#1

Einfache Zucht oder schwere Zucht?

in Zucht von Schmetterlingen 29.07.2015 13:04
von Heiko70 | 1.948 Beiträge | 16214 Punkte

Servus allerseits,

heute beim Reinigen meiner Zuchtbehälter, kam mir wiedermal eine Aussage in den Sinn, die ich im "Handbuch der Schmetterlingszucht" von "Ekkehard Friedrich" las.

Dort steht die Art Gluphisia crenata unter "schwierig zu züchtende Notodontidae". Es wird in der Zuchtbeschreibung darauf hingewiesen, daß die Zucht schwer sei, weil die Raupen nur rund um den Platz der Eiablage fressen, zudem in eingesponnen Blättern leben und noch dazu sehr träge wären und so schlecht auf neues Futter wechseln. Dadurch wäre die Zucht mit Schnittfutter sehr schwer und mit Verlusten begleitet.

Ich züchte diese Art gerade ex ovo und kann keine dieser Aussagen bestätigen. Die Raupen krabbeln recht munter durch den Behälter, leben offen auf den Blättern und wechseln zügig den Platz auf neue Blätter. Die Zucht ging recht schnell von Statten und ich habe nun die ersten Puppen.
Probleme hatte ich genau ein mal, da starben mir ca. 10 Raupen weg.
Grund: Ich hatte an Stelle von Schwarzpappel eine Schwarzpappel/Zitterpappel Hybride gefüttert. Aus Zeitmangel nahm ich dieses Futter, welches gänzlich verweigert wurde. Da die Raupen recht klein waren zu dieser Zeit, war der eine Tag der Verweigerung entscheidend.

Dies nur als Beispiel.

So oft gibt es Angaben über leichte Zucht und schwere Zucht, die ich so gar nicht bestätigen kann. So konnte ich Actias isabellae auch ohne nenneswerte Verluste züchten, wo ich aber von anderen, erfahrenen Züchtern immer wieder höre, sie hätten massive Verluste, bis zum Totalausfall.
Andererseits hab ich im Augenblick, die zweite Smerinthus kindermanni Zucht am laufen, die ja als einfach betitelt wird und wieder sterben mir eine Raupe nach der Anderen unter der Hand weg.
Drei Perisomena caecigena Zuchten von mir gingen mit Totalverlust in die Hose, obwohl diese Zucht als nicht schwierig bezeichnet wird.

Was kann man nun als leichte und als schwere Zucht bezeichnen??

Sind es Zufälle, daß schwere Zuchten leicht werden? Oder hat der Züchter, der eine Zucht als schwer bezeichnet, ganz einfach nur Pech gehabt und behauptet dann, die Zucht wäre schwer?
Hat ein Züchter wie Friedrich bei crenata vielleicht ebenso nur das falsche Futter verwendet und darum wurde seine Zucht schwer?

Ich finde dies als Anlaß zu einer Diskussion, da bestimmt alle von uns solche Gedanken haben, weil es sicher jedem schon so ging, daß sogenannte leichte Zuchten schwer werden und umgekehrt.

Bitte schreibt doch eure Erfahrungen, vielleicht kommen wir ja dahinter, was leicht und was schwer ist, oder wann man etwas als leicht und als schwer bezeichnen kann.

NG Heiko


Leben ist etwas Seltenes, die meisten Menschen existieren nur. (Oscar Wilde)


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#2

RE: Einfache Zucht oder schwere Zucht?

in Zucht von Schmetterlingen 29.07.2015 16:19
von hall | 1.061 Beiträge | 7276 Punkte

Hallo Heiko,

man hat mich zwar schon als "Züchterkönig" bezeichnet. Von diesem Titel bin ich aber noch weit entfernt und ich habe genauso viele Mißerfolge wie andere Züchter. Bei vielen Zuchten gehört in erster Linie Glück, das passende Futter, Sauberkeit, viel Zeit und etwas Einfühlungsvermögen, sehr viel Geduld und nicht zuletzt der Erfahrungsschatz anderer Kollegen dazu. Auch bei sogenannten "Allerweltszuchten" (z. B. Saturnia pavonia) habe ich Schiffbruch erlitten. Auch bei Zuchten die problemlos waren erlitt ich unter den gleichen Bedingungen bei einer späteren Zucht mit derselben Art einen schlechten Erfolg. Entscheidend ist sicher die Futterqualität die von Jahr zu Jahr auch vom selben Standort unterschiedlich ausfällt obwohl es optisch nicht auffällig ist. Empfehlenswert ist ein Futterstandort der durch Umwelteinflüsse noch nicht zu sehr belastet ist. Auf jeden Fall schadet es nicht das Futter sorgfältig zu kontrollieren und wenn erforderlich auch zu waschen und dann an der Luft trocknen lassen. Besonders in der kalten Jahreszeit ist das wichtig wobei das Trocknen natürlich nicht so einfach ist denn es soll ja nicht vorzeitig welken.

