#1

Geschlechtsdimorphismus

in Schmetterlinge: Diverses 25.10.2013 20:07
von Heiko70 | 1.916 Beiträge | 15923 Punkte

Hallo liebe Gemeinde,

dieses Thema ist vor allem für unsere Gäste und die Anfänger unter uns. Aber auch für Fortgeschrittene und den Profis immer wieder interessant ist der:

Geschlechtsdimorphismus

In vielen Familien der Schmetterlinge sind, zwischen Männchen und Weibchen, Unterschiede in Flügelform und -farbe, bzw. Körperform und -farbe, in mehr oder weniger deutlichen Formen zu sehen.
Die Unterschiede können von leichten Farb- und Größenabweichungen, bis hin zu extremen Unterschieden reichen, bei denen man nicht mal glauben würde, die selbe Art vor sich zu haben.
Auch das Verhalten der Geschlechter ist manchmal von ganz unterschiedlicher Art und Weise. So gibt es z.B. tagfliegende Männchen, während die Weibchen der gleichen Art nachts unterwegs sind, bis hin zu den Arten, bei denen die Weibchen nicht mal aus den Kokons schlüpfen, weil sie gänzlich flügellos nur darauf warten von einem Männchen befruchtet zu werden, um danach den kompletten Eivorrat auf einmal abzulegen und dann sofort zu sterben.
Ein paar Beispiele hier im Anschluß, die Männchen immer links, die Weibchen rechts:

Bei vielen Bläulingen sind farbliche Unterschiede zu erkennen, während die Männchen oft strahlend blaue Flügel haben, halten sich die Weibchen in schlichtem Braun. Hier Cupido argiades.



Auch Saturniiden mit Farbunterschieden kommen vor, so z.B. bei Actias dubernardi. Die Männchen sind farbenprächtig und bunt, die Weibchen einfarbig grün.



Eher leichte Unterschiede in der Färbung, dafür aber Große in der Größe sind bei Malacosoma neustria zu sehen.



Unterschiede in Farbe und Größe sind auch sehr häufig, meist ist das Männchen farblich prächtiger als das Weibchen, dieses ist aber, oftmals um einen erheblichen Teil, größer als das Männchen.
Starke farbliche, aber nur leichte Unterschiede in der Größe gibt es bei Saturnia pavonia. Das buntere Männchen fliegt ausserdem tagsüber, während das graue Weibchen in der Nacht unterwegs ist.



Etwas größer sind die Unterschiede bei Anisota virginiensis. Bei dieser Art ist das Männchen ebenfalls anders gefärbt als das Weibchen, dieses ist zusätzlich ca. doppelt so groß wie das Männchen.



Extreme Farb- und Größenunterschiede gibt es bei Arten wie z.B. Lymantria dispar zu sehen. Die Männchen in einfachem Braun, gut getarnt, schlank und klein und wendige Flieger, die Weibchen weiß, dick und den Männchen im Volumen ein mehrfaches überlegen, ausserdem plumpe Flieger.



Aber es gibt auch die umgedrehte Variante, bei Diacrisia sannio ist das Weibchen auffälliger gefärbt, das Männchen aber größer.



Nun noch zu einem der extremsten Beispiele, Orgyia antiqua. Das Männchen schön rotbraun, schlank und sehr geschickt im Flug, das Weibchen eine eigefüllte, flügellose Tonne, die nach dem Schlüpfen noch am Kokon lockt, befruchtet wird und auch gleich alle Eier legt. Danach fällt sie klein und eingeschrumpft zu Boden und stirbt, meist noch am Schlupftag.



Es wäre schön, wenn auch andere Mitglieder ein paar Bilder raufladen würden, um zu zeigen was es noch alles gibt.

Beste Grüße, Heiko


Leben ist etwas Seltenes, die meisten Menschen existieren nur. (Oscar Wilde)


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#2

RE: Geschlechtsdimorphismus

in Schmetterlinge: Diverses 25.10.2013 20:28
von klow | 1.239 Beiträge | 4460 Punkte

Du bist etwas wichtiges vergessen heiko.
Die fühler können auch auf weissen welcher falter welches geschlecht ist.
Daneben habe ich mehrere bilder in der gallerie hochgeladen über geschlechtsunterschiede am hinterleib
nicht jeder erkennt die falter aber am hinterleib:
g4452-Geschlecht.html
mit erklärung bei denn sphingidaen
g4584-sphingidae.html

Grus jens


Grusse jens
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Meine zuchte im moment
http://insektenfreunde.xobor.de/t824f46-...Tigermotte.html
http://insektenfreunde.xobor.de/t792f46-...rphofalter.html

Tips sind immer wilkommen
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#3

RE: Geschlechtsdimorphismus

in Schmetterlinge: Diverses 25.10.2013 23:17
von Heiko70 | 1.916 Beiträge | 15923 Punkte

