#1

Poecilocampa populi/alpina

in Bestimmen von Schmetterlingen 10.11.2014 17:35
von Heinz | 2.596 Beiträge | 12844 Punkte

Hallo zusammen,

zum Beitrag von Werner im Thema "Heute im Schlupfkasten" möchte ich ein paar Worte zum Komplex "Poecilocampa populi/alpina" schreiben.

Ich habe, als es vor etlichen Jahren noch unproblematisch war, auf der kroatischen Insel Krk zu sammeln, auch öfter mal im Spätherbst Exkursionen dorthin gemacht. Der Weg führte mich über die Hohen Tauern und da war es nur selbstverständlich, dort oben die Lampen abzusuchen. Um es gleich vorweg zu sagen - es war niemals umsonst. Auch dann nicht, wenn die Landschaft schon teilweise gefroren und schneebedeckt war. Selbst bei Schneegestöber kamen Falter an's Licht.
In erster Linie interessierte mich natürlich Poecilocampa alpina.

Mit der Zeit hatte ich natürlich dann schon "meine" Lampen gefunden, die immer wieder Anziehungspunkt vieler Nachtfalter waren.
Besonders ergiebig war eine Lampe auf 1060 m NN. Dort saßen allermeist etliche P. populi und daneben auch P. alpina in beiderlei Geschlechtern, wobei die alpina-Falter in merklich geringerer Anzahl vorhanden waren.

Mehrmals nahm ich alpina-Weibchen zur Eiablage und folgender Zucht mit. Entgegen anderslautender Aussagen in mancher Literatur, wonach die Raupen auch an einigen Laubbaumarten leben, wurde in Gefangenschaft ausschließlich Lärche angenommen. Von dieser aber auch die noch ganz jungen und winzigen Knospen, wenn der Nadelaustrieb noch nicht fortgeschritten war.

Einmal züchtete ich parallel die beiden Arten (?) Poecilocampa populi und Poecilocampa alpina.
Von den geschlüpften Faltern setzte ich mehrere Männchen von beiden Arten zu einem Weibchen von P. alpina.

So schnell konnte das alpina-Männchen gar nicht reagieren, stürzte sich das populi-Männchen schon auf das alpina-Weibchen
Die populi-Buben stammten aus meiner Umgebung, etwa 400 m NN, und, sowie eben auch das Mädchen, aus den Hohen Tauern, 1060 m NN.

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass ich die, aus dieser Hochzeit stammenden Räupchen, mit schmalblättriger Weide (Pappel war noch nicht ausgetrieben) und Lärche fütterte. Vorerst wurde beides angenommen. Ab etwa L3 aber war Weide verpönt und die Raupen nahmen nur mehr Lärche.

Die aus dieser Zucht resultierenden Falter gleichen eher P. populi und haben von P. alpina eigentlich keinerlei Merkmale. Bei ganz genauer Betrachtung fällt vielleicht auf, dass die Tiere in Summe etwa fahler gefärbt sind und durchscheinendere Flügel aufweisen. Dieses Merkmal ist aber keinesfalls auffällig sondern eventuell eher herbeigeredet.

Meine vorlaute Meinung tendiert zu der Annahme, dass Poecilocampa alpina keine eigene Gute Art sondern lediglich eine Form höher gelegener Lebensräume ist.

Es wäre sehr begrüßenswert, dieses Thema weiter und intensiver zu verfolgen, tiefer in die Materie einzudringen und entsprechende Versuche bzw. Zuchten durchzuführen. So wie uns Heiko das mit ocellata x planus vorgezeigt hat.

Es ist mir leider in diesem Jahr nicht mehr möglich, an P. alpina heranzukommen, nehme es mir aber für nächsten Spätherbst vor, Jagd auf Poecilocampa alpina zu machen.
Eure Erfahrungen zu diesem Komplex wären sehr interessant. Dabei denke ich besonders an Werner, unseren Zuchtmeister aus der Alpenregion.

Danke und nette Grüße
Heinz

Reihe 1 = Poecilocampa populi
Reihe 2 = Poecilocampa alpina




Alles, was gegen die Natur ist, hat auf die Dauer keinen Bestand!


zuletzt bearbeitet 10.11.2014 17:57 | nach oben springen

#2

RE: Poecilocampa populi/alpina

in Bestimmen von Schmetterlingen 10.11.2014 19:13
von JHH184 | 416 Beiträge | 3395 Punkte

Hallio,

interessantes Thema. Vielleicht meldet sich jemand der (vielleicht auch mir) Zuchtmaterial zur verfügung stellt.

Und wie du, Heinz es schon gesagt hast scheint es interessant das die Määnchen sich so schnell paaren daraus kann wohl gut schlussfolgern das die Arten sehr miteinander "Verwandt" sind.


