#1

Börsenfalter vs. Selbstfang

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 17.11.2013 17:52
von Schwärmerliebhaber | 62 Beiträge | 379 Punkte

Ich möchte kurz meine Sicht der Dinge mitteilen, auch wenn ich damit bei Sammlungshardlinern auf Kopfschütteln und Desinteresse stoße. Immer wieder sehe ich auf Börsen massig minderwertiges Faltermaterial. Nur in sehr wenigen Fällen stimmt die Qualität in allen Belangen - doch ist dies leider die Ausnahme - vielleicht bin ich zu wählerisch; mag sein. Ich bin kein Freund von Massenansammlungen und nur weil ein Falter selten ist und angeboten wird, ich diesen auch erwerben muss. Ich selbst habe mich davon distanziert, eine Sammlung aus aller Welt aufbauen zu wollen - dies erscheint weder sinnvoll noch praktikabel. Man verlöre sich vom Hundertsten ins Tausendste, ohne etwas Nachhaltiges zu schaffen. Stattdessen vertrete ich die Meinung, dass ein selbstgefangenes Exemplar eines klar definierten Sammelgebietes bedeutender wiegt als zwielichtiges Material, wo nichts wirklich nachvollziehbar erscheint. Aber das ist nur meine persönliche Meinung und wer meint, auf Börsen zig Tausende Euro im Laufe der Jahre ausgeben zu wollen, der möge dies tun. Die Händler werden es ihm sicher danken. Ein Selbstfang wiegt mehr als Kästen voller Exoten, deren Geschichte ich nicht kenne. Ich denke, dass der Aspekt der Jagd sehr viel reizvoller erscheint als der Kauf. Und eine Sammlung ist nur solange wirklich lebendig, wie es weiße Stellen in ihr gibt. Darin liegt für mich der besondere Reiz - nicht zu wissen, wann und ob jenes Exemplar sich einreihen wird und wie es mir vor die Nase flattert.



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#2

RE: Börsenfalter vs. Selbstfang

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 17.11.2013 18:31
von Heiko70 | 1.916 Beiträge | 15923 Punkte

Hi Ronny,

wieder mal ein sehr interessantes Thema, das du hier aufgreifst. Ich selbst habe darüber auch schon oft nachgedacht.

Die letzten 30 Jahre, in denen ich dieses Hobby intensiev betreibe, haben mich sehr viel gelehrt. Es ist wie überall. Sieh mal, bei den Steinesammlern ist´s genauso wie hier. Meine Ex war so eine Steine und Kristallfreak. Auf den Börsen wird auch Schund verkauft, für den Laien schön, aber trotzdem wertlos. Dann gibts wieder Steine die werden "unterm Tisch" gehandelt. Von Kenner zu Kenner.

Ich persönlich habe meine Sammlung zu 90% auf Europäer aufgebaut. Viel selbstgefundenes und Lichtfang und so. Aber auch getauschtes oder gekauftes. Dann sind da noch 10% Exoten und Asiaten und so. Das sind Zuchten, die ich immer mal so nebenbei mach, schon mit Liebe, nicht falsch verstehen, mein Augenmerk gilt aber den Europäern.

Ich bevorzuge die Selbstzücht-Variante. Also am Besten ex ovo und eine Nachzucht. Davon Belege in die Sammlung. Präparate kaufe oder Tausche ich nur dann, wenn es Arten sind, die ich zur Sammlung benötige, aber sicher nicht die Möglichkeit habe an Lebendmaterial zu kommen.
Der Heinz hat mit vor Kurzem einige Präparate überlassen, von Weißligen, die ich hier nicht bekomme, aber bei Heinz fliegen sie (vielen Dank nochmal an dieser Stelle). Das dient zur Vervollständigung meiner europäischen Sammlung. Meist handelt es sich dabei um 1 oder 2 Päärchen.

Von den Exoten züchte ich immer mal so aus Spaß, sind ja schon tolle Tiere.
Ich würde aber nie auf die Idee kommen, nen Ornitoptera für über 300 Euro bis rauf zu 2000 Euro, zu kaufen.

