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Allgemeine Zuchtanleitung Rosenkäfer

in Zuchtberichte von Käfern 22.11.2011 00:25
von fladda | 47 Beiträge | 115 Punkte

Nachdem Berti, hier schon einiges ins Forum gestellt hat, denke ich, dass es sinnvoll ist, die Grundlagen auch einzustellen:

Allgemeine Zuchtanleitung Rosenkäfer (Cetonidae)

Allgemeine Hinweise:
Alle Rosenkäfer lieben Temperaturen von etwa 21 – 25 Grad Celsius, sowohl die Käfer als auch die Larven, die Luftfeuchtigkeit sollte 50 - 60 % nicht unterschreiten, was nicht mit der Feuchtigkeit des Substrates verwechselt werden sollte (s.u.). Die Temperatur darf auch mal kurzfristig unter 10 Grad abfallen, einer regelmäßigen Absenkung z.B. nachts auf 18 oder weniger Grad ist für die meist tropischen Arten zu vermeiden. Bei mir ist die Temperatur auf etwa 21,5 bis 22 Grad im Winterhalbjahr eingestellt. Im Sommerhalbjahr gibt es dann natürlich Spitzen von bis zu 36 Grad und Tiefen bis zu 18 Grad.
Haltung der Larven:

Die Larven leben von Humus. Eine einzelne Larve benötigt während ihrer Entwicklungszeit je nach Größe der Art 1 (Chlorocala und andere kleine Arten), ca. 3 Liter (Mecynorrhina, Dicranorhina) und 4 Liter und mehr bei den Goliathkäfern.
Der Humus sollte zu etwa 80 % aus Laubhumus und zu 20 % aus weisfaulem Laubholz bestehen. Am besten ist das Holz der Harthölzer (Eiche Buche, etc.). Ich habe auch gute Erfahrungen inzwischen mit Rindenhumus gemacht, den ich mit etwas angerottetem gehäckseltem Herbstlaub, vornehmlich Rotbuche und Eiche, sowie etwas weisfaulem Eichenholz „verdünnt“ bzw. aufgelockert habe. Wer einen starken Gartenhäcksler sein Eigen nennt, kann sich seinen Humus selbst auch im größeren Mengen herstellen. Wichtig für das vermeiden von Schädlingen, hier sind vor allem Milben zu nennen, ist dass das Substrat einmal vollkommen durch getrocknet wird. Ich lasse zum Beispiel das Laub an einem vor Regen geschützten Platz (Schuppen oder Keller) vortrocknen, und trockne dann das Laub in einem alten gut verschlossenen Bettbezug nochmals für etwa 1,5 bis 2 Stunden im Wäschetrockner.

Sehr guten Humus erhält man, allerdings in maximal 4 Liter Gebinden bei http://www.coleoptera-xxl.de/ oder bei anderen wie Appenzeller. Bei beiden bekommt man auch weisfaules Holz.

Wenn man sich ein bisschen Mühe macht, kann man diverse Zweige und auch Äste von Eichen nach einem Herbst- oder Frühjahrssturmes auf den Wegen und im Wald vorfinden. In der Regel ist das Holz dann schon weisfaul. Man kann das an der Brüchigkeit des Materials und seiner fast rein weißen Farbe gut erkennen. Dieses Material trockne ich für drei bis vier Tage im geheizten Raum. Für die Centonidae sollte man das Holz in kleine Stücke zerkleinern. Dies gelingt in der Regel schon mit bloßen Fingern, zur Not hilft auch ein Fäustel oder schwerer Hammer.

Den erwähnten Rindenhumus gibt es in 20 Liter Säcken bei http://www.shop.tropenhaus-hamburg.de/ . Diese reichen dann doch etwas länger ;-). Die beiden käuflichen Humussorten weisen eine gewisse Grundfeuchtigkeit auf, die ausreichend für alle Arten ist. Eventuell kann man den Larven noch ein paar Apfel- oder Birnenscheiben zufüttern. Das meiste andere Obst enthält jedoch zuviel Wasser und führt eher dazu, dass sich Milben sehr stark vermehren können. Da sich die Larven immer an die für sie optimale Stelle, was die Feuchtigkeit anbetrifft aufhalten, sollte die Substrathöhe 5 - 10 cm nicht unterschreiten. In meinen Terras sind 15 cm Höhe das Minimum auf einer Fläche von 17 x 32 cm. Was die Feuchtigkeit anbetrifft, sind die Tiere recht unterschiedlich. Smaragdesthes, Pachnoda bekommen regelmäßig auch mal eine Dusche aufs Substrat, Die Eudicella erhalten regelmäßig ein oder zwei Apfelscheiben, oder den Griebsch, den meine Kinder nicht mehr essen wollten, Dicranorhina, Mecynorrhina oder Cheirolasia erhalten nur beim Substratwechsel die natürliche Feuchtigkeit des Substrates.