LG Simon


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#3

RE: Poecilocampa populi/alpina

in Bestimmen von Schmetterlingen 10.11.2014 19:23
von Heiko70 | 1.908 Beiträge | 15791 Punkte

Hallo Heinz,

laut dem neuen Buch: "Die Nachtfalter Deutschlands" ist der Artstatus von P. alpina wohl immer noch umstritten. Es wäre sicherlich sehr gut, mal Hybriden über mehrere Generationen zu züchten, um zu sehen, ob der Hybridstamm fertil bleibt, oder ob er abschwächt.
Was mich wundert, warum paaren sich die Männchen im Freiland nicht zu schnell mit den alpinas, wie es in deiner Zucht geschah, kommen sie doch nebeneinander vor und auch zu selben Flugzeit.

Sehr interessantes Thema.

LG Heiko


Leben ist etwas Seltenes, die meisten Menschen existieren nur. (Oscar Wilde)


zuletzt bearbeitet 10.11.2014 19:24 | nach oben springen

#4

RE: Poecilocampa populi/alpina

in Bestimmen von Schmetterlingen 10.11.2014 19:31
von tippletopple | 693 Beiträge | 17394 Punkte

Grad ans Licht geflogen:
P. populi Weibchen




hier bei mir fressen sie Salweide


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#5

RE: Poecilocampa populi/alpina

in Bestimmen von Schmetterlingen 10.11.2014 20:16
von Heinz | 2.596 Beiträge | 12844 Punkte

Zitat:
warum paaren sich die Männchen im Freiland nicht zu schnell mit den alpinas

Lieber Heiko,
wer sagt, dass sie das nicht tun?
Ich denke, dass so manche P. populi, die da oben ab etwa 1000 m leben und die zumindest so aussehen, ohne weiteres Nachkommen einer solchen Paarung sein können.
Jedenfalls ist es äußerst interessant, an diesem Thema dran zu bleiben.

NG
Heinz


Alles, was gegen die Natur ist, hat auf die Dauer keinen Bestand!


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#6

RE: Poecilocampa populi/alpina

in Bestimmen von Schmetterlingen 16.11.2014 09:24
von Heinz | 2.596 Beiträge | 12844 Punkte

Grüß' euch alle miteinander!

Welch sonderbares Jahr erleben wir heuer.
Ich habe mich doch auf den Weg gemacht und bin in die Hohen Tauern gefahren, dorthin, wo ich seinerzeit, wie geschrieben, alljährlich meine spätfliegenden, alpinen Nachtfalter sehen und ein paar auch mitnehmen konnte.
Doch die Fahrt war umsonst. Kein einziger Nachtfalter zeigte sich. Auch nicht an jenen Lampen, die früher für tolle Erlebnisse sorgten.

Ob es vielleicht daran liegt, dass es auch da oben auf gut 1.200 m NN bei etwa 12 Grad C noch sehr warm und weit und breit kein Fleckchen Schnee zu sehen war?

Naja, das ist halt die Natur - und das ist gut so!

Nette Grüße
Heinz


Alles, was gegen die Natur ist, hat auf die Dauer keinen Bestand!


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#7

RE: Poecilocampa populi/alpina

in Bestimmen von Schmetterlingen 16.11.2014 11:09
von hall | 1.024 Beiträge | 6996 Punkte

Lieber Heinz,

daß noch keine P. alpina fliegen ist sicher auf die außergewöhnlich warmen Temperaturen zurückzuführen. In normalen Jahren fliegen die Falter erst nach den ersten Nachtrösten im Spätherbst. In den letzten Jahren fand mein Kollege entlang der Brennerautobahn auf der regelmäßig Falter an diversen Lichtquellen. Heuer aber noch keinen einzigen Falter. P. populi stellt in dieser Hinsicht offenbar weniger Ansprüche an die niederen Temperaturen da die Falter heuer schon ab ca. Ende Oktober fliegen.

Werner



zuletzt bearbeitet 16.11.2014 11:10 | nach oben springen

#8

RE: Poecilocampa populi/alpina

in Bestimmen von Schmetterlingen 16.11.2014 15:45
von Heinz | 2.596 Beiträge | 12844 Punkte

Lieber Werner,
ja, das überdrüber Merkwürdige an der ganzen Sache ist, dass auch keine einzige populi und auch keine Eule oder Spanner zu sehen waren.
Das habe ich dort oben noch nie erlebt, obwohl ich auch sonst zu denselben Tageszeiten unterwegs war.

Nette Grüße
Heinz


Alles, was gegen die Natur ist, hat auf die Dauer keinen Bestand!


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