Gruß, Heiko


Leben ist etwas Seltenes, die meisten Menschen existieren nur. (Oscar Wilde)


zuletzt bearbeitet 17.11.2013 18:33 | nach oben springen

#3

RE: Börsenfalter vs. Selbstfang

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 17.11.2013 18:52
von GAST
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Guten Sonntag Abend zusammen,
Die Sinnhaftigkeit oder die Auslegung einer Sammlung dürfte sehr unterschiedlich sein.
Geht es darum, möglichst schöne Tiere wie Briefmarken im Kasten zu haben um sich daran zu ergötzen? Geht es darum, möglichst wissenschaftlich die Population in einem engen definierten Gebiet zu katalogisieren? Kann es sein, dass der Jagdinstinkt der Antrieb ist? Geht es darum, erfolgreiche Zuchten durch Belege zu dokumentieren? Geht es womöglich darum, Seltenheiten und besonders teure tote Tiere sein Eigen nennen zu dürfen? Ist eine Mischung einiger oder aller zuvor genannter Aspekte das Ziel? Macht es einfach nur Freude - also ist es ein Hobby, dem jeglicher tiefer Sinn in gleicher Weise zu fehlen scheint wie dies beim Sammeln von Teddy-Bären nicht anders wäre?
Ich bezweifle stark, dass der wissenschaftliche Aspekt im Durchschnitt auch nur 5% beträgt, vom wissenschaftlichen Wert zu reden wage ich nicht einmal, dazu reicht es, die Tiere zu beobachten, zu fotografieren, kartieren, dokumentieren denn nur bei Tieren, die ein erfahrener Entomologe im Fluge oder auf dem Tuche nicht zu identifizieren vermag, wird per DNA oder klassisch per Genitalanalyse die Tötung erforderlich sein. Aus meiner Sicht handelt es sich um ein Hobby, welches schwer zu vermitteln ist, weil es mit dem Töten von Tieren in Verbindung steht, die in der Gesellschaft als zart und liebevoll gelten (wenn es nicht gerade "Motten" oder extrem gefährliche "Schädlinge" sind). Es mag als Argument gelten, dass Autos und Vögel oder weitere "Feinde" ebenfalls Insekten töten, noch mehr mag als Argument gelten, dass die Habitatsvernichtung oder Veränderung massivst negativ wirken kann und dies auch tut. Dennoch: Was das Sammeln angeht, wird jede Rechtfertigung eine Gradwanderung, die ein jeder Sammler (Sammlerin) mit sich und dem eigenen Gewissen zu vereinbaren haben wird. Es ist aus meiner Sicht zum größten Teil ein Hobby, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Beste Grüße
Klaus


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#4

RE: Börsenfalter vs. Selbstfang

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 17.11.2013 19:02
von Schwärmerliebhaber | 62 Beiträge | 379 Punkte

Hallo Heiko, du hast also schon die grundlegende Problematik eines jeden Sammelns in dich gehen lassen. Der Austausch unter Sammlern, wie in Bezug auf Heinz beschrieben, ist auch noch eine Option, welcher ich mit Zustimmung begegne. Weil man so die Gewissheit hat, nachvollziehbares Material zu erhalten. Dazu gehört auch viel Vertrauen. Sicher ist die regionale Begrenzung einiger Arten ein Problem beim Sammeln, aber ich denke, dass es innerhalb bestimmter Grenzen lösbar ist. Und ist ein Falter eben partout nicht willens mir zu begegnen, dann soll es wohl so sein. Ach ja, und noch ein Gedanke zu den oftmals angepriesenen Werten von Faltern/Sammlungen. Man sollte sich stets vor Augen führen, dass ein Schmetterling ersteinmal keinerlei Wert besitzt. Nämlich solange nicht, bis jemand tatsächlich einen Betrag X dafür auszugeben gedenkt. Ich kenne einen Sammler, welcher eine sehr umfangreiche Sammlung vor einigen Jahren verkaufte. Es waren einige wirkliche Raritäten darin und die Falter waren in hervorragender Art und Weise präpariert. Ein wirkliches Juwel. Der Wert lag nach seinen Aussagen im 6-stelligen Bereich - bekommen hat er noch nicht einmal 1 Prozent davon. Soviel zu fiktiven Sammlungsreichtümern. Am besten ist es wohl, sämtliche Wertanhaftungen fahren zu lassen und sich auf die Schönheit zu konzentrieren. Und eben für die Nachwelt zu sammeln resp. es in der Familie weiterzugeben.



