#1

Wasserläufer

in Sonstiges 26.08.2016 01:28
von FairPlayLady | 63 Beiträge | 405 Punkte

hallo zusammen,

mich beschäftigt seit einigen tagen eine frage, zu der ich im www keine antwort bisher fand.
und zwar machte ich an unserem winzigen gartenteich folgende beobachtungen:
dazu kurz eine erklärung: der gartenteich besteht aus einem dieser schwarzen kunstoffteichen, die man in die erde buddelt.
unserer ist ca 40 cm tief an der tiefsten stelle, ca 1 m lang und ca 50cm breit. also: winzig!^^
er ist mittlerweile komplett zugewachsen mit wasserpflanzen und seerosenblättern (eigentlich ist der teich zu klein für eine seerose... ich weiß! ...aber ich wollte unbedingt eine haben!)
von anfang an tummelten sich einige wasserläufer in dem teich, die waren schon da, da war noch nicht eine pflanze drin.
sie haben sich mittlerweile gut vermehrt (genau wie die pflanzen) und sind aber, aufgrund der vielen pflanzen eher zu "blattläufer" geworden!
es gibt so gut wie keine freie stelle mehr, wo sich die wasserläufer auf wasser bewegen können.
also sitzen sie auf den schwimmpflanzen herum und lauern...

und jetzt eine dieser ungewöhnlichen beobachtungen:
eine biene kam angeflogen, liess sich auf einem seerosenblatt nieder und krabbelte an dessen rand, um wasser aufzunehmen.
von hinten näherte sich plötzlich ein wasserläufer (bei einer beobachtung war dieser läufer nur halb so gross, wie seine ausgewachsenen verwandten),
er näherte sich krabbelnd auf dem seerosenblatt. plötzlich sprang er der biene von hinten auf den rücken und dann wieder herunter.
die biene flog nicht weg, sondern krabbelte ein stück zur seite und versuchte laufend dem räuber zu entkommen. doch dieser sprang ein zweitemal auf den rücken der biene. anschließend sah es so aus, als sei die biene irgendwie gelähmt. sie krabbelte im kreis, versuchte gar nicht erst zu fliegen und bekam eine schiefe lage. dann sprang der läufer ein drittes mal und durch diese aktion wurde ein zweiter wasserläufer auf den plan gerufen. dieser kam angelaufen (über die blätter) und sprang ebenfalls die biene an. diese war mittlerweile in eine kleine lücke zwischen den blättern geraten und lag nun im wasser. beim zweiten sprung des zweiten läufers drehte sich die biene auf den rücken. beide wasserläufer fingen nun an, an der biene zu saugen. einige sekunden zuckten noch etwas die beine der biene, dann nach ca. 30 sek. bewegte sie sich gar nicht mehr. ein dritter läufer gesellte sich dann auch noch zur mahlzeit.

nun habe ich, mit heute, diese beobachtung schon dreimal gemacht, dass die wasserläufer über die an dem wasser trinkenden bienen herfallen.
im www fand ich dazu nur, dass die läufer eigentlich sich von toten und lebenden insekten ernähren, die ins wasser gefallen sind.
auch fand ich eine info, dass wenn der teich zu klein wird für alle, dass dann einige wasserläufer davonfliegen und sich neues gewässer suchen.

nun frage ich mich:
können wasserläufer stechen bzw. besitzen sie irgendwie ein lähmendes gift? (dazu finde ich absolut nichts) sie gehören ja zu den wanzen und darunter gibts ja durchaus arten, die sowas haben.
warum greifen sie gesunde, lebende, große und durchaus selbst wehrhafte beute an? mangelt es aufgrund der geringen bis nicht vorhandenen wasseroberfläche an nahrung? warum fliegen sie dann nicht in den nachbarsteich schräg gegenüber? (der sehr groß ist!)
warum starb die biene so schnell? wenn die wasserläufer kein gift besitzen, wieso war die biene so schnell wehrlos und dann tot?
und warum sinds immer bienen? da sitzen auch fliegen und anderes getier, um an den winzigen lücken zwichen den blättern oder an den pfützen auf den blättern zu trinken. doch alle drei beobachtungen waren mit bienen?!

