#1

Ammobiota (Arctia) festiva (hebe)

in Zuchtberichte von Schmetterlingen 20.11.2013 14:43
von Heiko70 | 1.947 Beiträge | 16169 Punkte

Ammobiota festiva


Am 21.05.2013 erhielt ich 25 Raupen von dieser schönen Art. Die Tiere waren in L2/L3.



Der Züchter erklärte mir sehr genau, wie ich vorzugehen habe, warnte mich aber im Vorraus schon vor großen Verlusten, welche die Zucht dieser Art scheinbar immer begleiten. Die erhaltenen Raupen waren noch am Fressen.

In der Natur legt diese Art in L3 eine Sommerpause ein, da es in den Vorkommensgebieten trocken wird und die Tiere diese Zeit in Ruhe verbringen. Diese Ruhezeit beträgt etwa 5-6 Wochen. Danach wird kurz gefressen, die Raupen häuten sich bis L5 und gehen dann in Winterruhe. Nach dieser häuten sich die Raupen noch 1X um sich dann zu verpuppen.

Mir wurde erklärt, daß, wenn ich beide Ruhezeiten einhalte, die Verluste wahrscheinlich zu groß wären und ich bei dieser geringen Anzahl von Raupen wohl keine durchbringen würde.
Ich bekam eine genaue Beschreibung, wie die Tiere mit nur einer Ruhephase bis zum Falter gezüchtet werden können, die Angaben decken sich sehr gut mit der Beschreibung im "Handbuch der Schmetterlingszucht" von Ekkehard Friedrich.

Ich gab den Raupen Löwenzahn und Spitzwegerich zu fressen, bis sie sich von selbst festsetzten und nichts mehr fraßen. Das ist wichtig. Die Tiere sollen bei Temperaturen um 20 Grad gehalten werden, bis sie von selbst aufhören zu fressen.
Dann hatte ich die Tiere in einen Kunststoffbehälter überführt. Immer Eine nach der Anderen, da nicht alle gleichzeitig in Ruhe gingen.
Diesen Behälter stellte ich, genau nach Angaben, etwas kühler. Die Raupen befinden sich jetzt in der Sommerruhe.
Im Behälter sollte immer ein frisches Blatt liegen, wegen der Luftfeuchtigkeit und falls die Raupen doch mal knabbern wollen, was sie bei mir aber nicht taten.
Nach ca. 2 Wochen sollte man die Raupen dann in den Kühlschrank geben, bei ca. 4-6 Grad. Dort gehen sie dann ohne Übergang in die Winterruhe. Beginnen die Raupen VOR der Kühlschrankphase zu fressen, dann gehen sie NICHT in Winterruhe, aber auch nicht zu früh in den Kühlschrank geben.

Ich gab die ersten Tiere am 09.06.2013 in den Kühlschrank. Einmal in der Woche habe ich gesprüht, was wichtig ist, wegen der Gefahr des Austrocknens, aber nicht zu viel, damit nichts schimmelt. Der Züchter sagte mir, es ist sehr wichtig, diese Ruhephase ganz zu Ende zu bringen, was bedeutet, die Raupen müssen von selbst, im Kühlschrank anfangen zu Fressen. Das würde etwa 10-12 Wochen dauern, weshalb man nach ca. 8-9 Wochen auch immer wieder ein angewelktes Blatt beigeben sollte.

Die ersten Wochen verliefen völlig ohne Verluste. Bei der Kontrolle waren die Raupen am Leben, hatten ab und zu mal die Position gewechselt und sich bei Störung eingerollt. Nach ca. 5-6 Wochen kam die erste Verlustwelle. 9 Raupen starben innerhalb kurzer Zeit, warum weiß ich nicht.
Nach ca. 8 Wochen das Gleiche wieder. 6 Raupen starben.

Nach 10 Wochen, 17.08.2013, erkannte ich dann kleine Fraßspuren und vor allem Kot im Behälter. Ich holte die Raupen, bei denen ich sicher war, aus dem Behälter und erhöhte langsam die Temperatur.



4 Raupen begannen ohne Probleme zu fressen und häuteten sich dann auch bald. Weitere 5 Überlebende verweigerten die Futteraufnahme und trotz Badens starben sie bald.



Ab dem 24.08. häuteten sich die Raupen dann Eine nach der Anderen zu L6.



Dann begannen 3 sich ein zu spinnen, ab dem 02.09.2013. 2 Raupen waren schön groß, eine ziemlich klein.



Die Vierte begann sich wieder fest zu spinnen und ging nochmal in Ruhepause. Sie starb nach 3 Wochen Kühlschrankaufenthalt.
Die 3 Überlebenden verpuppten sich, ab dem 05.09.2013. Die Kleine starb als Puppe ab, kurz vor dem Schlupf.



Die beiden Anderen ergaben 1 wunderschönes Päärchen, machten aber keine Anstalten sich zu paaren. Der erste Falter kam am 17.09.2013, ein Männchen, das Weibchen schlüpfte am 20.09.2013. Letztendlich habe ich das Päärchen dann präpariert.



