#1

Ein Blick durch die Lupe...

in Insektenfotografie 20.12.2015 18:54
von steffen1978 | 1.150 Beiträge | 28572 Punkte

Hallo zusammen,
Sonntag und schlechtes Wetter, da dachte ich mir, mache ich doch mal Bilder der Beschuppung von Schmetterlingen.
Ich erhielt als Leihgabe 4 präparierte (etwas ausgemusterte Falter), die ich mit einer selbstgebastelten Lupenoptik fotografiert habe.
Anbei ein paar Eindrücke:

Zweimal Schuppen/Fransen von P. bellargus (VF Oberseite):




HF Oberseite (nahe dem orangeroten Fleck) von C. croceus:


HF Oberseite des Gitterspanners Chiasmia clathrata:


und zum Abschluss noch Vanessa cardui, VF Oberseite Apex:


Viele Grüße
Steffen



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#2

RE: Ein Blick durch die Lupe...

in Insektenfotografie 10.01.2016 15:34
von ElCocodrilo | 132 Beiträge | 923 Punkte

Hallo Steffen!

Deine Bilder bestechen mal wieder mit Brillianz und spitzen Bearbeitung!

Kannst du uns vlt. noch ein paar Tipss geben zu deinen Methoden?

Setzen sich die Bilder aus mehreren Einzelaufnahmen zusammen?
Hast du das Bild gerastert, um diese planare Schärfe zu erzielen
Bei meinem Lupen-Objekitv ist immer nur ein ganz schmaler Streifen richtig scharf..



So sieht das ganze bei mir aus (Enzelaufnahme, Schuppen eines Flügels)
LG


LG Jonas


zuletzt bearbeitet 10.01.2016 15:36 | nach oben springen

#3

RE: Ein Blick durch die Lupe...

in Insektenfotografie 10.01.2016 17:59
von steffen1978 | 1.150 Beiträge | 28572 Punkte

Hallo Jonas,
erst mal Danke für die Blumen!^^

Das Problem mit der dramatisch abnehmenden Schärfentiefe bei zunehmender Vergrößerung lässt sich leider nicht vermeiden. Macht man die Blende zu, hat man durch die Beugungsunschärfe nur noch "Matsch". Die edelste Methode ist das Stapeln (focus-stacking), aber das ist enorm zeitaufwändig und mit meinem Wackelstativ und dem Klapper-Makroschlitten ist das Ergebnis nicht gut. Die Bilder entstanden als normale Einzelaufnahmen, wurden dann in Lightroom kräftig bearbeitet und beschnitten. Ich nutze ein 28 mm Uralt-Weitwinkel in Retrostellung mit insg. 36 mm Zwischenringen. Das gibt gegenüber einem 1:1 Makro etwa 4-fache Vergrößerung. Als Belichtungszeit nehme ich 1/200 Sekunden, Blende f/8 - f/22 (ausprobieren) und die Belichtung erfolgt durch einen entfesselt gezündeten externen Blitz. Durch das harte Licht (ich hab auch kleine Reflektoren...) muss man nachbearbeiten um den Kontrast zurückzugewinnen. Nachgeschärft sind die Bilder natürlich auch, muss man bei nem raw aber eh machen. Die Schärfentiefe beträgt bei f/8 ca 0.2 mm, bei f/22 ca 0.4 mm (und die Beugung schlägt bereits durch). Ich habe versucht die Flügel in der Schärfenebene zu halten. Wie Du siehst, geht das manchmal, aber beim Saum von bellargus erkennst Du die Wellen im Flügel und die damit einhergehende Unschärfe. Was für ein Lupenobjektiv hast Du denn?

Viele Grüße und Frohes Neues!
Steffen



zuletzt bearbeitet 10.01.2016 19:07 | nach oben springen

#4

RE: Ein Blick durch die Lupe...

in Insektenfotografie 10.01.2016 20:13
von ElCocodrilo | 132 Beiträge | 923 Punkte

Danke für die super Beschreibung!
Wie funktioniert das mit der Blendensteuerung in Retro Stellung bei dir?
Das meiste was du schreibts macht für mich durchaus sinn, leider bin ich mit den Gesetzen der Optik allerdings nicht so vertraut um alles zu verstehen.
Kann man so eine vergrößerung nur mit SuperWeitwinkel erzielen? ICh habe sogar ein 10-20er von Sigma zuhause. Da wäre evtl durchaus die Anschaffung eines Adapterringes bzw. Vorrichtung interessant.
Ich benutze ein altes Kit-Objektiv von Canon 18-55 mit Adapterring in Retrostellung. Da es aber keine Blendensteuerung gibt ist das Handling etwas schwierig. Das Focus stacking wie du es beschrieben hast werde ich auch mal ausprobieren. allerdings erwarte ich mir nicht zu viel erfolg, da ich auch nur ein Wackel-Stativ besitzte :)