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#5

RE: Börsenfalter vs. Selbstfang

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 17.11.2013 19:28
von Schwärmerliebhaber | 62 Beiträge | 379 Punkte

Hallo Klaus, jeder Mensch hat sein ganz eigenes Steckenpferd - einer sammelt Bierdeckel, ein anderer Autos und wieder ein anderer reist durch die Welt und lichtet alles ab, was ihm vor die Linse kommt. Es gibt da weder eine Richtlinie noch eine Annahme, was denn nun als sinnvoll oder nicht sinnvoll zu gelten hat. Das muss jeder mit sich selbst abmachen. Wer eben Schmetterlinge fotografieren möchte, soll dies tun. Wer sie in natura sammeln möchte, soll dies tun. Es geht hier um ein Hobby - und wenn auch zuhauf Entomologen mit Naserümpfen betrachtet werden, so sind sie doch in erheblicher Art und Weise der Natur zugetan. Auch wenn das zunächst wie ein Widerspruch in sich selbst erscheint. Viele Falterarten wurden bislang durch Nachzucht und gezielte Wiederansiedlungen vor der völligen Ausrottung bewahrt. Ferner kommen viele Initiativen zur Geltung, welche dem menschgemachten Habitatsverlust entgegenwirken - aber eben nur im bescheidenen Rahmen. Wenn auf 1 Falterpräparat eine Anzahl von 100 Tieren kommt, welche sich durch Maßnahme XYZ natürlich vermehren können, so sollte die Bilanz ausgeglichen sein. Jedes einzelne Präparat ist naturwissenschaftlich von Wert, weil es die Natur in ihrer Schönheit zeigt. Ein zerfetzter Schmetterling an einem Kühlergrill oder eine durch Pestizide dezimierte Raupengeneration kann die Natur freilich nicht näherbringen. Liebe Grüße



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#6

RE: Börsenfalter vs. Selbstfang

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 17.11.2013 19:37
von GAST
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Lieber Schwärmerliebhaber,
hätten Sie meinen Beitrag nicht nur gelesen sondern auch überdacht wäre Ihre Antwort vielleicht differenzierter ausgefallen. Ich habe in keinster Weise die entomologische Tätigkeit kritisiert. Ich habe lediglich dargestellt, dass ein Hobby eben ein Hobby ist. Wer Falter auf Börsen erweben möchte soll die tun, wer sie züchten oder fangen möchte soll dies ebenso tun. Nur sollte man so ehrlich sein (sich selbst gegenüber) dass es eine Leidenschaft ist, deren Wert häufig (nicht immer, gibt genug Gegenbeispiele) ein persönlicher und ideeller ist, kein wissenschaftlicher.
Mehr war dazu nicht zu sagen... P.S. Kennen Sie das Museum Witt? Ich kenne es recht gut, ebenso dessen Herkunft.
Guten Abend,
Klaus


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#7

RE: Börsenfalter vs. Selbstfang

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 17.11.2013 19:57
von Schwärmerliebhaber | 62 Beiträge | 379 Punkte

Hallo Klaus, ich habe es schon so verstanden, wie es geschrieben wurde. Und ich möchte und werde das jetzt hier nicht weiter verfolgen. Es geht um ein Hobby in erster Linie. Darin besteht Einigkeit. Mit der Bitte um Nichtnachtragung beende ich unseren Austausch. Liebe Grüße



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#8

RE: Börsenfalter vs. Selbstfang

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 18.11.2013 11:02
von hall | 1.036 Beiträge | 7113 Punkte

