#1

Zuchtprotokoll - Phragmatobia fuliginosa

in Zuchtberichte von Schmetterlingen 30.05.2014 12:39
von Gelöschtes Mitglied
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Zuchtprotokoll


Phragmatobia fuliginosa
(Linnaeus, 1758)
Austria/NÖ/Krems, Wachau, 203m
leg. & det. Michael Frank, 21.04.2014
fem. ex nat.; ca. 9°C, 9:00 Uhr, 1. Gen. 2014
an Wand unter Lampe ruhend

Zuchtzeitraum: 21. April 2014 bis 29. Mai 2014 (Schlupf der letzten Falter)


Das Weibchen konnte am Vormittag des 21.04.2014 um ca. 9:10 Uhr, bei einer Umgebungstemperatur von etwa 8 -9°C, knapp über dem Boden an einer schattigen, nachts beleuchteten Mauer ruhend eingetragen werden. Wetter und Witterungsverhältnisse heiter, und relativ windstill.
Die Eiablage erfolgte noch am selben Tag in einer etwa 20 x 20 x 10 cm Zuchtbox, in der ein kleines Gefäß mit einem Büschel Trifolium pratense und zwei großen Taraxacum officinale Blättern aufgestellt wurde. Das Weibchen begann relativ rasch mit der Ablage an der Unterseite der Blätter. Insgesamt wurden 3 mittlere, einschichtige Gelege angebracht.

Nach erfolgreicher Eiablage wurden die Blatteile mit den Gelegen in ein eigenes kleines Gefäß umgesiedelt, um die Eiraupen beim Schlupf und voraussichtlich bis L3 optimaler versorgen zu können.

Das Weibchen wurde für die Sammlung Frank präpariert, und ist unter der Nr.: 597 archiviert und beschrieben.

Schlupf der Eiraupen – L1:

Bereits in der Nacht vom 24. auf den 25. April 2014 erfolgte der Schlupf der Eiräupchen. Am Abend zuvor wurden, auf Grund der deutlich voranschreitenden Dunkelfärbung der Eier, Blatteile von Taraxacum officinale und Trifolium pratense als Futterpflanzen in die Zuchtboxen eingebracht.
Da Trifolium von den L1 Raupen nicht angenommen wurde, findet die Fütterung vom 2. Tag an ausschließlich mit Taraxacum statt. Dieses Futter wird gerne gefressen, und die Tiere wachsen rasch heran.

Entwicklungsstadium L2:

Die Häutung nach L2 begann in der Nacht zum 1. Mai 2014, und setzte sich am Tage fort. Bereits kurz nach dem Häuten konnten die ersten Fraßspuren an den seit gestern Abend und noch bei der Nachschau am Morgen unberührten Blättern im Zuchtbehälter entdeckt werden. Insgesamt kann festgestellt werden, dass die Entwicklung bisher weitgehend synchron verlaufen ist. Auch lassen sich die L2 leicht durch Ihre deutlich dunklere Färbung und die dichter wirkende Behaarung von den L1-Nachzüglern unterscheiden, was die zeitliche Eingrenzung der Häutungsphase und ihre Beobachtung enorm erleichtert.

Entwicklungsstadium L3:

Bereits am 3.Mai 2014 befanden sich 101 Raupen wieder in Häutungsruhe nach L3. Die Häutung selbst fand in der Nacht zum 04.05.2014 statt, und verlief wieder weitestgehend synchron. Am Vormittag des 4. Mai konnten nur noch wenige L2 Raupen beobachtet werden, und wie schon bei der vorangehenden Häutung, waren die L3 bereits am Vormittag wieder mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt. Insgesamt kann das Wachstum der Raupen als rasch, und die Zucht als unkompliziert bezeichnet werden.

