#1

Im ganzen Jahr sah ich nur zusammen 5 Tagfalter !

in Schmetterlinge: Diverses 15.01.2014 18:53
von Hermann Staiger | 11 Beiträge | 95 Punkte

Im ganzen Jahr sah ich nur zusammen 5 Tagfalter !

Hallo alle meine lieben Freunde und Kollegen !
Ich wollte 2013 wieder eine Schmetterlingswiese anlegen.
Leider hat es bei uns bis Anfang Juni geregnet bis alle Wiesen unter Wasser gestanden sind. Die Samen sind im Boden oder besser im Wasser verrottet und wir wohnen auf einen Berg in 666 m Höhe !! Alle Puppen und die ganzen Schmetterlinge sind so gut wie ausgestorben, besser ertrunken und verhungert. Dann hat es fast eine Woche lang geschneit und war sehr kalt und alles weiß.
Es gab auch keine Blumen und die ganzen Wiesen werden ja heutzutage bald 10 mal im Jahr gemäht und wenn wie es jetzt schon üblich ist, die Wiesen neu angesät, weil die Gräser nicht mehr aussamen können und nicht einmal mehr das Gras kann alleine wachsen. Blumen und Hecken stören sowieso. Man hat viele hunderte Hecken bei uns gerodet!!

Jetzt fliegt so gut wie nichts mehr, ich habe wohl 5 Falter gesehen 2013 leider aber immer die gleichen Tiere. Früher sah ich auf einen halben Kilometer Hunderte Weißlinge, heute keinen einzigen und andere unzählige Arten wie Feuerfalter.

Ich habe dann mitte Juli 2013 an ABGEMÄHTEN FELDWEGERÄNDERN MIT BRENNESELN MIT UNZÄHLBAR VIELEN TOTEN JUNGRAUPEN VON F.io und ANDEREN ARTEN GEFUNDEN. Man muss ja die Feldwege links und rechts mähen wegen der Verkehrssicherheit nicht wahr ?? Es fahren ja auch fast jeden Tag 2 Autos oder Fahrräder ! Klar auch die bisher farbenfroh blühenden Feldränder alles schön sauber und kurz wie ein englischer Rasen.