Ich befasse mich schon seit 50 Jahren mir dem Sammeln und der Zucht von Schmetterlingen und ich muß gestehen daß es zur Sucht wird. Es ist eine Leidenschaft die einen nicht mehr los läßt. Wissenschaftlich zu arbeiten ist für mich zweitrangig. Natürlich muß man mit vielen negativen Kommentaren von Leuten leben. Meistens von solchen Zeitgenossen die bedenkenlos
in Ihrem Garten mit der Chemiekeule gegen sogenannte Schädlinge vorgehen. Die nichts dagegen haben wenn jedes noch so kleine Tal, jeder Berggipfel touristisch erschlossen wird, jeder Sumpf trockengelegt wird und ein Gewerbegebiet darauf entsteht, die mit ihrem Auto jedes Jahr tausende Insekten vernichten,
die durch ihr Konsumverhalten dafür sorgen daß jedes Jahr millionen Hektar Wald gerodet werden und ganze landwirtschaftlich genutzte Landstriche vergiftet werden. Unsere Spaß- und Wegwerfgesellschaft ist das Hauptproblem unserer Zeit. Leider bleibt der Naturschutz gegenüber wirtschaftlichen Interessen immer auf der Strecke. Die Menschheit ist auf dem besten Weg sich den Ast abzusägen auf dem wir alle sitzen und alle Politiker machen mit.

Werner


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#9

RE: Börsenfalter vs. Selbstfang

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 22.11.2013 12:39
von Gelöschtes Mitglied
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Lieber Gast Klaus,

Wie ich Ihren bisherigen Beiträgen zu diesem Thema entnehme, lehnen Sie das in unserer Gemeinschaft sonst übliche "Du Wort" ab! Das ist legitim, und ich respektiere das selbstverständlich! Dies nur zur Erklärung, warum ich Sie nun ebenfalls in der "Höflichkeitsform" anspreche!

Nun aber zum eigentlichen Thema:

Sie fragen in einem Ihrer obigen Beiträge, ob unser Mitglied "Schwärmerliebhaber" das Museum Witt kenne, dessen Herkunft Ihnen ebenso bekannt sei. Ich schließe daher darauf, dass Sie selbst Sammler waren (oder vielleicht auch noch sind) der eben mit Leidenschaft, aber auch mit Hingabe zum Thema und großem Interesse für die wissenschaftlichen Zusammenhänge gearbeitet hat. Liege ich richtig, wenn ich davon ausgehe, dass Sie Ihre Sammlung dem Museum Witt zur Verfügung gestellt haben, oder für dieses forschen??

Wenn dem so ist, haben Sie auf jeden Fall meine Anerkennung! Wie Sie ebenfalls geschrieben haben, ist nicht etwa die Motivation, oder das dem Sammlen zu Grunde liegende Gefühl ausschlaggebend, sondern die Bereitschaft diese Leidenschft auch im Interesse oder im Dienste der wissenschftlichen Arbeit zu betreiben.

Ich für meinen Teil führe zu meiner Sammlung genaue Aufzeichnungen, habe oft mehrere Kärtchen pro Tier an der Nadel stecken, und versuche möglichst detailiert und genau zu dokumentieren. Für den Fall, dass mir etwas zustossen sollte, oder ich meiner Sammeltätigkeit nicht mehr nachgehen kann, wissen meine Angehörigen, wie weiter mit meiner Arbeit zu verfahren ist! In meinem Fall möchte ich meine Sammlung dann dem Naturhistorischen Museum in Wien überlassen.

Das sollte aber jeder so handhaben wie er möchte. Ein kleiner Teil meiner Sammlung wird bereits zuvor meiner ehemaligen Grundschule überlassen werden. Damit möchte ich vor allem das Interesse der Kinder an den Vorgängen der Natur wecken, und ihnen zeigen, was einmal alles hier flog!

Ich glaube nämlich, dass nur durch die "Berührung" mit der Natur und ihren Lebewesen, auch eine dauerhafte Bindung und ein natürliches Schutzbedürfnis entstehen kann. Ob das nun über staunende Schüler, oder faszinierte, leidenschaftliche Entomologen geschieht ist einerlei.

Soweit mein Standpunkt zu diesem Thema

Liebe Grüße
Michael


Freunde sind Engel die dir auf die Beine helfen, wenn deine Flügel verlernt haben zu fliegen!


zuletzt bearbeitet 22.11.2013 12:43 | nach oben springen


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