fragen über fragen!^^
vielleicht hat ja jemand von euch auch schon mal solche beobachtungen gemacht (oder auch nicht) und weiß eine oder mehrere antworten!
das wäre super!
ich hoffe jedenfalls nicht, ich hab jetzt da irgend so eine mutierte bienenmörderwasserläuferart in meinem gartenteich unfreiwillig herangezogen...nur weil ich eine seerose wollte...!
für infos, fachwissen oder ideen jeglicher art wäre ich sehr dankbar!

schöne grüße

ute



zuletzt bearbeitet 26.08.2016 01:37 | nach oben springen

#2

RE: Wasserläufer

in Sonstiges 07.12.2016 15:57
von Anthocharis | 467 Beiträge | 3463 Punkte

Hallo Ute und alle anderen,
ums mal aufzufrischen: kennt mittlerweile wer ne Antwort?


Viele Grüße, Joe
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#3

RE: Wasserläufer

in Sonstiges 17.12.2016 23:23
von David27 | 94 Beiträge | 1447 Punkte

Hallo Ute,
Ja es is ein wenig spät aber ich hoffe du kannst trotzdem was damit anfangen...

Wie du richtig erkannt hast sind Wasserläufer Wanzen und besitzen daher die Eigenschaft schmerzhaft stechen zu können^^. Das tun Rückenschwimer auch und das tut ordentlich weh.
Komisch ist es allerdings das sie offenbar ganz gut auf den Blättern zurechtkommen (sonst wären sie nicht mehr da).
Meine Theorie zu den Bienen wäre:
Da Fliegen schneller reagieren werden die Wasserläufer bei Bienen größere Erfolgschancen haben was das Erbeuten betrifft, offenbar macht ihnen die Gefahr durch den Stachel aus irgend einen Grund nichts aus... Warum sie jedoch nicht zum Nachbarsteich wechseln ist mir jedoch auch ein Rätsel...

Ein Video wäre in der Tat sehr hilfreich.
Wie überwintern Wasserläufer eigentlich.

Noch einen schönen Vor-Adventabend,
David


zuletzt bearbeitet 17.12.2016 23:32 | nach oben springen

#4

RE: Wasserläufer

in Sonstiges 18.12.2016 10:52
von Anthocharis | 467 Beiträge | 3463 Punkte

Hallo Ute,
ich habe jetzt auch mal ein wenig recherchiert: Es ist wie du sagts: Wasserläufer ernähren sich von toten oder KLEINEN! lebenden Insekten, ergo normalerweise nicht von lebenden Bienen.
Du hast erzählt, sie jagen eher kollektiv. Ich vermute, dass durch die Begrenzung ihres Lebensraums (in diesem Fall dein Teich, den sie toll finden, obwohl ein größerer in der Nähe ist) neue Verhaltensweisen zutage treten. Vermutlich "lernten" die Wasserläufer gemeinsam zu interagieren. Sie besetzen hier einen untypischen Lebensraum (indem sie zu "Blattläufern" wurden). Ich könnte es mir nur wie folgt erklären: Da die Wasserläufer nicht mehr ausreichend Wasser zur Verfügung haben, jagen sie auf den Blättern. Dies könnte evolutiv veranlagt sein und nur in besonderen Fällen, wie bei dir, auftreten. Dadurch sind sie an diesen neuen Umweltfaktor besser angepasst und können auch die für sie riesigen Bienen erbeuten.

Noch eine Sache zuletzt. Weißt du, ob einige starben bzw. ob die stärksten, flinksten oder schnellsten überlebt haben. Dann würde Darwins survival of the fittest recht gut zutreffen!