Hallo Jens,

nein, die Fühler hab ich nicht vergessen. Die fallen einfach nicht unter Geschlechtsdimorphismus. Dabei geht es um Form und Farbe der beiden Geschlechter. Die Fühler haben den Zweck sich zu finden.
Es geht auch nicht darum wie man am Hinterleib das Männchen und Weibchen unterscheidet, sondern einfach nur um sichtbare und deutliche Unterschiede, zwischen den Männchen und Weibchen, nicht um den Geschlechtsapparat.

http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Ges...morphismus.html

Heiko


Leben ist etwas Seltenes, die meisten Menschen existieren nur. (Oscar Wilde)


zuletzt bearbeitet 26.10.2013 15:16 | nach oben springen

#4

RE: Geschlechtsdimorphismus

in Schmetterlinge: Diverses 26.10.2013 18:17
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo Forum,
ich finde es als totaler Laie super, dass Profis hier solche Beiträge (oben, von Heiko70) verfassen. Auch finde ich die Beschreibung "das Weibchen eine eigefüllte, flügellose Tonne" sehr lustig. Ich wusste nicht, dass es Schmetterlinge gibt, die keine Flügel haben!? Dumme Frage: Laufen kann das Tier aber schon, oder was macht es den ganzen Tag?
Gruß
David Mattori


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#5

RE: Geschlechtsdimorphismus

in Schmetterlinge: Diverses 26.10.2013 18:33
von Heiko70 | 1.916 Beiträge | 15923 Punkte

Hallo David,

zu deiner Frage. Das Weibchen von Orgyia antiqua kann nicht, oder nur sehr schwerfällig laufen. Es ist einfach zu schwer und die Beinchen zu klein. Es schlüpft aus der Puppe, und bleibt am Kokon hängen, bis ein Männchen kommt.
Die Eier werden dann direkt am Kokon befestigt, das Weibchen krabbelt in der Natur wahrscheinlich weniger als 2 cm in seinem Leben.
Die Art verbreitet sich dann durch die Räupchen. Die frisch geschlüpften Räupchen sind winzig und sehr stark behaart, sie sind federleicht und werden sofort vom Winde verweht, dadurch wird die Art in andere Biotope und Gebiete getragen.
Solche Raupen sind polyphag, was bedeutet, sie fressen praktisch alles was sie bekommen, müssen sie ja auch, da sie ja nicht wissen wo sie landen, wenn die Windreise vorbei ist.

Es gibt auch noch weitere Arten, bei denen die Weibchen verkrüppelte, oder gar keine Flügel haben.
Bei einigen Bärenarten ist das so, auch bei einigen Spannern, wobei Spannerweibchen ohne Flügel sehr gut laufen können und auf den ersten Blick an ne Spinne erinnern.

Es gibt noch ganz extreme Formen, bei den Bären und vor allem bei den Sackspinnern, da schlüpfen die Tiere nicht mal aus dem Kokon, sondern stecken lediglich das Geschlechtsorgan aus einer kleinen Öffnung des Kokons und werden so befruchtet.
Die Weibchen dieser Arten sehen aus wie Fliegenmaden, weiß und fast komplett ohne Extremitäten, dazu sind sie sehr weich.

Viele Grüße, Heiko


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zuletzt bearbeitet 26.10.2013 22:26 | nach oben springen

#6

RE: Geschlechtsdimorphismus

in Schmetterlinge: Diverses 26.10.2013 19:05
von klow | 1.239 Beiträge | 4460 Punkte

@Heiko geschlechts dimorphismus geht es um auBerliche unterschied zwischen geschlechten.
Also die fühler sind ein sehr deutlicher hinnweis bei zb. saturniidae die mänchen haben
stark gefederte fühler die weibchen meistens garnicht.
Geschlechtsteile gehören eigentlich auch dazu sind aber schwieriger wie fon dir angegebenen
unterschiede ist für mainche arten aber der einzige deutliche unterschied.

Grus jens


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zuletzt bearbeitet 26.10.2013 19:08 | nach oben springen

#7

RE: Geschlechtsdimorphismus

in Schmetterlinge: Diverses 26.10.2013 19:35
von Heiko70 | 1.916 Beiträge | 15923 Punkte

Hallo Jens,

bei Geschlechtsdimorphismus geht es um sekundäre Merkmale, also nicht die Spezifischen. Da geht´s nicht mal darum wie man das Männchen vom Weibchen unterscheidet, sondern ausschließlich um den Unterschied in Form und Farbe.
Fühler zur Partnersuche und Geschlechtsteile sind primäre Geschlechtsmerkmale.

Beispiel Mensch. Auch der Mensch hat Geschlechtsdimorphismus, was aber nicht die Geschlechtsteile sind, sondern der Bartwuchs beim Mann, den die Frau nicht hat.

