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Zuchtbericht Favonius quercus (Blauer Eichenzipfelfalter)

in Zuchtberichte von Schmetterlingen 29.06.2014 18:01
von steffen1978 | 1.138 Beiträge | 27682 Punkte

Zuchtbericht Favonius quercus (Blauer Eichenzipfelfalter)

Im Folgenden schildere ich meine Erfahrungen bei der ex ovo Aufzucht des blauen Eichenzipfelfalters (Favonius quercus).

Eisuche und Lagerung:

Die Eier diverser Zipfelfalter lassen sich wunderbar im Winter suchen. Am besten sind sonnige Tage, da gutes Licht die Suche erleichtert. Ich fand im Durchschnitt etwa 6 Eier pro Stunde, wobei Glücksfälle (5 Eier an einem Ast) ebenfalls vorkamen. Ich hatte die besten Sucherfolge an blattlosen Eichen (Sommereiche) mit kräftigen Knospen. An Eichen mit kleinen Knospen konnte ich keine Eier finden - ebeso nicht an belaubten Eichen. Die Südseite war stets ergiebiger als andere Seiten, bei mir jedoch lagebedingt auch oftmals besser zugänglich. Freistehende Eichen werden nach meiner Erfahrung nicht stärker belegt als Eichen am Waldrand. Die Ablage erfolgt zu 90% an den äusseren Knospen bzw. am Knospenansatz.





Es bedarf ein bisschen Zeit bis man die Eier rasch erkennt, denn im Vergleich zu den Eiern des Birkenzipfelfalters feht der Kontrast zur Umgebung (Eier von betulae "leuchten" hell weiß auf den dunklen Schehengabeln). Sehr selten werden die Eier auch an Gabeln nahe von Knospen abgelegt. An Jungeichen konnte ich keine Eier entdecken. Als hilfreich erwies sich ein Regenschirm mit gebogenem Griff um Äste aus größerer Höhe herabzuziehen. Für mich entnahm ich 8 Eier, wobei ich diese alle am Truppenübungsplatz nahe Hepberg/Ingolstadt, Bayern entdeckte. Es ist empfehlenswert, die Eier an der Knospe zu belassen, wozu ich belegte Ästchen etwa 5 cm lang mit der Gartenschere abzwickte. Von Ende Jannuar bis Mitte März lagerte ich die Eier an ihren Knospen/Ästchen in einem Schuppen, in welchem Frost und Feuchtigkeit (sofern Frost überhaupt erreicht wird) auch Einzug erhalten. Besondere Pflege war nicht erforderlich. Ab Mitte März kamen die Eier samt (vertrockneter) Knospen einzeln in kleine und nahezu luftdichte Klarsichtdosen. Ich erwarb dazu im Internet 30 Döschen mit einem Durchmesser von ca. 3 cm und einer Höhe von ca. 1 cm, wie sie in Maniküre Salons zur Präsentation und Lagerung von Fingernagelschmuck verwendet werden (Nailart-Döschen). Die Döschen lagerte ich in einem unbeheizten Raum an einem schattigen Ort (keine direkte Sonneneinstrahlung).


Raupenschlupf und Wachstumsphasen:

Am 28.3.2014 schlüpfte das erste Räupchen, binnen einer Woche 4 weitere. Aus den verbliebenen drei Eiern schlüpften keine Räupchen. Die Raupen sind winzig und schwer zu entdecken, weshalb die Einzelhaltung in Kleinstgefäßen absolut empfohlen wird. Da die Eichenknospen bei mir zu dieser Zeit noch weit vor dem Aufbruch standen, halbierte ich diese mit einem scharfen Messer. Die Jungraupen fressen dann die weichen Innenbereiche der Knospen, wozu sie sich zumindest teilweise auch in die Knospe "bohren" und dann einige Tage nicht mehr zu sehen sind. Im Nachhinein wäre es sinnvoll gewesen, die Eichen im Zimmer vorzutreiben, denn offenbar werden aufgebrochene Knospen bzw. junge Blätter deutlich bevorzugt. Ansonsten ist es hilfreich, etwa alle 2-3 Tage eine frische kräftige Knospe zu halbieren, die die Räupchen bei Bedarf von selbst aufsuchen. Sollten die Raupen längerer Ausflüge am Deckel des Döschens unternehmen, hilft es, zusätzliche Knospen beizugeben und den Behälter dunkler zu stellen. Leider sind die Raupen aufgrund ihrer Lebensweise "in der Knospe" schlecht zu beobachten. Erst ab dem zweiten Drittel im Monat April hatte ich Eichenblätter verfügbar, die die Raupen bereitwillig und im Vergleich zu Knospen dann auch deutlich bevorzugt fraßen. Einmal konnte ich eine Jungraupe bewegungslos auf der Seite liegend im Gefäß entdecken, die ich für "tot" hielt, sie aber aus Zeitmangel nicht sofort entsorgte. Diese Raupe war einen Tag später frisch gehäutet und fraß genussvoll weiter... Im Folgenden ist eine Bildserie des Raupenwachstums gezeigt.