Es gibt seit meiner Jugend ( bin jetzt 56 Jahre ) nur noch höchstens 5% der Arten und alte Leute sagten mir sogar, es hätte bei uns auch den Segelfalter, Großer / kleiner Eisvogel und Apollo mit roten Augen ( Futterpflanze vorhanden ) gegeben und wohl noch sehr viele anderen seltene Arten.
Ich suche jetzt Zuchtmaterial wie Eier vom Schwalbenschwanz, war vor 2 Jahren noch sehr häufig, ist zwar eine Ordnungswidrigkeit aber mir Sch... Egal ich lasse unter Aufsicht der NABU alle fliegen !! Das Ausrotten der Schmetterlinge und anderer Insekten ist in diesem Staat ja keine Straftat, aber das wieder ansiedeln, da kommst Du in den Knast. Irgend wann und woher bekomme ich mal welche.
Auch andere Arten kann ich gebrauchen auch häufige, die züchte ich groß und lasse dann die Falter fliegen, ich bezahle ja auch dafür und will es nicht geschenkt !!
Ich bin ein Frührentner und die Preise die oft für seltene Arten verlangt werden sind mir manchmal einfach unerschwinglich. Auch bei uns werden jetzt die letzten Schmetterlinge vermarktet und das wiederbesiedeln verteufelt.
Ich sammle übrigens keine europäischen Falter mehr seit 25 Jahren schon, züchten und fliegen lassen ist ja viel schöner und ich hatte schon oft sehr großen Erfolg mit wiederbesiedeln allerdings nur mit Faltern die kaum oder keine Blüten brauchen.
Ich züchte fast 50 Jahre Schmetterlinge und habe doch eine gute Erfahrung in Zucht und Biotopen.
Für viele Arten habe ich die richtigen Bäume und Futterpflanzen in meinem sehr großen Garten ( Laubwald ) gepflanzt, auch Futterpflanzen wie Blumen und viele Sommerflieder und viele andere. Mein Rasen wird 1-2 mal im Jahr gemäht. Die Falter kommen fast nur noch in meinen Garten. Aber der NABU sagte, dass jetzt auch 2 Bauern unrentable Flächen mit Blumenwiese bepflanzen, aber ohne Falter ein trostloses Bild für mich. Andere Schmetterlingswiesen wurden von Bauern, die Naturgegnern sind heimlich komplett gemulcht und somit komplett zerstört .
Nun noch zu einem Freund Hubert von mir, er ist kein Entomologe, sonder ein Imker und echter Tierliebhaber. Er ist Autoelektriker für ganz schwere Fälle, er repariert LKWs.
Er erzählte mir: Hermann wenn du einmal sehen könntest, was ich bei jedem Laster im Frühjahr bis in den Herbst sehe, wenn ich die Haube öffne und den Kühler sehe, alles über und über mit Schmetterlingen verklebt, zum Teil blaue schillernd und gelbe große Schwalbenschwanz und Segelfalter und unzählige riesige Nachtfalter auch in allen Farben hunderte und auch viele andere Insekten !!
Doch wenn wir ehrlich sind und einmal durch ein noch Falter reiches Gebiet mit dem Auto fahren, habt Ihr einmal beobachtet wie oft wir selber die seltensten Falter rammen und berühren, die Falter sind immer tot. Ich selber habe früher alle paar hundert Meter einen großen dunklen oder gelben Tagfalter gerammt. Ich fahre wenig und sehr ruhig Auto, mir hat das Herz geblutet.
Geht einmal an so einer Straße am Rand spazieren. Ihr fangt an zu heulen, außer denen Kollegen denen nur noch die Schmetterlinge in ihrer Sammlung interessant sind !! Solche kenne ich auch, die mir erzählt haben vor Zeugen , um nur ein Beispiel zu nennen, sie haben eine Wiese gefunden, die voll mit Feuerfalter war und er hat sie alle gefangen und aufgespießt zum Verkauf. Solche kenne ich jetzt schon einige, alle Apollos weggefangen auf der Alb auch die abgeflogenen. Wollt Ihr mir da verübeln wenn ich seltene Falter wieder fliegen lasse ??
Was müssen wir Freunde der Insekten tun, um wieder Leben in unsere Biotope zu bringen. Von allein kommt kaum etwas, darauf warte ich jetzt schon 30 Jahre, seit ich meinem kleinem Sohn einmal schöne Schmetterlinge zeigen wollte und keinen mehr fand, wo es früher dutzende seltene Arten gab mit vielen Arten von Bärenspinnern die auch am Tage flogen alles mausetot !
Wie geht es Euch denn so, was fliegt denn noch heute und was flog früher??
Ganz liebe Grüße aus D- Dunningen euer Hermann


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#2

RE: Im ganzen Jahr sah ich nur zusammen 5 Tagfalter !

in Schmetterlinge: Diverses 15.01.2014 20:10
von Heiko70 | 1.908 Beiträge | 15861 Punkte

Hallo Hermann,

also ich könnte mich nicht beschweren. Hier in Straubing und Umgebung flog sehr viel, ob Tag- oder Nachtfalter. Auch hier wird gemäht, ja auch die Feldwegränder, was aber den Faltern nichts ausmacht. Regelmäßig finde ich P. machaon Eier oder Raupen an den wilden Möhren, an den Straßen- und Feldwegrändern.
Allerdings wird hier mit Köpfchen gemäht, sprich 2-4 mal im Jahr.
Des Weiteren wurden hier viele Biotope neu hergestellt und das hat sich auch bewährt.
Das nasse Jahr 2013 hat die Flugzeiten nur nach hinten verschoben, mehr war nicht zu spüren.

