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Zuchtbericht von Actias dubernardi

in Zuchtberichte von Schmetterlingen 30.05.2014 16:34
von Heiko70 | 1.947 Beiträge | 16169 Punkte

Actias dubernardi

Durch einen Zufall kam ich am 04.02.2014 an 20 Eier von Actias dubernardi. Diese lagerte ich in einer kleinen Münzdose, ohne sie zu besprühen. Die Dose ließ ich bei ca. 20° C im Zimmer stehen, bis die Räupchen schlüpften.



Ab dem 10.02.2014 begann der Schlupf der L1 Raupen. Aus den 20 Eiern schlüpften in den nächsten Tagen 19 Räupchen aus. Sie wurden umgehend in eine kleine Dose gebracht und besprüht, damit sie trinken konnten.



Nach einigen Minuten wurden sie in Kunststoffbehälter überführt, in dem ein Zweig mit ausgereiften Kiefernnadeln (Pinus sylvestris) lag. In den Behälter sprühte ich einmal ordentlich hinein, da es die Raupen, zumindest in der Jugend, sehr feucht mögen. Die Nadeln und auch die Seitenwand des Behälters war dadurch mit Tropfen versehen.
Der Behälter schloß nicht absolut dicht, um ein Schimmeln zu vermeiden. So mußte ich jeden Tag neu sprühen.
Es wurden max. 5 Raupen in diesen Behälter gegeben.
Schon bald sah ich kleine Kotbällchen am Boden liegen, was auf eine erfolgreiche Nahrungsaufnahme hinwies.
Durch die hohe Luftfeuchtigkeit ist absolute Sauberkeit unerläßlich, was mich zu täglichem Säubern veranlasste.



Am 16.02.2014 konnte ich die ersten L2 Räupchen entdecken. Die Farbe änderte sich nun von schwarz zu rotbraun. Sie sehen nun aus wie Knospen der Pinus und saßen an den Zweigen, wodurch sie sehr gut getarnt waren.
Ich ließ sie noch immer in dem Behälter, in dem auch die L1 waren. Immer noch wird täglich einmal kräftig gesprüht und auch jeden Tag der Behälter gesäubert.



Ab dem 21.02.2014 waren sie teilweise in L3. Sie sehen nun gänzlich anders aus. Sind hellgrün mit braunem Nacken.Jetzt kamen die Tiere in größere Behälter. Das Futter wurde wieder an ganzen Zweigen angeboten und nur ausgereifte Nadeln. Frische, junge Nadeln erzeugen sehr schnell Infektionen, was zum sicheren Tod dieser Tiere führt. Auch in dieser Haut wurde noch kräftig gesprüht und auch dieser Behälter schließt nicht zu 100% dicht ab. Tägliches Säubern des Behälters war auch hier angebracht. In dieser Haut konnte man schon den goldenen Glanz erkennen, den die Raupen an den Wulsten haben.



Die ersten Häutungen zu L4 waren ab dem 27.02.2014 zu beobachten. Die Farbe und Form änderte sich nun nicht mehr. Das Verhalten blieb auch gleich, mit dem kleinen Unterschied, daß die Raupen nicht mehr an den Nadeln hochklettern um sie von der Spitze her zu befressen, sondern jetzt biegen sie die Nadeln nach unten, zu einem Bogen um sie, ebenfalls von der Spitze her, zu fressen. Ab jetzt kamen die Tiere in große Kunststoffkübel. In diese Kübel kamen kleine Äste und wieder wurde einmal täglich gesprüht.



Ab dem 05.03.2014 häuteten sich die Raupen zu L5. Sie sind farblich gleich geblieben. Die fleischigen Fortsätze wurden jetzt größer und die Behaarung dichter. Der Glanz ist nun am stärksten ausgeprägt. Die Tiere sind wunderschön. In dieser Haut treten die meisten Probleme auf. Die Raupen sind nun nicht mehr so feucht zu halten, wie in den ersten Häuten. Auch in dieser Zucht hatte ich die meisten Verluste in dieser letzten Haut. Immer wieder starben Raupen, aus mir unerklälichen Gründen ab. Sie hatten weder Durchfall noch eine andere erkennbare Krankheit. Sie hörten einfach auf zu fressen, saßen 2-3 Tage reglos am Ast um dann herunter zu fallen.