Entwicklungsstadium L4:


Nach 2 Tagen, also am Vormittag des 6. Mai hatten bereits wieder so gut wie alle Raupen die Nahrungsaufnahme eingestellt, und saßen dicht gedrängt in den Ecken und an den Wänden des Zuchtbehälters. Die Häutung nach L4 Konnte ab den Mittagstunden des 7. Mai beobachtet werden.
Beim abendlichen Futterwechsel wurden die Raupen dann in einen größeren Zuchtbehälter umgesetzt, da das rausche Wachstum dies nahelegte. Auch gingen die Tiere unverzüglich nach der Häutung wieder an Futter. Am Morgen des 8. Mai war von den gereichten Taraxacum Blättern so gut wie nichts übrig, und auch während des Tages wurde ununterbrochen Nahrung aufgenommen.

Entwicklungsstadium L5:

Während der Nachtstunden zum 11. Mai häuteten sich die ersten Raupen nach L5. Die Häutung konnte bis in die Abendstunden beobachtet werden, und verlief wie bereits zuvor ohne Komplikationen und Verluste. Bereits in der Folgenacht wurde das gesamte Futter wieder zur Gänze verzehrt. Seit diesem Stadium durchliefen die Raupen einen deutlichen Entwicklungsschub und wuchsen noch deutlich rasanter als bisher. Sämtliches gereichte Futter wird innerhalb weniger Stunden restlos verzehrt, was das mehrmalige Füttern dieser Art pro Tag erforderte.

Verpuppung & Puppenruhe:

Beim Futterwechsel am Abend des 16. Mai konnten die ersten einspinnenden Raupen beobachtet werden. Ein Tier hatte sich bereits ganz in einen leichten Kokon zurückgezogen. Die Raupen waren bis zu einer Größe von etwa 25 bis 30 mm gewachsen und wiesen einen Durchmesser von ca. 0,5 mm auf, als sie begannen sich einzuspinnen. Gleichzeitig konnte ein deutlicher Rückgang der Nahrungsaufnahme festgestellt werden. Am Morgen des 17. Mai war erstmals seit der letzten Häutung noch beinahe das gesamte Futter vorhanden.

Interessant ist, dass bei den Raupen so gut wie keine Wanderphase beobachtet werden konnte. Die Tiere saßen meist nur regungslos im Zuchtbehälter, oder waren mit Fressen beschäftigt.

Gegen Abend des 18. Mai hatten sich dann bereits alle Raupen eingesponnen. Nur eine Raupe war noch nicht im Kokon, diese wies aber am Kopfende einen starken Sekretaustritt auf, weshalb die Raupe entfernt wurde. Dies war bis dahin der Einzige Ausfall in der Zucht. Am 19. Mai wurden die Kokons dann in den Schlupfbehälter verbracht.

Schlupf der Falter:

Der erste Falter, ein Weibchen, schlüpfte am Nachmittag des 25. Mai 2014, nach nur etwa einer Woche Puppenruhe. Am 26. Mai schlüpften dann bis nochmals 15 Tiere. Ebenfalls alles Weibchen. Damit zählt die Puppenruhe der Zimtbären der 2. Generation zu den kürzesten von mir in Zuchten beobachteten überhaupt. Interessant ist jedenfalls, dass auch hier, wie bei bereits bei Vorzuchten beobachtet, ein Geschlecht früher schlüpft als das Andere. Bei P. fuliginosa sind das die Weibchen. Bis einschließlich 29. Mai schlüpften dann auch die restlichen Falter - nach einigen Tagen auch die Männchen. Da sich die Tiere sehr rasch abflogen, und ich keine Kopulation beobachten konnte, wurden alle Falter (bis auf 4 Exemplare) am Abend des 29. Mai freigelassen.

Zusammenfassung:

Die Zucht fand weitestgehend unter den Umweltbedingungen eines geschlossenen Raumes mit zumindest halbtags geöffneten Fenstern statt. Die Temperaturschwankungen waren meist gering, wobei die tiefste Temperatur um etwa 10°C lag (tagsüber – nur jeweils kurz, während einer mehrtägigen Kälteperiode), und die höchste bei etwa 28°C. Die Aufzucht der Raupen fand anfangs in einem kleinen verdeckelten Becher mit fein vergittertem Lüftungsloch oben (bis L2), dann in einer Box von 5 x 5 x 10 cm, und schließlich in einer geschlossenen Acrylbox mit den Maßen von 25 x 25 x 10 cm statt, in die an einer Seite zwei Lüftungslöcher von etwa 1 cm Durchmesser angebracht wurden. Durch das geschlossene System konnte die Luftfeuchtigkeit in den Behältern stets hoch gehalten werden, sodass das Futter meist bis zur Reinigung „frisch“ blieb, und nicht welkte. Um Schimmelbildung vorzubeugen, wurden die Behälter anfangs täglich, ab L5 dann morgens und am Abend gereinigt, und frisches Futter eingebracht. Die Aufzucht der Raupen verlief unkompliziert und beinahe verlustfrei. Nur ein Tier musste aus der Zucht genommen werden, da es stark Flüssigkeit abgab.

