nicht so eine Besonderheit wäre. Meine erste Begegnung mit diesem Wahnsinnsfalter war dereinst im Kaukasus, in Georgien. Ihn zu fangen, kein Problem, er setzt sich ja fast auf die Hand, geschweige denn, uneinholbar wegzufliegen. Und dann überwintert das Ei, die früh im Jahr schlüpfenden Raupen sind kohlrabenschwarz, um das noch spärliche Sonnenlicht zu absorbieren, dank dieser Energie dann ihre Körpertemperatur aufzuheizen, um genügend beweglich zu sein, um fressen zu können. Na ja, und die schwarzen Strichelchen auf dem grünen Sedum - das sieht man schon aus großer Entfernung. Hinzu kommt, dass viele Arten / Unterarten in den Tälern im Hochgebirge leben. Na ja, und da die Falter dann selten die eingrenzenden Talwände überfliegen, gibt es da seit langer Zeit Inzucht, was eben zu "Rassen, Unterarten, ..." führt. Die sehen dann immer ein bisschen anders aus. Na ja, und wenn dann die "Form" aus irgendeinem Tal sehr abweicht und daher deutlich gesucht / gefragt ist, dann kann das schon verlocken, wenn man eben jenen Ort kennt, dort öfter hinzugehen. Und da kann man quasi "total absuchen", im Frühjahr die schwarzen Strichelchen, im Sommer dann die zutraulichen Falter. Und in diesem speziellen Falle war es das dann. Leider kenne ich noch weitere Beispiele von speziellen Sumpfwiesen, aber es soll mal gut sein.
Ich hoffe, mein Beitrag wird nicht falsch verstanden. Aber, ich wollte eben diese Mini-Nuance nicht unerwähnt lassen.
In diesem Sinne
Rainer, the LION


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#10

RE: Sammeln von Schmetterlingen - warum tut man es ?

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 15.06.2013 12:19
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo Freunde,

ob der wirklich dynamischen Diskussion zum Thema melde ich mich auch noch einmal zu Wort.

@ Svetlana: TOP
Was du hier für unsere Natur, die Insekten und die Kinder leistest ist beispiellos, und findet, so hoffe ich innigst viele Nachahmer, vor allem unter den Pädagogen. Frühförderung der kindlichen Beziehung zur Natur und den Lebewesen in ihr, sind meiner Meinung nach elementare Bestandteile eines glücklichen Lebens in späteren Jahren. Viele Menschen leben heute entfremdet von ihren Wurzeln, eingebunden in urbane Strukturen und Freizeitaktivitäten, die sich immer weiter vom natürlichen Kreis des Lebens entfernen.
Leider sind diese Menschen später oft unglücklich, depressiv, entwurzelt oder einsam! Was du den Kindern in deinem Verantwortungsbereich hier gibst, ist wertvoller als alles theoretische Wissen, das sie als Schüler erwerben können. Dafür möchte ich dir herzlich danken - im Namen der Insekten, und vor allem im Namen deiner Kinder.

@ Lion:
Auch deiner Argumentation kann ich einiges abgewinnen, wenngleich ich zugeben muss, dass mir hier bei weitem nicht so viele Fälle bekannt sind, wie du sie erwähnt hast. Es mag vereinzelt Menschen geben, die ohne Rücksicht auf die Bestandssituation Jagd auf bestimmte ssp. oder Formen, sowie bereits fast ausgesorbene Relikte machen, die überwiegende Mehrheit der Entomologen allerdings - davon bin ich überzeugt - wird versuchen, solche Habitate zu schützen und den biologischen Schatz darin zu bewahren.
Leider wird es aber immer auch Menschen geben, denen eigener Profit wichtiger ist, als das Überleben einer Art. Diese Menschen bezeichne ich dann aber auch nicht als Entomologen. So etwas finde ich zutiefst traurig, ABER ich bin davon überzeugt, dass eine frühe Beziehung zu den Insekten, und das innere Gefühl, Teil des biologischen Ganzen zu sein, auch diese Menschen hätte davon abhalten können, aus dem Sammeln eine ökonomische Perspektive zu entwickeln, anstatt eine von Faszination, Staunen und der Liebe zur Natur getragene.

Davon bin ich überzeugt.

Liebe Grüße
Michael


Freunde sind Engel die dir auf die Beine helfen, wenn deine Flügel verlernt haben zu fliegen!


zuletzt bearbeitet 15.06.2013 17:59 | nach oben springen

#11

RE: Sammeln von Schmetterlingen - warum tut man es ?