Ab dem 19.03.2014 begannen die ersten Raupen mit dem Kokonbau. Dieser wird zwischen den Nadeln gefertigt.



Die Farbe der Kokons variiert zwischen schwarz und hellbraun. Von 19 geschlüpften Räupchen brachte ich 6 zur Verpuppung.
Nach 3 Tagen, am 22.03.2014 konnte ich Puppen erkennen, wenn ich die Kokons gegen das Licht hielt.



Die Kokons hatte ich in einen Gazeschlupfkasten gehängt und ab und zu mal angesprüht. Der erste Falter, ein Weibchen, schlüpfte am 06.05.2014. Etwa eine Woche später am 11.05.2014 ein weiteres Weibchen und am 27.05.2014 nochmal ein Weibchen. Die 3 männlichen Puppen sind bis heute noch nicht geschlüpft und zeigen auch noch keine Entwicklung.




Allgemeines:

Die Zucht dieser Art ist recht heikel, was sie zu keiner Anfängerart macht. Schon wegen der hohen Luftfeuchtigkeit in den ersten Raupenstadien und der daraus resultierenden Gefahr von schnellen Infektionen, ist auf höchste Sauberkeit zu achten. Kot und Hautreste sind täglich zu entfernen, um ein Schimmeln zu vermeiden. Ich hatte 2 Verluste in L1, 2 Verluste in L2, 1 Verlust in L3 und 1 Verlust in L4. In der letzten Haut hatte ich 7 Raupen verloren, aus mir unerklärlichen Gründen. Ich weiß aber von sehr erfahrenen Züchtern, daß in dieser letzten Haut oftmals Totalverluste auftreten können.
In den Häuten L1-L3 ist eine recht hohe Luftfeuchtigkeit vorteilhaft, sogar von Nöten.
Ab der Haut L4 und vor allem in L5 sollte man etwas weniger Feuchtigkeit im Behälter haben, in L5 ist ein direktes Ansprühen der Raupen unbedingt zu vermeiden.
Die Zuchttemperatur betrug während der gesamten Zuchtdauer zwischen 19° und 22°. Ich hielt sie im unbeheizten Zimmer.
Vor dem Einspinnen sondern die Raupen einen flüssigen Kotballen ab, der recht umfangreich sein kann. Pflanzenteile, die damit in Kontakt kamen sind umgehend zu entfernen. Verschmutzte Nadeln, die von den anderen Raupen gefressen werden, verursachen Infektionen, durch die die Raupe sicher eingeht.
Nach der Verpuppung müssen die Kokons nicht zwingen feucht gehalten werden, die Falter entwickeln sich trotzdem ganz gut und pumpen auch ihre Flügel voll auf, wenn sie im luftigen Zuchtkasten schlüpfen.

Futter:

Ich fütterte von Anfang an ausgereifte Nadeln. Selbst die kleinen Raupen haben keinerlei Probleme, an diesen harten Nadeln zu fressen. Frische, junge Nadeln verursachen Durchfall und Infektionen, dadurch kann innerhalb weniger Tage die ganze Zucht zu Grunde gehen. Ich bot das Futter immer in Zweigen und kleinen Ästen an. Es ist dringend darauf zu achten, daß die Bruch- und Schnittstellen der Zweige mit Wachs abgedeckt werden. Das austretende Harz verklebt sonst die Kiefer der Raupen und es ist diesen dann unmöglich Futter aufzunehmen, sie verhungern.

Behälter:

Als Zuchtbehälter nahm ich in den ersten Häuten kleine, flache Kunststoffdosen her, die FAST dicht sind. In den späteren Häuten wurden die Behälter immer größer, bis am Schluß 7,5 Liter Kübel benutzt wurden.
Bei den Kübeln hatte ich in den Deckel ein großes Loch geschnitten. Auf den Kübelrand legte ich Gaze, den Deckel darauf und das Loch wurde dann mit Folie zugedeckt. So konnte ich die Luftfeuchte recht gut regulieren.







Viel Spaß beim Züchten dieser schönen Art und beste Grüße, Heiko


Leben ist etwas Seltenes, die meisten Menschen existieren nur. (Oscar Wilde)


zuletzt bearbeitet 31.05.2014 10:09 | nach oben springen


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