Gruß, Heiko


Leben ist etwas Seltenes, die meisten Menschen existieren nur. (Oscar Wilde)


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#3

RE: Im ganzen Jahr sah ich nur zusammen 5 Tagfalter !

in Schmetterlinge: Diverses 15.01.2014 21:46
von steffen1978 | 1.091 Beiträge | 21388 Punkte

Hallo Hermann,
auch ich kann mich nicht beschweren (stimme Heiko70 also völlig zu). Ich konnte sowohl tagsüber als auch Nachts im Jahr 2013 viele Tiere in großer Anzahl sehen! Ok, I. io Nester waren es wenig, auch dort wo nicht (nie) gemäht wird.... Schillerfalter, Segelfalter und Apollos würde ich gerne mal auf meiner Windschutzscheibe oder meinem Kühler haben, es wäre ein erfreuliches Zeichen, dass die Tiere wieder häufig wären, denn ich muss in Bayern durchaus suchen, wenn ich diese Tiere sehen möchte. Die Chance, dass davon mal einer in Straßennähe fliegt, ist doch sehr gering - zumindest bei mir. Grob überschlagen würde ich sagen, dass ich 2013 etwa 10000-20000 Falter nahe meiner Wohnorte in München und Ingolstadt gesehen habe, konservativ geschätzt. Mag sein, dass ich einige doppelt gezählt habe, aber allein die Schlafplätze der Bläulinge in der Freimanner Heide (München Nord) waren an manchen Tagen derart gefüllt, dass Zählen praktisch unmöglich war. Es waren einfach nur unheimlich viele.
Ich stimme Dir aber gerne zu, dass dort, wo man die Natur nicht mehr Natur sein lässt, ein Rückgang der Anzahl und Arten deutlich bemerkbar ist, ich sehe mir das seit nun etwa 20 Jahren an einigen Flecken in Ingolstadt an. Dort wo man die Natur aber lässt, finde ich auf der anderen Seite auch neue Arten oder Tiere in höherer Anzahl als vor 20 Jahren. Alles ändert sich und ist dynamisch - aber eines kann ich sicher sagen: Erst verschwinden die Pflanzen, dann die Tiere, dann die Menschen. Nur brauchen die Pflanzen und Tiere bei weitem nicht so lang um zurück zu kehren wie wir...
In diesem Sinne wünsch ich Dir ein falterreiches 2014 :-)
Gruß
S.


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#4

RE: Im ganzen Jahr sah ich nur zusammen 5 Tagfalter !

in Schmetterlinge: Diverses 15.01.2014 22:49
von Alpenbotaniker | 15 Beiträge | 500 Punkte

Guten Abend Hermann,
ich habe deinen Beitrag und die Antworten sehr aufmerksam gelesen. Deine Bedenken und Ängste für die lieben Falter kann ich sehr gut verstehen.
Da ich aber vor fast dreissig Jahren das sogenannte Unterland hinter mir lies und in die Berge auswanderte, hoffte ich auf viel ungestörte Natur.
Im Engadin durfte ich auch viel entdecken, wovon so viele nur Träumen können. Nicht nur frische kühle Alpenluft, nein auch viele Blumenreiche Wiesen die um die Mittagszeit voll von Faltern waren. Auch Abends, wenn die Sonne unter ging, war immer noch sehr viel Leben.
Nun wie sieht es Heute aus, fast 30 Jahre später?
Die reichen Blumenwiesen sind geblieben, nur muss man immer weiter in die Höhe. Ist man hier aber angekommen, so wird man nicht nur von Gämsen, Steinböcke und Hirschen empfangen, sondern auch von recht grossen Schafherden (auch eine Art von Rasenmäher).
Andere Gebiete veröden und überwachsen wieder, weil keine Sommerbeweidung durch Rinder statt findet. Ist für die Bauern nicht mehr interessant und zu teuer.
Sport ist auch so ein Thema:
Vom Winter einmal abgesehen, nehmen Heute die Bicker immer mehr Wanderwege in Anspruch und werden auch gerne für Rennstrecken ausgebaut.
Mann sieht Heute kaum noch ein Wegweiser für Wanderer (gelb), wo nicht noch eine rote Bickertafel angehängt wurde.
Somit haben wir auch in den Alpen das Problem von all den abgemähten Ränder von den Wanderwegen.
Da ich sehr stark botanisch interessiert bin, ist dies natürlich bedauerlich. Es treibt mich immer mehr abseits von Wegen zu gehen um hier die pure Natur noch zu erleben.
Seit einigen Jahren habe ich mich mit züchten von seltenen Alpinen Faltern begonnen, was sehr viel Freude macht.
Selten verschenke ich Eier, Raupen oder Puppen. So züchte ich gerne 150 Eier zu Raupen und setze dann zwei-drittel im Alter L4 wieder am Fundort aus, in der Hoffnung dass sie einen guten Start ins Leben haben.
Obwohl ich weiss, dass diese Orte immer wieder von Sammler aufgesucht werden und etliche Tiere in Schaukästen verschwinden.
Gerade desshalb setze ich die Raupen wieder aus in der Hoffnung, dass die Art im Gebiet erhalten bleibt.
Da ich nun bald in Rente gehe hoffe ich, noch viel von der schönen Flora und Fauna erleben zu dürfen.
Dies wünsche ich dir Hermann und allen anderen Mitglieder natürlich auch und wer weiss, vielleicht bald einmal im Engadin.
Herzliche Grüsse Ernst