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 16.06.2013 08:28
von hall | 1.036 Beiträge | 7113 Punkte

@ Lion

Der vielzitierte Apollofalter muß oft als Argument gegen die "bösen" Sammler herhalten. Allein durch seine Attraktivität erregt er auch bei Nichtentomologen und Presse viel Aufsehen. Tatsache ist daß viele hunderte "unscheinbarere" Arten viel gefährdeter sind und still und heimlich verschwinden. Die Gefährdung des Apollofalters nördlich der Alpen und auch im Osten Österreichs ist sicher Realität. Ich bin in der glücklichen Lage in den Alpen zu wohnen und hier ist die Art keineswegs selten. Allein in Nordtirol kenne ich ca. 15 Standorte wo der Falter von Jahr zu Jahr mehr oder weniger häufig fliegt. Wenn hier einzelne Biotope gefährdet sind dann nur direkt oder indirekt durch den Menschen. Die Biotope wachsen zu und die Futterpflanze verschwindet. Hauptsächlich durch Aufforstung wie zu Beispiel in Taufers/Vinschgau (Südtirol) wo großflächig die Trockenhänge mit Lärchen aufgeforstet wurden und werden. Wahrscheinlich mit EU-Geldern.

Werner


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#12

RE: Sammeln von Schmetterlingen - warum tut man es ?

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 16.06.2013 11:37
von Heiko70 | 1.916 Beiträge | 15923 Punkte

Hallo Swetlana, hallo alle,

wenn man es mal ganz aus der Sicht der Welt und der Natur betrachtet, bringt das Sammeln von Schmetterlingen nichts, genauso wenig, wie das Sammeln von Briefmarken oder sonstigen Dingen.

Aber: Da der Mensch ja ein neugieriges Wesen ist und alles erforscht und hinterfragt, ist das Sammeln gewisser Dinge, für uns Menschen, eben sinnvoll. Zum Erhalt der Biotope und der Lebensräume bringt es zwar auch nichts, aber zu Nachweis, was früher wo flog und in welcher Häufigkeit, ist eine Sammlung sehr wertvoll und deswegen doch zum Naturschutz brauchbar.

Wenn ich mir meine Sammlung so anschaue und dann vergleiche, was ich in den letzten 30 Jahren hier gefangen und präpariert hab und was heute hier alles rumfliegt, dann kommt mir das Grausen.
Viele Arten sind verschwunden, die ich, anhand meiner Sammlung, genau nachweisen kann und das geht wahrscheinlich nicht nur mir so. Da wo ich früher Falter fand, oder Raupen, da stehen heute Wohnkomplexe, Solaranlagen und manch andere Dinge, die dem Menschen plötzlich so wichtig sind.
Ich habe mit die letzten Falter verschiedener Biotope in meiner Umgebung, und die sind sicher nicht wegen mir ausgestorben, da ich nur Einzelexemplare aus der Natur nehme und auch aus Zuchten nur wenige Falter töte und präpariere. Die sind deswegen ausgestorben, an diesen Plätzen, weil man meinte die Bäume umzuschneiden, den Feldweg zu teeren, oder das Unterholz zu roden wäre wichtig.

Im Endeffekt zeigt einem jede Sammlung nur, wie gnadenlos wir mit der Natur und deren Bewohnern umgehen.
Fragt mal die älteren Sammler und seht mal in deren Sammlungen nach, da sieht man, wie der Mensch über Generationen viele Arten dezimierte und sogar ganz ausrottete, aber nicht der Sammler tat das, nein, die Profitgier des Menschen ist daran schuld.

Wie dem auch sei, eine gut geführte Sammlung, mit Fundortetikett und genauen Daten, ist für die Wissenschaft, heute und vor allem in ein paar Jahren, von sehr großem Wert, um die Vielfalt jener zu erahnen, die der Mensch so einfach ausrottet, der Schmetterlinge.
Diese Art von Sammler nennt sich Entomologe bzw. Lepidopterologe, weil ihm die Erforschung und die Erhaltung am Nächsten liegt.

Natürlich macht es einen Unterschied, zwischen Sammeln und Sammeln. Wie wohl in jeder Situation, ist die Motivation der Sammler jeweils eine andere. Die Meisten (so hoffe ich), machen das Ganze aus oben beschriebenem Grund, wegen des Nachweises, der Wissenschaft und der Erhaltung und zum Schutz der Arten und deren Lebensräume.
Allerdings gibt es auch hier, wie eben überall, schwarze Schafe, die mit vielen, großen und bunten, aber vor allem seltenen Arten angeben wollen, den Leuten zeigen, "schaut mal was ich hab".
Es gibt auch noch die, die echt jeden Falter aus nem Habitat fangen, weil es das letzte erhaltene Biotop ist, in dem der Falter noch fliegt und aus lauter Gier wird dann wieder alles weggefangen.
Dann gibt es auch noch die, die Profit machen wollen (typisch menschlich).
Ich hoffe sehr inständig, diejenigen, die ich gerade beschrieb, sind die Wenigsten.
Diese Art von Sammler nennt man unverantwortlich sich, seinen Mitmenschen und der Natur gegenüber.

Liebe Grüße, von einem verantwortungsvollem Sammler, Heiko



zuletzt bearbeitet 16.06.2013 13:00 | nach oben springen


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