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Gedanken zum Thema Naturschutz

in Umwelt, Natur & Artenschutz 16.03.2012 12:13
von Gelöschtes Mitglied
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Immer häufiger ertönt in letzter Zeit der Ruf nach Zucht-, und Sammelverboten – nicht bedrohter Arten genauso wie bedrohter Arten - sowohl im privaten wie auch im professionellen Bereich. „Naturschützer“ verlangen, den Züchtern und Sammlern das „Handwerk zu legen“, verteufeln sie geradezu!
Die Zerstörung der Lebensräume als primäre Ursache für den Rückgang der Biodiversität und das Sterben der Arten, findet aus „ach so wichtigen“ ökonomischen Überlegungen zu wenig, oder keinerlei Beachtung.
Zwar werden vermehrt Schutzgebiete ausgewiesen, was grundsätzlich zu begrüßen ist, meistens ist dort jedoch jegliche Beobachtung und Befassung mit den vorkommenden Arten unmöglich! Weitreichende Betretungsverbote, und Strafandrohungen für private Forscher und Sammler verhindern jedwede Auseinandersetzung mit der Natur.
Ein Großteil der heranwachsenden Menschen hat heute keinen Bezug mehr zu den Lebewesen in ihrem Umfeld, und hält besonders die Insekten zumindest für entbehrlich, wenn nicht sogar für wertloses Ungeziefer.

Doch….wie soll man etwas lieben, schützen und bewahren, das man nie kennen lernen durfte. Wie kann sich Faszination und Verständnis für die Abläufe wilden Lebens entwickeln, wenn sich das eigene nur noch vor Bildschirmen, in virtuellen Welten, toten Betonlandschaften oder in künstlichen Grünanlagen ohne nennenswerte Biodiversität abspielt?

Ich erinnere mich noch gut an meine Kindheit, als ich im zarten Alter von schätzungsweise 7 – 8 Jahren angefangen habe mich für die bunte Welt der Schmetterlinge und Käfer zu interessieren. Schnell einen Kartoffelsack auf einen Draht gezogen, und fertig war mein erstes Schmetterlingsnetz. Die Jagd konnte beginnen. Meine ersten Falter habe ich dann zu einem Tierpräparator gebracht, der mir das richtige Präparieren und Aufbewahren der Insekten beibrachte und zu dem ich trotz des großen Altersunterschiedes eine tiefe Freundschaft entwickelte. Ja, auch das bringt diese Leidenschaft mit sich – kaum ein anderes Hobby verbindet Menschen so grenzenlos! Einmal angesteckt mit dem „Virus“ Entomologie, begann ich mich richtig für die Insektenwelt zu interessieren. Meine Eltern förderten dass, indem sie mir Insektenkästen, Insektennadeln, Unmengen Literatur zu den Themen Bestimmung, Sammlung, Präparation usw. besorgten, und mit mir „Forschungsexpeditionen“ zu den besten Plätzen unternahmen. Meine erste Insektenbörse besuchte mein Vater mit mir im Alter von 12 Jahren. Mann, war ich fasziniert! Diese Vielfalt! Natürlich habe ich mir dort Puppen und Eier gekauft, und die „Entomologische Zeitschrift mit Insektenbörse“ kennen gelernt. Von da an war die Entomologie fixer Bestandteil meines Lebens – und diese Faszination hat mich bis heute nicht mehr losgelassen!

Warum ich euch diese Geschichte erzähle?? Nun, wäre ich heute ein Kind, und würde ich all diese wunderbaren Erlebnisse auch heute erleben wollen, hätte ich nicht nur das Fehlen vieler Arten die damals noch relativ häufig vorkamen zu beklagen, sondern käme auch mit den „Naturschützern“ und dem Gesetz in Konflikt!
Obwohl – ich habe sicher nicht zum Rückgang der Arten in meiner Umgebung beigetragen! Im Gegenteil! Ich erinnere mich noch ganz genau an jenen Tag, an dem ich das Gespinst der Trauermantelraupen gefunden habe. Ich habe sie mitgenommen, und zu Hause aufgezogen. Ein kleiner Teil der Raupen war parasitiert, diese habe ich entfernt, der Großteil aber entwickelte sich zu prächtigen Faltern, die ich alle, bis auf ein Exemplar für meine Sammlung, in die Freiheit entließ! Die meisten dieser Raupen wären ohne die Zucht parasitiert oder gefressen worden, und hätten es nie bis zum Falter geschafft. So jedoch konnte ich noch Jahre später eine höhere Populationsdichte an Trauermänteln in meiner Umgebung feststellen! Und das ist nur ein Beispiel von vielen! Ich habe, angetrieben von meiner Liebe zu den Insekten, der Natur mit Sicherheit mehr Leben zurückgegeben, als ich ihr entnommen habe. Und ich bin überzeugt, dass ein Großteil jener Hobbyentomologen die heute züchten, oder der Natur ab und zu einmal ein Belegexemplar für ihre Sammlung entnehmen, ebenso handeln und denken!