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#5

RE: Im ganzen Jahr sah ich nur zusammen 5 Tagfalter !

in Schmetterlinge: Diverses 16.01.2014 09:47
von hall | 1.024 Beiträge | 7003 Punkte

Hallo Ernst,

ich kann Deine Beobachtungen nur vollinhaltlich bestätigen. Auch ich bin in der glücklichen Lage im alpinen Raum (Umgebung Innsbruck) zu leben. Nur wenige Autominuten vor meiner Haustür befindet sich das Naturschutzgebiet Karwendel und die Seitentäler des Inntales sind auch leicht erreichbar. Hier ist die Natur (teilweise) noch intakt obwohl die moderne Freizeitgesellschaft auch hier immer mehr Spuren hinterläßt. Die Erschließungswut der Fremdenverkehrswirtschaft ist noch immer ungebrochen und es werden immer noch unberührte Hänge dem Schisport geopfert mit all seinen negativen Begleiterscheinungen. Alles mit dem Argument der Politiker Arbeitsplätze zu schaffen und Devisen ins Land zu bringen. Trotz allem sind die attraktiven Arten wie Parnassius Apollo, Parnassius phoebus, Iphiclides podalirius, Arctia Flavia, Pericallia matronula etc. immer noch zu finden. Das Inntal dagegen ist leider entomologisch gesehen schon eine "Wüste". Der Alpentransit (Inntalautobahn, Luftverschmutzung, nächtliche Beleuchtung) und die Zersiedelung haben ihre Spuren hinterlassen.

Viele Grüße
Werner


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#6

RE: Im ganzen Jahr sah ich nur zusammen 5 Tagfalter !

in Schmetterlinge: Diverses 16.01.2014 09:52
von Heinz | 2.596 Beiträge | 12844 Punkte

Lieber Hermann,
ja, du sprichst hier ein Problem an, das vielen, wenn nicht gar den meisten von uns, ganz stark unter den Nägeln brennt.

Auch in meinem Heimatort bzw. dessen Umgebung muss ich leider dergleichen feststellen und mit Bedauern zur Kenntnis nehmen. Eine Handhabe, die Natur, deren Wunder und Überraschungen zu schützen bzw. wenigsten etwas zu helfen, haben wir Naturliebhaber, die wir leider in der Minderheit unter allen Menschen sind, insoferne nicht, da jene Gedanken und Ausführungen, die Hauptgründe für die Naturverarmung und letztlich deren Tod sind, in sehr vielen Gesellschaftsschichten die Erste Geige spielen: Geld, Geld, Geld...

Ich habe das Glück, in einer Gegend aufgewachsen zu sein und nach wie vor zu wohnen, deren Boden beinahe flächendeckend aus eiszeitlichem Gletschergeschiebe besteht. Daraus ergibt bzw. ergab sich, dass wir große Flächen an Kalkmagerrasen mit überaus artenreichen Vergesellschaftungen an Kräutern, Stauden und Gehölzen hatten.
Die daraus folgende Tierwelt war natürlich auch sehr sehr artenreich und ich trieb mich bereits als Schulbub in diesen Biotopen herum. Ungeahnte Beobachtungen in der Insektenwelt konnte ich machen und auch notieren.