Dir auch viele Grüße und gutes Neues Jahr.
Lg


LG Jonas
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#5

RE: Ein Blick durch die Lupe...

in Insektenfotografie 10.01.2016 20:21
von steffen1978 | 1.150 Beiträge | 28572 Punkte

Hi Jonas,
Für Canon gibts bei Traumflieger eine (nicht ganz billige aber gute) Lösung zur Blendensteuerung. Ich hab aber nur Nikons. Ich nutze ein steinaltes Objektiv von Revue (Quelle) mit manuellem Blendenring. Da mach ich eben die Blende zu soweit wie es sein muss, sehe dann aber natürlich nur das dunkle Bild (geht nur noch im Live-View, denn im Sucher erkenne ich nur "dunkel").
Du kannst sehr viel probieren. Eine Option für enorme Vergrößerung ist ein normal aufgesetztes Tele mit 100 - 200 mm Brennweite, dann einen Umkehrring, den man ins Filtergewinde schraubt (und hoffentlich wieder raus bekommt) und dann ein Weitwinkel in Retro davor. Damit kannst auch locker 10-fache Vergrößerung generieren, aber Du wirst heftige Randabschattungen haben und das Fotografieren wird echt zur Kunst. Mit deinem 18-55er (hab ich auch) musst die Blende bei Canon einstellen bevor Du das Objektiv abnimmst, dann bleibt die Blende. Bei Nikon geht sie immer zu, da hilft dann mit Papier die Blende zu klemmen.
Hast Du Canon oder Nikon oder Sony oder .... alle will ich nicht aufzählen^^?
Fotografische Grüße,
Steffen



zuletzt bearbeitet 11.01.2016 20:11 | nach oben springen

#6

RE: Ein Blick durch die Lupe...

in Insektenfotografie 11.01.2016 21:36
von ElCocodrilo | 132 Beiträge | 923 Punkte

Hey Steffen
Ja den Adapter bei Traumflieger habe ich mir schon angeschaut, kostet aber auch 10x so viel wie ein einfacher Ringadapter. Ist aber ne Überlegung wert, wenn das halbwegs brauchbar ist.
Die Kombination die du nennst klingt interesannt, ich muss mich da mal mit den Gesetzen der Optik beschäftigen, wies zu diesen Vergrößerungen kommt. Ich werds aber denk ich mal mit meinem Weitwinkel versuchen mit Retroadapter.
DIe Bildqualität mit dem Kit-Objektiv ist ja leider nicht die beste :) Das die Blende trotzdem bleibt, nach umkehren des Objektivs wusste ich nicht, das werd ich mir mal genauer ansehen. Ich fotografier mit ner alten Canon 450D
Danke für die vielen super Tipps! :)

Bin auf weitere Bilder gespannt!


LG Jonas
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#7

RE: Ein Blick durch die Lupe...

in Insektenfotografie 12.01.2016 20:33
von steffen1978 | 1.150 Beiträge | 28572 Punkte

Hey Jonas,
eine (wie ich denke etwas vereinfachte) Erklärung für die Vergrößerung bei Verwendung von zwei Objektiven (ein Tele an der Cam und ein Weitwinkel retro davor) findest Du hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Retrostell...:RevLensMac.png

Vergrößerung = f_Tele/f_Weitwinkel.

Nimmst ein 200er Tele und ein 20er Weitwinkel bekommst demnach Faktor 10.

Im Prinzip kann man auch die Vergrößerung bei Verwendung mit Zwischenringen ausrechnen, aber einfacher ist es, einfach ein Millimeterpapier abzufotografieren. Du hast einen APSC Chip, damit ist die Größe des Bildes (auf dem Chip) bekannt und Du kannst ohne lang zu rechnen die Vergrößerung (den Abbildungsmaßstab) durch ein Testbild ermitteln. Erwarte aber keine Wunder... Da kommt viel Ausschuss raus^^

Was die Qualität der Kit 18-55 Scherbe angeht, kann ich Dich beruhigen. In Retrostellung (Entfernung auf unendlich) tut das vermutlich besser als im Normalbetrieb. Ich hab auch solche Kit-Objektive und die sind absolut brauchbar (bis auf die Blendenfummelei bei Nikon in Retrostellung...).

Mal sehen was das Frühjahr so an Motiven bring - bin gespannt was Du uns zeigst!

VG
Steffen

P.S.: Da Du in Retrostellung ja nur auf den Gewindedurchmesser achten musst, kannst Du ja jedes Objektiv nutzen, egal ob das ein Canon Bajonett hat oder sonst was. Manchmal bekommt am auch am Flohmarkt für 20 Euro ein gutes altes analoges mit manuellem Blendenring, das tuts dann mit etwas Übung (fast) genauso...



zuletzt bearbeitet 12.01.2016 20:45 | nach oben springen



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