Nach dem Einspinnen der Raupen wurden alle Kokons in einen Schlupfbehälter (mit Fliegengitter umkleideter Rahmen; 30 x 18 x 23 cm) verbracht, auf dessen Boden eine etwas 1cm tiefe Schicht feinen Sandes aufgebracht war. Ab diesem Zeitpunkt, bis zum Schlupf, lagerten die Puppen trocken bei oben beschriebenen Raumklima.

Von insgesamt 101 Raupen bei der ersten Zählung (L3), verblieben bis zur Verpuppung 60 Tiere in der Zucht. Die restlichen Raupen wurden in L5 (am 16. Mai 2014) an geeigneter Stelle in freier Natur ausgesetzt.

Zusammengefasst kann von einer leichten, sehr schnellen, und auch für Anfänger geeigneten Zucht gesprochen werden.


Freunde sind Engel die dir auf die Beine helfen, wenn deine Flügel verlernt haben zu fliegen!

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zuletzt bearbeitet 30.05.2014 12:54 | nach oben springen

#2

RE: Zuchtprotokoll - Phragmatobia fuliginosa

in Zuchtberichte von Schmetterlingen 30.05.2014 16:54
von hall | 1.062 Beiträge | 7281 Punkte

Hallo Michael,

bei uns im kühleren Nordtirol hat P. fulignosa nur 1 Generation. Hier überwintern die Raupen im letzten Stadium. Man kann sie ab Ende September überall herumlaufen sehen. Nach der Überwinterung verpuppen sie sich ohne zu fressen ab ca. Anfang April.
Im Oktober 2013 bekam ich einige erwachsene Freilandraupen (2. Generation) aus Italien (Abano Terme.) Bei Zimmertemperatur verpuppten sich ca. 50% noch im gleichen Jahr und die Falter schlüpften noch im Spätherbst. Der Rest der Raupen überwinterte wie bei uns und verpuppten sich erst im Frühjahr 2014.
Die Nachzucht hat ein Problem: Männliche und weibliche Falter lassen sich schwer unterscheiden. Ich sperrte also einige Falter zusammen in der Hoffnung daß ein Pärchen darunter ist. Ich konnte keine Kopula beobachten aber nach einigen Tagen waren eine Menge Eier im Behälter die nach ca. 10 Tagen die Räupchen entließen.

Werner



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#3

RE: Zuchtprotokoll - Phragmatobia fuliginosa

in Zuchtberichte von Schmetterlingen 31.05.2014 11:11
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo Werner,

erstmal herzlichen Dank für dein Feedback! Wie ich oben bereits geschrieben habe, habe ich mir ja 4 Falter behalten, die immer noch im Flugkäfig sitzen. Ich hab sie gestern am Abend gefüttert, und als ich heute morgen nach dem Rechten sah, konnte ich tatsächlich 4 mittelgroße einschichtige Gelege, an Deckel und Wänden entdecken.

Meine Freude war groß, wie du dir sicher vorstellen kannst, denn so wie du habe auch ich zu keiner Zeit eine Kopula beobachten können. Es wäre wirklich interessant wann, und vor allem wie lange die Paarung dauert. Da ich sehr lange wach bin habe ich gestern, und die Tage zuvor immer bis ca. 24 Uhr nachgesehen, ob sich ein Pärchen zusammengefunden hat.

Die Paarung kann dann also nur in den Stunden nach Mitternacht bis zum frühen Morgen stattgefunden haben.

Liebe Grüße
Michael


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