Die Flächen, die nicht verbaut waren oder wurden, das sind ohnehin nicht gerade sehr viele, waren eben jene, die ob ihres herausragenden Artenreichtums mein ganz besonderes Interesse auf sich zogen.

Doch dann entdeckte der Mensch, dass sich unter den überaus artenreich bewachsenen und bewohnten Kalkmagerrasenschichten etwas verbarg, das man zu barer, klingender Münze machen kann: Kies und Schotter.
Und Schluss war es mit der Natur. Ein für alle Mal. Heute befindet unser kleiner Heimatort fest im Würgegriff von Kiesgruben und entsprechendem LKW-Aufkommen.
Es ist leider auch erwiesene Tatsache, dass sämtliche Umweltverträglichkeits- und sonstige Prüfungen, die bei Erweiterungen der Abbauflächen "vorgeschrieben" (!!!) sind zugunsten der Betreiber und somit zuungunsten der Natur erkannt werden.

Aber leider bin ich ein gänzlich einsamer Rufer in der Wüste. Mehrfach hatte ich schon Zusammenkünfte mit den Betreibern, den zuständigen Amtsorganen, den Naturschutzbehörden usw. und wollte auf die untragbaren Zustände aufmerksam machen.
Aber, ich bin da ein kleines Würmchen in Gesellschaft von mehreren Riesendrachen, soll heißen, es steht da immer wieder so etwa 1: 8 gegen mich. Selbst die Naturschutzbehörden reden davon, dass Kies wohl von jedem gebraucht wird und man dagegen also nichts machen könne.

Die Liste dieser himmelschreienden Ungerechtigkeiten könnte ich jetzt noch in großem Umfang fortsetzen, ich denke aber, ihr wisst auch so, was ich ausdrücken und sagen möchte.


Und noch was, lieber Freund Hermann:
es ehrt dich ungemein, dass du die fehlenden Schmetterlingspopulationen mit Eigenzuchten aufbessern möchtest. Das aber wird höchstwahrscheinlich vergebene Zeit und Liebsmüh' sein.
Denn Lebensräume, die von Tier- oder/und Pflanzenarten von sich aus verlassen werden, beherbergen eben nicht mehr jenes Potential, das von diesen Tier- und Pflanzenarten zum Leben gebraucht wird. Also wandern sie aus oder sterben ab.
In solche Biotope Tiere einzusetzen und zu hoffen, sie bleiben und vermehren sich, ist leider zum Scheitern verurteilt.

Vordergründig zu erledigen ist die Wiederherstellung geeigneter Lebensräume. Dann kommen jene Tier- und Pflanzenarten, die sich ursprünglich daraus verabschiedet haben, ganz von selber wieder.
Auch dafür könnte ich eine lange Liste an selbst erlebten und beobachteten Beispielen aufzählen.

Trotzdem dürfen wir alle, die wir den Wundern und der Allmacht der Natur unterliegen, nicht aufgeben...

Herzliche Grüße und alles Gute
Heinz


Alles, was gegen die Natur ist, hat auf die Dauer keinen Bestand!


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#7

RE: Im ganzen Jahr sah ich nur zusammen 5 Tagfalter !

in Schmetterlinge: Diverses 16.01.2014 10:59
von tippletopple | 694 Beiträge | 17575 Punkte