Naturschutz hat seine Berechtigung, keine Frage, und jedes Habitat das durch Schutzmaßnahmen vor der Zerstörung bewahrt wird, ist ein Beitrag zum Erhalt vieler seltener und vom Aussterben bedrohter Arten! Daran gibt es keinen Zweifel, und ich bin der Erste, der Projekte oder Organisationen bei der Erhaltung von Lebensraum für unsere Tiere unterstützt. Trotzdem bemerke ich die Fehlentwicklungen der letzten Zeit und die zunehmende Hetze gegen Züchter und Privatsammler, die letztendlich - dieser Meinung bin ich – auch den Naturschutzorganisationen selbst das Wasser abgraben wird. Denn niemand, der nicht den freien unbeschwerten Kontakt mit der Natur und seinen Wesen erleben durfte, wird sich dafür begeistern können eben jene zu schützen. Niemand, der nicht einmal zugesehen hat wie sich aus einer Raupe ein wunderschöner Falter entwickelt, wir je begreifen dass Raupen keine hässlichen Würmer sind, sondern die Vorstufe zum Schmetterling. Und letztendlich wird es niemanden mehr geben, der sein Geld spendet um all das zu erhalten! Mit dem Verschwinden der Naturschutzorganisationen schließlich, verschwinden dann auch die letzten Schutzgebiete, um einer übervölkerten Welt Nahrung zu geben. Was dann auf der Strecke bleibt sind nicht nur endlos viele Arten die für immer verloren sind, sondern auch eine entwurzelte Menschheit, die irgendwann an der Entfremdung von ihrem Ursprung zu Grunde geht.

Ein kleines Beispiel gefällig?

Während der Sommermonate sterben auf Österreichs Straßen innerhalb einer Stunde mehr seltene und bedrohte Insekten, als Sammler der Natur je in diesem Land entnommen haben. In Deutschland sieht das mit Sicherheit genauso aus! Straßenverkehr tötet geschützte Tiere – massenweise!
Und werden deshalb jetzt die Autos verboten? Natürlich nicht, das wäre unpopulär, wirtschaftlich schädlich, ökonomisch undurchführbar! Nachvollziehbarerweise will niemand auf sein Auto verzichten „nur“ um ein paar Insekten zu schonen. Stimmung zu machen gegen Züchter und Sammler hingegen, ist nicht nur sehr populär, sondern hilft offenbar auch dabei die eigene Verantwortung abzustreifen, und das durchaus noch manchmal vorhandene „schlechte Gewissen“ zu besänftigen! Wenn also jeder der gegen die freie entomologische Forschung wettert, einen Tag pro Monat auf sein Auto verzichten, und das ersparte Geld für den Erhalt oder die Renaturierung von Lebensräumen spenden würde, könnten viele Arten wahrscheinlich gerettet werden.

Ich möchte mit diesem Beitrag ganz sicher nicht die Autofahrer unter uns denunzieren, oder die Leistung all jener schmälern, die sich für den Erhalt der Natur und seiner Lebewesen einsetzten – im Gegenteil, ich möchte aber gezielt auf einige Fehlentwicklungen im Naturschutz hinweisen. Schließlich leisten wir Züchter und Sammler nicht nur einen unschätzbaren Beitrag zur Erforschung der Entomofauna, sondern tragen auch mit Herz und Leidenschaft zum Schutz und Erhalt vieler kleiner Biotope und mancher bereits fast verschwundener Arten (siehe das Beispiel des Nashornkäfers in Deutschland, der bereits fast völlig verschwunden, aus Zuchtbeständen wieder in seinem Ursprungsgebiet angesiedelt werden konnte) bei.

In diesem Sinne schließe ich meinen Artikel mit einem alten Bibelzitat:

„Wer jedoch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein“

Liebe Grüße
Michael


Selbst der Flügelschlag eines Schmetterlings kann einen Sturm entfachen!


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