P.S.: Wasserläufer können vermutlich nicht "stechen", jedenfalls nicht so, dass es für den Menschen schmerzlich wäre. Für eine Biene indes möglicherweise schon bzw. denke ich wie du, dass sie irgendeine Art lähmendes Gift besitzen. Rückenschwimmer sind keine Wasserläufer, daher ist die Aussage bzgl. des schmerzhaften Stiches unnötig.
P.P.S.: Gibt man bei Google "Wasserläufer Überwinterung" ein, erhält man sofort seine Antwort...
"Der erwachsene Wasserläufer der zweiten Generation überwintert an Land unter Bodenstreu wie Laubhaufen oder Nadelhaufen."
Quelle: www.tierportraet.ch


Viele Grüße, Joe


zuletzt bearbeitet 18.12.2016 11:08 | nach oben springen

#5

RE: Wasserläufer

in Sonstiges 18.12.2016 22:31
von David27 | 94 Beiträge | 1447 Punkte

Hallo nochmal,
Joe, die Aussage mit dem Rückenschwimmer hatte folgende Gründe:
1. Dass die Wasserläufer auch Wanzen sind und somit auch stechen können (Muss ja ned heißen das das für den Menschen gefährlich/schmerzhaft ist.).
Bienen können vermutlich den Stich nicht überleben (wie sonst könnten die WL sie sonst töten). Zudem stechen sie ja zwischen die Segmente was man auch ganz gut beobachten kann wenn sie sterbende Beute anstechen und aussaugen
2. War das eher eine kleine Zwischenwarnung das man die eher nicht anfassen sollte...
3. Es hat keiner gesagt das WL und Rückenschwimmer das selbe sind^^
....

Grüße,
David

PS: Danke für die Recherche Joe



zuletzt bearbeitet 18.12.2016 22:34 | nach oben springen

#6

RE: Wasserläufer

in Sonstiges 19.12.2016 21:01
von FairPlayLady | 63 Beiträge | 405 Punkte

hallo david und joe,

vielen dank, dass ihr auf dieses alte thema geantwortet habt!
irgendeine art von stech/saugrüssel müssen sie ja haben, sonst könnten sie ihre opfer ja nicht aussaugen.
unbedingt herrausfinden, ob sie auch die menschliche haut durchstechen können möchte ich nicht...
@joe: deine theorie finde ich sehr sinnig und durchaus logisch. ich könnte mir vorstellen, dass es so ist wie du schreibst.

zitat: "Noch eine Sache zuletzt. Weißt du, ob einige starben bzw. ob die stärksten, flinksten oder schnellsten überlebt haben. Dann würde Darwins survival of the fittest recht gut zutreffen!"

das kann ich dir beim besten willen nicht beantworten! die sehen für mich alle gleich aus!
ich denke, die größeren sind die weibchen und die kleineren die männchen. wieviele und welche von denen überlebt haben...keine ahnung.
zumindest haben sie in der direkten umgebung des kleinen teichs genügend überwinterungsmöglichkeiten.

ich werde wohl einfach das frühjahr abwarten müssen und wenn im sommer der teich wieder zugewachsen ist, nachschauen, ob sich dieses naturschauspiel nochmal wiederholt. zumindest werde ich öfter danach ausschau und die kamera bereit halten!

vielen dank nochmal euch beiden für eure ideen und recherchen!

schöne grüße

ute


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#7

RE: Wasserläufer

in Sonstiges 20.12.2016 00:50
von steffen1978 | 1.060 Beiträge | 18847 Punkte

kleine Anmerkung:
"Noch eine Sache zuletzt. Weißt du, ob einige starben bzw. ob die stärksten, flinksten oder schnellsten überlebt haben. Dann würde Darwins survival of the fittest recht gut zutreffen!"
Darwin hat das nicht gesagt, es war Spencer! Darwin hat übernommen, was er von anderen gelesen hat. Ob er es nun von Spencer direkt bekam oder von Wallace ist da nicht so wichtig.
Sicher ist mal eines: Diese Theorie ist mega umstritten, und das nicht nur, weil sie von den Nazis massiv missbraucht wurde, sondern weil es schlicht keine Anhaltspunkte gibt, die diese Theorie für richtig ausweist.
Ebenfalls sicher ist eines: Darwin nutze die Theorie, um zu beschreiben, wie sich über hunderte oder tausende Jahre etwas verändert. Utes Wasserläufer werden vermutlich innerhalb eines Jahres keine Evolution im Sinne Darwins hinlegen.
Ich bitte darum, Dinge die womöglich 1000 Jahre alt sind, nicht auf einen einzelnen Gartenteich bei einer einmaligen Beobachtung zu beziehen, denn es könnte(!) sein, dass man sich damit in die Nesseln setzt.
Gruß
Steffen


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