Liebe Freunde,

ich bin voriges Jahr von Wien in die Steiermark gezogen, ca 100km in Richtung Süden.
Direkt aus der Großstadt in eine bäuerlich geprägte Gegend.
Viel Natur, Unmengen von Pilzen, Fischen, alten Streuobstwiesen.....
Ich hab natürlich in der Gegend Ausschau gehalten nach Tagfaltern. Das Ergebnis war enttäuschend, außer ein paar Allerweltsschmetterlingen hab ich nämlich so gut wie keinen einzigen " interessanteren" gesehen. Am ehesten noch wenige Satyriden, nur ein (1!!) einziges Widderchen und fünf, sechs Bläulinge.
Das Ganze liegt in einer schmalen, illyrisch genannten Klimazone, an der Grenze zwischen alpin und pannonisch. Gerade deshalb hatte ich mir wesentlich mehr Arten erwartet.
Mir ist aufgefallen, dass jedes Fuzzerl, und sei es noch so klein, steil oder schmal, landwirtschaftlich genutzt wird.
Die einzelnen Gemeinden entwickeln einen Wahn, zur saubersten (Balkon)blumenreichsten und gepflegtesten Ortschaft gewählt zu werden. Obwohl dort praktisch kein Tourismus herrscht. Das bedeutet natürlich, dass alles was so "wild" irgendwie daherwächst, radikal im wahrsten Sinn des Wortes entfernt wird. Da werden mit viel Aufwand Uferböschungen gerodet, Wegränder, Waldsäume, Hecken und sonstige "Unordentlichkeiten" beseitigt, weil diese Unordnung dem momentanen Schönheitsempfinden vieler Menschen ein Dorn im Auge ist. Leider.
Ich muss sagen, dass das "schlampige" Wien, obwohl Großstadt, wesentlich mehr Pflanzen zulässt, wodurch viel mehr Tagfalterarten vorkommen. Selbst
in Schrebergartenanlagen hält sich die Regulierungwut in Grenzen.

Möglicherweise war das Jahr 2013 wirklich ein schlechtes Tagfalterjahr. Wohlgemerkt Tagfalter! Denn Nachtfalter gabs genug hier.

Ich bin schon gespannt auf 2014

Christoph


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#8

RE: Im ganzen Jahr sah ich nur zusammen 5 Tagfalter !

in Schmetterlinge: Diverses 16.01.2014 11:19
von hall | 1.024 Beiträge | 7003 Punkte

Lieber Heinz,

untenstehendes Zitat kann ich nur bestätigen:

Es ehrt dich ungemein, dass du die fehlenden Schmetterlingspopulationen mit Eigenzuchten aufbessern möchtest. Das aber wird höchstwahrscheinlich vergebene Zeit und Liebsmüh' sein.
Denn Lebensräume, die von Tier- oder/und Pflanzenarten von sich aus verlassen werden, beherbergen eben nicht mehr jenes Potential, das von diesen Tier- und Pflanzenarten zum Leben gebraucht wird. Also wandern sie aus oder sterben ab.


Vor einigen Jahren wurde parallel zu Inntalautobahn zwischen Hall und Wattens ein Radweg angelegt. Kurz darauf waren auf dem schmalen Grünstreifen links und rechts des Weges im Sommer hunderte Raupen von Lasiocampa trifolii zu finden. Leider haben die Raupen die Gewohnheit sich am späteren Nachmittag am Asphalt
aufzuwärmen. Dadurch wurden Dutzende erwachsene Raupen von Radfahrern überfahren. Ich habe deshalb die Strecke abgesucht und hunderte Raupen eingesammelt um sie an einem mir geeignet scheinenden Biotop mit ähnlichem Bewuchs /Gräser, Klee) auszusetzen. Diese Aktion führte ich 3 Sommer lang durch. Jährlich kontrollierte ich im neuen Biotop ob der Ansiedlungsversuch erfolgreich war. Tatsächlich fand ich in den darauffolgenden Jahr einige Raupen
aber bei weitem nicht so viele wie neben dem Radweg. In den weiteren Jahren konnte ich keine Raupen mehr finden. Offenbar brauchen die Raupen warme Stellen (Schotterflächen) um sich aufzuwärmen. Der asphalierte Radweg bzw. auch die Autobahn haben wahrscheinlich ein Kleinklima geschaffen die den Raupen zusagen. Trotz des jährlichen "Massakers" durch die Radfahrer sind immer wieder Raupen auf diesem doch extremen Biotop zu finden. Die Abgase und auch die SalzstreuungInteressanterweise sind dort auch Raupen von Saturnia pavoniella und auf einer mir unbekannten krautigen Pflanze zu finden. Auch R. purpurata finde ich regelmäßig.
Es ist schon erstaunlich daß sich manche Arten auf einem von Menschenhand geschaffenen Lebensraum ansiedeln können.