Allgemeines:
Ich führte die Zucht in Kunststoffbehältern durch. Weder vor der Ruhezeit, noch danach, machten die Raupen Probleme. Nur während der Ruhe und während des Erwachens gab es Probleme. Durch Aussagen einiger Züchter, davon echt erfahrene Leute, ist es wohl normal, daß bei dieser Art hohe Verluste auftreten, bis hin zum Totalverlust.
Ich bin der Meinung, die Fehler liegen tatsächlich in der Ruhezeit. Die 2 Wochen Sommerruhe überstanden meine Tiere ohne jegliche Verluste. Die folgende Kühlschrankzeit wurde dann auch gut weggesteckt, bis auf einmal viele Tiere starben, innerhalb weniger Tage. Danach war wieder alles gut, bis wieder ein paar Tage dabei waren, in denen einige Tiere starben. Vielleicht lag es am selben Fehler, nur bemerkte ich den nicht. Nach der Ruhephase begannen manche Raupen nicht mit der Futteraufnahme, was vielleicht daran lag, daß ich sie als vermeindlich fressende Tiere aus dem Kühlschrank nahm, sie aber in Wirklichkeit noch nicht gefressen haben und somit die Futteraufnahme verweigerten, da sie ja eigentlich noch in der Ruhezeit waren. Beim nächsten Mal werde ich da besser aufpassen, ob auch wirklich jede Raupe begonnen hat zu Fressen, bevor ich sie raushole.

Im Großen und Ganzen bin ich mit dieser Zucht zu frieden, war es doch eine richtige Herausforderung.

Futter:
Ich fütterte während der ganzen Zucht mit Löwenzahn und Spitzwegerich.

Beste Grüße, Heiko


Leben ist etwas Seltenes, die meisten Menschen existieren nur. (Oscar Wilde)


zuletzt bearbeitet 20.11.2013 14:48 | nach oben springen

#2

RE: Ammobiota (Arctia) festiva (hebe)

in Zuchtberichte von Schmetterlingen 20.11.2013 15:26
von hall | 1.060 Beiträge | 7257 Punkte

Hallo Heiko,

vielleicht sollte man die Zucht wie Arctia konewkaii aus Sizilien durchführen. Ich habe die L3-Raupen ca. 2,5 Monate (Juli/August) "übersommert". Die Raupen wurden in einer offenen Plastikbox trocken im Wintergarten aufbewahrt. Die Temperaturen schwankten von ca. 18° in der Nacht bis ca. 35°(!) untertags. Vorsichtshalber legte ich alle 2 Tage einige Brombeeräste und Löwenzahn zum Knabbern in die Box. Ich konnte aber keine Fraßspuren entdecken. Ca.Mitte September badete ich die Raupen täglich kräftig und bald gingen sie ans Futter und schon im Spätherbst schlüpften die ersten Fallter. Die Verluste waren praktisch null. Eine normale Überwinterung fand nicht statt.

Sollte ich einmal an Zuchtmaterial (Eier) von Arctia festiva kommen so werde ich es so versuchen auch auf das Risiko hin daß es ein Flop wird.

Auf der Münchener Börse kaufte ich einmal 25 L3-Raupen und versuchte damit eine "normale" Überwinterung. Das Ergebnis: 24 tote Raupen - 1 männlicher Falter.

Werner



zuletzt bearbeitet 20.11.2013 15:34 | nach oben springen

#3

RE: Ammobiota (Arctia) festiva (hebe)

in Zuchtberichte von Schmetterlingen 04.06.2015 09:12
von Mulli Ulli | 4 Beiträge | 20 Punkte

Hallo Heiko,
danke für den Hinweis, da hast Du Dir ja mächtig Mühe gegeben.
Ich bin eigentlich gar kein Entomologe, ein Freund brachte mich aber dazu, Falter verschiedenster Arten zu züchten, die ich dann aber allesamt fliegen lasse.
Z.Zt. schlüpfen bei mir Götterbaumspinner, die sich im Sept. 15 verpuppt haben. Die Eier fanden wir im Juli 15. Bei meinem Freund paaren sich z.Zt. zwei, da gibts wieder jede Menge Eier. Hast Du Interesse daran?
Von den Heberaupen habe ich 210 Stck, verteilt auf zwei Plastikbehältnisse, die noch auf dem Fensterbrett stehen, aber gegen zu starkes Sonnenlicht abgeschirmt werden. (Siehe: http://www.lepiforum.de/2_forum_2013.pl?md=read;id=18559)
deinen Bericht werde ich mal meinem Bekannten zukommen lassen. Wir haben Zuchthinweise verschiedenster arten bekommen, Deiner erscheint mir am detaillierten. Danke.
Herzlichen Gruß
Michael
PS: Wo wohnst Du und wie alt biste? Ich bin 75 wohne in Konstanz am schönen Bodensee


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#4

RE: Ammobiota (Arctia) festiva (hebe)

in Zuchtberichte von Schmetterlingen 04.06.2015 11:10
von Marvin99 | 77 Beiträge | 477 Punkte

Ich wohne auch in Konstanz! (Wunderschöne Stadt!!!!)

Grüße Marvin


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#5

RE: Ammobiota (Arctia) festiva (hebe)

in Zuchtberichte von Schmetterlingen 11.09.2015 09:40
von Mulli Ulli | 4 Beiträge | 20 Punkte

Hallo,
das sind Heberaupen, bzw. eine Heberaupe, die ist aber nicht etwa verschimmelt, sondern wohl ein Albino, leider tot.
Weiss jemand darüber etwas?
Von ehemals 160 Raupen verblieben mir, nach 10 wöchigem Aufenthalt im Keller, noch 144, ich nehme mal an, das ist ein sehr gutes Ergebnis, oder?

War wohl doch eine verschimmelte, schade!


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