Frisch geschlüpfte Eiraupe, 28.3.2014


Frisch geschlüpfte Eiraupe, 28.3.2014


7 Tage alte Raupe


13 Tage alte Raupe


16 Tage alte Raupe


21 Tage alte Raupe


27 Tage alte Raupe


30 Tage alte Raupe


Raupe/Präpuppe am 1.5.2014


Die ersten Anzeichen für die Verpuppungsbereitschaft stellten sich am 1.5.2014 ein, also ca. 5 Wochen nach dem Schlupf der ersten Raupe. Drei Raupen brauchten dafür bei mir jedoch auch gute 6 Wochen. Im Vergleich zu anderen F. quercus Zuchten (die Mitglieder hier im EP parallel durchführten) erscheint dies recht lang zu sein, was wohl am Futter und der vergleichsweise kühlen Haltung liegen dürfte.


Verpuppung und Puppenruhe:

Am 4.5.2014 erhielt ich die erste Puppe, binnen 14 Tagen dann vier weitere. Eine Draufsicht und eine Seitenansicht sind nachfolgend gezeigt. Die Verpuppung erfolgte locker an Blätter gesponnen, wobei dies wohl mangelns "besserer Optionen" zu erklären sein dürfte.


Puppe, 1 Tag alt, 4.5.2014


Puppe, 1 Tag alt, 4.5.2014


Falter und Nachzuchtversuch (erfolglos):

Am 29.5.2014 (nach knapp 4 Wochen Puppenruhe) schlüpften die ersten Falter, ein Weibchen und ein Männchen. Binnen 3 Tagen schlüpften die verbleibenden 3 Tiere, alles Weibchen. Ich hielt die Tiere in einem Flugkäfig der Größe 120 cm * 60 cm * 30 cm im Freien, jedoch geschützt vor Regen und Vögeln. In einer Vase eingefrischt habe ich einen Eichenast beigefügt. Die Hälfte des Käfigs wurde beschattet, die andere Hälfte war (je nach Wetter) auch vollsonnig. Beigefügte Blüten wurden nicht besucht, wohl aber konnte ich die Falter beobachten, wie sie die Eichenblätter "absaugten", die ich teilweise mit einer 5% Zuckerwasserlösung einsprühte. Diese Zuckerwasserlösung wurde einmal täglich erneuert. Ebenso wurde der Käfig und der Eichenast mit Wasser besprüht - an heißen Tagen bis zu 10 mal. Die Falter tranken dann auch das Wasser sowohl am Käfig als auch auf den Blättern der Eiche. Sie hielten sich bevorzugt im sonnigen Bereich des Käfigs auf, tranken jedoch nur im Schatten. Leider konnte keine Kopula beobachtet werden und eine Handpaarung wurde nicht durchgeführt. Nach etwa 15 Tagen verstarben die Falter. Ein Eiablage konnte nichtt beobachtet werden, weder am Käfig noch am Eichenast. Somit ist das eigentlich Ziel, die Falter nachzuzüchten, nicht gelungen. Ich vermute, dass die Haltungsbedingungen nicht hinreichend natürlich waren und möglicherweise war auch der Schlupf des Männchens nicht zeitoptimal. Die vom Männchen angeflogenen Weibchen hatten "eben keine Lust" und als sie endlich nach knapp einer Woche erkennbar lockten, hatte das Männchen keinen Bedarf mehr (desillusioniert???)...


Weibchen, geschlüpft am 29.5.2014


Weibchen, geschlüpft am 29.5.2014, selbes Tier wie oben


Männchen, geschlüpft am 29.5.2014


Allgemeine Bemerkungen:

Die Aufzucht des blauen Eichenzipfelfalters ist interessant und sehr zu empfehlen. Wichtig sind sehr kleine Zuchtgefäße (im Idealfall Einzelhaltung) und nach Möglichkeit gutes Futtermaterial, insbesondere dicke saftige Knospen für die Jungraupen. Es wird empfohlen, Eichenäste im Zimmer vorzutreiben, da Blätter bevorzugt werden. Die Falter nehmen Zuckerlösung an Eichenblätttern und Wasser gerne auf. Hinweise zur Paarung und zur Eiablage können leider keine gegeben werden, da dies nicht gelang.

In diesem Sinne - viel Erfolg und vielleicht gelingt es ja im kommenden Jahr :)
Steff^^



zuletzt bearbeitet 29.06.2014 18:05 | nach oben springen



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