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#9

RE: Im ganzen Jahr sah ich nur zusammen 5 Tagfalter !

in Schmetterlinge: Diverses 16.01.2014 13:00
von Heiko70 | 1.908 Beiträge | 15861 Punkte

Hallo Freunde,

ich muß sagen, wenn ich mir das hier so durchlese, ich bin geschockt.
In unseren Breiten ändert sich nicht viel bis gar nix, ausser, daß seit einigen Jahren wieder was FÜR die Natur getan wird. Allerdings haben wir hier auch keinen Tourismus oder Sportfanatiker.
Hier im Gäuboden wird seit eh und je landwirtschaftlich angebaut. Die Dörfer sind klein und weit verstreut. Die Industrie ist zwar da, aber nicht riesig, hier hat halt jedes Dorf noch kleine Firmen und in der "Stadt" (ich weiß nicht, ob man Straubing als solche bezeichnen kann) ist das Industriegebiet auch nicht zu groß.
Überall sind noch Biotope zu finden.
Auch bei uns wurde viel Kies abgebaut, die Löcher wurden wieder zugeschüttet oder zu Weihern gemacht. Auch dort hat sich im Laufe der Jahre wieder alles erholt und sogar noch verbessert.
Bayern ist teils schon sehr streng mit seinen Auflagen und das ist in diesem Falle sogar ganz gut so. Man darf hier z.B. keinen Baum fällen, ohne danach wieder dementsprechend nachzupflanzen, da hat das Landratsamt schon ein Auge drauf.
Wir haben hier auch keine großartigen Sehenswürdigkeiten, abgesehen von Straubing selbst, was auch wiederum keine Touristen anzieht, zum Glück ist der Bayerische Wald, welcher nicht weit von mir entfernt liegt, zu 90% ein Naturpark, somit ist es strengstens untersagt, Radpfäde für Mountenbiker oder Schneisen für Skifahrer zu schlagen.
Auch die Donau wurde, dank der vielen Hochwässer in den letzten Jahren, wieder in ihr altes Flußbett gebracht, sprich, die Dämme wurden nach aussen verlegt, damit sich das Wasser wieder "auslaufen" kann. Diese Maßnahme hat eben auch wieder viel unberührten Raum für die Natur gebracht.
Richtung Regensburg gibt es an der Donau steile Hänge, Trockenhänge, die können gar nicht genutzt werden, weil sie zu steil sind. Vereinzelt sieht man ein paar Weinanbaugebiete, die sind aber ziemlich klein.
Heinz, du konntest ja die Natur und unsere lieben kleinen Dörferl selbst betrachten, als wir letztes Jahr in Wörth das Treffen hatten.

So gesehen bin ich jetzt echt froh, hier zu leben, auch wenns manchmal ein bisschen langweilig sein kann, aber wenn ich lese was bei euch alles zerstört wurde und wird, nur wegen des schnöden Mammons, da kommt mir echt das Grausen.

Nachdenkliche Grüße, Heiko


Leben ist etwas Seltenes, die meisten Menschen existieren nur. (Oscar Wilde)


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#10

RE: Freunde lasst Euch bloß nicht entmutigen

in Schmetterlinge: Diverses 16.01.2014 16:07
von Hermann Staiger | 11 Beiträge | 95 Punkte