Werner


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#3

RE: Einfache Zucht oder schwere Zucht?

in Zucht von Schmetterlingen 29.07.2015 20:20
von Manfred | 787 Beiträge | 32437 Punkte

Servus Heiko,

mir geht es genauso, A isabellae, S. kindermanni u.a. gezüchtet ohne Probleme. Viele Arten, die ich als leicht züchtbar und für Anfänger geeignet hielt, brachten sehr viele Verluste, bei A. caja, P. caecigena u.a. sogar Totalausfall.
Wie Werner schon sagt, die Futterqualität spielt bestimmt eine große Rolle.
Beispiel: Marumba quercus habe ich vor einigen Jahren ohne Probleme gezüchtet, die letzten Zuchten gingen aber immer bei Null aus. Das führe ich auf den Befall von Mehltau zurück.
Meine Erfahrung ist, dass schwere Zuchten nicht immer schwer sind, leichte manchmal schon, eine Norm gibt es nicht. Auch gehört eine Portion Glück oder Pech dazu.

LG Manni



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#4

RE: Einfache Zucht oder schwere Zucht?

in Zucht von Schmetterlingen 29.07.2015 21:26
von Armin | 271 Beiträge | 1467 Punkte

Ein anderes Beispiel: Spatalia argentina
Nach Friedrich eine schwer zu züchtende Nodontidae, aber mein Zuchtversuch war bei mir alles andere als ein Totalausfall. Ich züchtete die Art von einem Ausgangsstamm aus 6 Generationen lang ohne jeweils höhere Ausfälle zu haben...
Von den Ausfällen bei A.isabelleae kann ich aber auch ein Lied singen...

Liebe Grüße
Armin


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#5

RE: Einfache Zucht oder schwere Zucht?

in Zucht von Schmetterlingen 29.07.2015 21:34
von Heiko70 | 1.948 Beiträge | 16214 Punkte

Ich sehe, es ist wirklich sehr interessant, dieses Thema.

Quer durch den Artengarten gibt es wohl keine ziemlich sicheren Angaben welche Zucht schwer ist und welche nicht.

Das Quäntchen Glück muß wohl vorhanden sein, das ist schon mal klar. Das feine Züchterhändchen ist ebenso ein muß, aber nicht immer erfolgversprechend. Wirklich sehr interessant.
Ich möchte noch eine Sache ansprechen, die ich bei mir immer wieder beobachten kann. Bei Frühjahrszuchten ist meine Ausfallquote bisher immer am höchsten gewesen, Sommerzuchten machen mir persönlich weniger Probleme.
Ich hab da mal drüber nachgedacht und kam zu folgendem Entschluß:

Im Frühjahr meine ich es immer besonders gut mit meinen Schützlingen und gebe ihnen immer die zartesten Blätter. Dieses saftige voll im Wasser stehende Grün ist aber für manche Arten wohl nicht von Vorteil. Im Sommer füttere ich die erwachsenen Blätter, da ja frische nicht, oder nur wenig zur Verfügung stehen. Die kleinen Raupen kommen mit diesen harten Blättern prächtig klar und wachsen und gedeien.
Ich werde nächsten Frühjahr mal ausprobieren ob es daran liegt.

NG Heiko


Leben ist etwas Seltenes, die meisten Menschen existieren nur. (Oscar Wilde)


zuletzt bearbeitet 29.07.2015 21:34 | nach oben springen

#6

RE: Einfache Zucht oder schwere Zucht?

in Zucht von Schmetterlingen 29.07.2015 22:18
von Armin | 271 Beiträge | 1467 Punkte

Glück gehört sicherlich dazu, aber ein wichtiger Faktor ist definitiv das Microklima: Arten die in der Zucht ein spezielles Klima benötigen sind meistens deutich schwieriger zu Züchten, da es viel schneller zu Ausfällen kommt, als bei einer Art die ein breites Spektrum an Klimaten akzeptiert und überlebt.


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#7

RE: Einfache Zucht oder schwere Zucht?

in Zucht von Schmetterlingen 31.07.2015 22:02
von steffen1978 | 1.149 Beiträge | 28553 Punkte

Hallo zusammen,
ich hatte dieses Jahr bei 3 Arten folgendes, großes, hoch erfreuliches "Glück":

Habe erst 2 Zipfelfalterarten in 4 Behältern gehabt. Zucht lief gut. Dann habe ich von einem anderen Standort (sehr natürlicher Standort) Futter geholt. 30 Stunden später waren alle Raupen mit einem weißen Pilz überzogen, jedoch war definitiv kein Schimmel/Schmutz/Staunässe etc. in den Behältern. Ich vermute, ich habe mit dem Futter einen Sporenpilz eingetragen.

Selbes Spiel bei einer anderen Tagfalterart. Die Raupen haben sich prima entwickelt bis ich Heckenkische von einem anderen Ort mitnahm. Ergebnis: keine 30 Stunden später waren alle mit dem Pilz überzogen - am Mikroklima hatte ich nichts geändert.

Ich habe bereits mit Leuten im Chat darüber diskutiert, würde aber gerne weitere Vorschläge hören: Lässt sich ein solcher Sporenpilz (wenns denn einer gewesen sein sollte) durch abwaschen der Futterpflanze sicher beseitigen?

Beste Grüße
Steffen


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