Wie sparsam die Larven mit der Feuchtigkeit umgehen, kann man an den Kotballen der Larven sehen. Sie sind meist steinhart und absolut trocken. Alle bisher von mir gezüchteten Larven verbauen Ihre Kotballen im Kokon, was der Puppe einen gewissen zusätzlichen Schutz gibt. Eine Larve deren Kokon zerstört wurde, verpuppt sich leider nur in den seltensten Fällen doch noch in einem künstlichem Kokon, den man als Höhle aus einem Stück Schaumstoff oder „Steckmoos“, wie man ihn zum Stecken von Blumenarrangements verwendet, selbst fertigen kann. Man sollte also die Kotballen beim Substratwechsel nicht alle entfernen! Des Weiteren eignen sich nicht alle Arten zu einer Massenzucht, da es bei den größeren Larven zu Kannibalismus kommen kann, zwar nicht so ausgeprägt, wie bei den Lucanidae, aber es kommt vor. Die größten Tiere erhält man zudem, wenn man ab der L3 die Larven einzeln hält. praktizierbar ist dies jedoch nur für denjenigen, der ausreichend Platz zur Verfügung hat. Bei den Smaragdesthes und den Pachnodas reichen die etwas mehr als 8 Liter Substrat im Terra aus um zumindest etwa 4 - 6 Monate ohne Substratwechsel oder „Ausbürgerung“ in Plastikschachteln zu überbrücken. Bei den Eudicella muss ich alle 2 – 3 Monate das Substrat herausnehmen auf Zuchtbehälter verteilen und das Terra neu mit Substrat bestücken. Bei Dicranorhina ist das etwa einmal im Monat notwendig.

Bei allen Arten sollte das Substrat nicht einfach weggeworfen werden, sondern mindestens 2 Monate noch aufbewahrt werden, denn die Eier sind so gut wie gar nicht, oder nur durch Zufall (mir erst 5 Mal gelungen) zu entdecken. Selbst die ganz frischen L1 sind noch nicht richtig leuchtend weiß und so leicht mit einem Stückchen weisfaulen Holz zu verwechseln. Auf diese Weise habe ich meine Coelorrhina und auch Genyodonta Nachzucht verloren.

Haltung und Futter der Käfer:
In der freien Natur leben Rosenkäfer, wie der Name schon andeutet, auf Rosen. Na ganz so ist es zwar nicht, jedoch lieben alle bisher gehaltenen Arten Rosenblütenblätter oder ganze Blüten. Da dieses Futter nicht über das ganze Jahr verfügbar ist, muss in der restlichen Zeit mit andern Futtermitteln gefüttert werden. Rosenkäfer lieben wie auch die Lucanidae süße Speisen, vergessen darf man dabei aber nicht das die Kohlenhydrate (Zucker) nicht ausreichend sind. Gerade die Weibchen brauchen für die Eireife viel Protein. Ich füttere deshalb neben „Käferjelly“ zu erwerben bei inzwischen einigen Anbietern, Obst, vorwiegend Banane, das ich mit einer Mischung aus Blütenpollen (Reformhaus), Trockenhefe (jeder Supermarkt) süß verpackt in Honig, präpariere und anreichere. meist sind die Kügelchen aus Honig, Blütenpollen und Trockenhefe aus der Banane schneller verspeist, als den Rest. Einen weiteren Effekt erzielt die Trockenhefe durch Ihre Gärung an und in der Banane indem sie sich vermehrt und auch Bakterien und andere Eiweißlieferanten sich dort vermehren. Einen großen Nachteil hat diese Futter es lockt dann auch Drosophila an und diese können sehr lästig sein.

Gute Erfahrungen konnte mit jungen Gottesanbeterinnen machen, die ihrerseits wiederum die Drosophilas liebten und nicht die präparierte Banane ;-).

Einen wichtigen Hinweis zum Schluss, die Käfer sollten keine „Duschen“ erhalten, die Farben können sich dabei total verändern und auch die Milben treffen sich gern unter den Flügeldecken und saugen gern ungestört noch ein bisschen Haemolymphe. Natürlich ist nicht jede Zucht gleich, und manchmal hilft ein wenig Glück zum Erfolg.


© Franz Ladda, Auf der Koppel 9, 22399 Hamburg


Viele liebe Grüße
Franz A. Ladda
Auf der Koppel 9
22399 Hamburg
Tel.: 040 468825- 00 (Anrufbeantworter)


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