Hallo meine lieben Freunde !!
Klar habt Ihr recht, jeder irgendwo.
Aber bei uns flog noch ein klein wenig und nun kam eine Flut über Wochen und Schnee im Juni und alle Erdpuppen oder Raupen sind ertrunken, Falter erfroren. Die Falter fanden kein Futter mehr weil die Natur einfach keine Blüten halten konnte oder sie blieben zu. Bei uns ist es mausetot, von 2012 zu 2013 !!! Wir wohnen in einem Gebiet wo es sowieso oft regnet und selten ganz trocken wird. Aber nicht so wie 2013 !!
Dann hat man die weißen Lampen vielfach gegen gelbe ersetzt, somit werden kaum noch Nachtfalter angelockt, leider gibt es auch kaum noch welche.
Klar sind viele Biotope verschwunden, weil sie bebaut wurden, eine Straße gebaut wurde.
Dann sind andere einfach zugewachsen oder bewirtschaftet worden.
Bitte lasst Euch nicht entmutigen !!
1. Geht zum Amt und holt Euch eine Genehmigung zum befahren gesperrter Waldwege, ist bei mir mein Nachbar.
2. Dann sucht sehr genau und gründlich nach neuen Flächen, also abgerodete Baumflächen und mit neuen kleinen Laubbäumen bepflanzt. Genau nach Futterpflanzen suchen.
3. Fragt den Förster, die NABU, Wanderer ob sie auch besondere Flächen kennen.
4. Das Fluggebiet von unseren Tagbären war etwa ein Hektar groß, aber es gab viele Arten und in sehr großer Anzahl.
5. Ist eine große Straße oder starke weiße Lichtquelle oder ein Ort oder Stadt in der Nähe macht es keinen Sinn irgend was frei zu lassen.
6. Sucht neue Stellen im Umkreis von 10-20 km ab, nicht nur ums Haus und ein wenig darüber.
7. Es gibt nicht mehr genug Falter die eine viel befahrene Straße überqueren könnten. Nur wir können ihnen so über dieses Hindernis helfen und ihnen ein neues Zuhause zeigen.
8. Lasst auch ganz einfache Arten wieder frei, ich hatte so sehr große Erfolge und nachhaltige Vorkommen geschaffen.
9. Der Schwalbenschwanz flog 2012 noch in großer Population in meinem Garten, alles was er brauchte hatte er, Futter für Raupen und auch für die Falter. Es war der häufigste Falter bei uns im Garten. Sogar einen toten abgeflogenen kleinen Eisvogel fand ich einmal auf dem Gartenweg liegen, klar alles was er brauchte ist vorhanden für ihn. Klar, das kann nicht jeder, ich wohne am Ortsrand und 1,5 km vom Wald weg und habe einen sehr großen Garten jetzt ohne Gemüsebeet, aber Futterpflanzen baue ich immer noch an. Und wer Schwalbenschwanzeier hat kann sie mir auch anonym schicken, ich bezahle sie aber auch und beide schweigen darüber.
10. Die Populationen sind heute oft sehr klein, aber selbst da ist es möglich etwas anzusiedeln, siehe kleiner Eisvogel.
11. Bei uns gibt es sehr viel Obstbäume und es gibt sehr viele Falter die keinen Schaden anrichten und kein oder wenig Falterfutter brauchen und da die wenigsten Bäume noch gepflegt werden, so werden die Raupen auch nicht vom Besitzer eindeckt und bekämpft !!
12. Geht aufs Bürgermeisteramt und besteht darauf, notfalls mit den NABU zusammen, dass Feldwegränder in Ruhe gelassen werden, genauso wie Schutthalden mit Brennnesseln. Sagt denen, es leben Raupen auf den Pflanzen die streng geschützt sind und eine Anzeige drohen werde bei Beseitigung der Pflanzen. Wenn es nicht anders geht erstattet Anzeige und wenn diese nicht weitergeleitet wird, droht diesen Personen mit einer Anzeige wegen Strafvereitelung im Amt, das hilft fast immer.
Jetzt wisst Ihr auch warum ich auch in anderen Foren Donnervogel heiße !
13. Macht dazu Aufnahmen von den Raupen als Beweismittel. Und schaut Eure Möhren / Dill Pflanzen genau an bei der Ernte, wie oft fand ich Schwalbenschwanz -raupen darauf, die wären verhungert auf dem Komposthaufen. Schaut auch beim Nachbarn darauf, die haben selten was dagegen wenn man es ihnen genau erklärt. Am besten in der prallen Mittagssonne, da kommen die Raupen hoch !
14. Jeder ( fast ) züchtet doch Falter, warum nicht jedes Jahr auch einmal ein paar einheimische Arten und jetzt genau das richtige Biotop suchen und dann frei lassen, jetzt hat die Art doch noch einmal die Möglichkeit es zu schaffen.

Also meine lieben Kollegen und Freunde lasst Euch bloß nicht entmutigen, ich hatte oft großen Erfolg, warum soll ich mich von irgend was einschüchtern lassen sein.
Ganz herzliche Grüße, Glück und Gesundheit Euch allen , Euer Hermann


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