Gruß, Heiko


Leben ist etwas Seltenes, die meisten Menschen existieren nur. (Oscar Wilde)


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#8

RE: Geschlechtsdimorphismus

in Schmetterlinge: Diverses 29.02.2016 19:16
von David27 | 99 Beiträge | 1472 Punkte

Hallo Forum,
Ich habe mir gerade überlegt wie und ob man bei Aglais urticae (Kleiner Fuchs) die Geschlechter unterscheiden kann.
Und ich denke das ich im Lepiforum fündig geworden bin.
Das Bild zeigt eine Balz bei der wie üblich das Männchen hinter dem Weibchen sitzt.
Dabei ist zu beachten dass, das Männchen viel intensiver in der Färbung ist (Besonders an der Basalregion des VF zu sehen), und auch die "Randbinde" in der Sub-marginal-Region des VFs hat das männchen deutlich größere blaue Flecken als das Weibchen. Welches dafür mehr (Hell-)Braun enthält.
Im Lepiforum gibt es noch mehr solche Balz-Bilder.

Könnte ich mit meiner Vermutung richtig liegen?

Viele Grüße David



zuletzt bearbeitet 29.02.2016 19:17 | nach oben springen

#9

RE: Geschlechtsdimorphismus

in Schmetterlinge: Diverses 29.02.2016 19:32
von Anthocharis | 482 Beiträge | 3675 Punkte

Hallo David,
ich denke nicht das du die Geschlechter von A. urticae anhand der Färbung unterscheiden kannst!
Wenn das so einfach wäre, würde in der Bestimmungshilfe jeweils ein Hinweis auf das Geschlecht stehen...
Desweiteren habe ich auch bei Balzbildern bei beiden Geschlechtern eine sehr dunkle Farbe bzw. hohe Farbitensität feststellen können.


Viele Grüße, Joe


zuletzt bearbeitet 29.02.2016 19:37 | nach oben springen

#10

RE: Geschlechtsdimorphismus

in Schmetterlinge: Diverses 29.02.2016 19:39
von David27 | 99 Beiträge | 1472 Punkte

Schade


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#11

RE: Geschlechtsdimorphismus

in Schmetterlinge: Diverses 29.02.2016 20:26
von steffen1978 | 1.111 Beiträge | 24780 Punkte

Hallo zusammen,
Ich finde es super, wenn hier viele (junge wie alte) Leute sehr genau auf Details achten.
Nicht immer sind Beobachtungen gleichzusetzen mit Fakten - auch Bilder sind immer ein wenig mit Vorsicht zu geniessen. Allzu schnell läßt man sich gelegentlich in die Irre führen :-)
Macht nichts, und ist nicht "schade", denn der Wert eines Forums kommt durch die Beiträge der Mitglieder und Beobachtungen sind immer spannend und ich lese sie immer gern!
Ich gebe Joe recht: Die Färbung allein ist bei urticae sicher kein Merkmal. Aber: Schau Dir doch mal den Körper (das Abdomen = das Hinterteil) an!
Viele Grüße,
Steffen



zuletzt bearbeitet 29.02.2016 21:08 | nach oben springen

#12

RE: Geschlechtsdimorphismus

in Schmetterlinge: Diverses 29.02.2016 20:44
von tippletopple | 705 Beiträge | 18970 Punkte

Es ist schon richtig, dass Falter mit braunen/roten Farbtönen die Tendenz zeigen, bei männlichen Exemplaren farbintensiver zu sein als bei weiblichen.
Beispiel Kaisermantel, bei vielen Scheckenfalter etc sehr deutlich oft.
Jedoch ist dieser Unterschied auch im Vergleich von frisch geschlüpften zu älteren Tieren zu sehen. Oder im Vergleich südlicher zu nördlicheren Populationen. Es kann also verschiedene Ursachen haben, wenn ein Tier etwas fahler oder etwas feuriger aussieht.

Grüße
Chris



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#13

RE: Geschlechtsdimorphismus

in Schmetterlinge: Diverses 01.03.2016 13:08
von hall | 1.036 Beiträge | 7113 Punkte

Bild 1 und 2: Diaphora sordida, das Männchen ist schwarz, das Weibchen hellgrau

Bild 3: Automeris colenon, links Männchen, rechts Weibchen

Angefügte Bilder:


zuletzt bearbeitet 01.03.2016 13:11 | nach oben springen

#14

RE: Geschlechtsdimorphismus

in Schmetterlinge: Diverses 01.09.2016 20:26
von Heiko70 | 1.916 Beiträge | 15923 Punkte

Hallo,

um den Thread mal wieder aufleben zu lassen, ein weiteres Beispiel von Geschlechtsdimorphismus, aus meiner aktuellen Zucht.

Agrius convolvuli, der Windenschwärmer.

Während das Weibchen recht einfältig grau ist, hat das Männchen schon starken Kontrast in den Flügeln.



NG Heiko


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