#1

Artenschutz

in Schmetterlinge: Diverses 11.04.2017 17:36
von hall | 1.048 Beiträge | 7175 Punkte

Dieser Artikel im Profil von Andreas Haller auf Actias gehört aufs Podest gehoben. Leider wird er die verantwortlichen Personen kaum erreichen.


Leider wurde dieses Hobby - was die Zucht einheimischer Arten anbelangt - durch unser Naturschutzrecht zunehmend "kriminalisiert", selbst wenn man die Tiere wieder in die Natur entlässt, so dass ich mittlerweile auf die Zucht tropischer Arten umgestiegen bin: So ist es beispielsweise unter Strafe gestellt, selbst eine einzige Schwalbenschwanzraupe vom Möhrenbeet im Garten in "Schutzhaft" zu nehmen und aufzuziehen, während das Umgraben desselben Möhrenbeetes selbst dann noch erlaubt ist, wenn darauf hunderte von Schwalbenschwanzraupen sitzen würden! Das verstehe wer will!

Bis auf wenige traurige Ausnahmen, an denen tatsächlich Entomologen ursächlich verantwortlich waren, ist das Artensterben national und global vor allem auf das Schwinden geeigneter Biotope zurückzuführen. Eine aus meiner Sicht "emotional verzerrte" öffentliche Diskussion hat zu einer nicht rationalen Gesetzgebung geführt, die, objektiv betrachtet, dem Artenschutz in den Jahren seit ihrem Bestehen nicht viel gebracht hat. Was wir wirklich bräuchten, wäre eine stärkere Betonung des Biotopschutzes. Denn während Entomologen mit Haftstrafen rechnen müssen, wenn sie auch nur einzelne Exemplare der Natur entnehmen, was in den meisten Fällen speziell bei Präimaginalstadien für die Population nicht spürbar ist, gibt es für Institutionen und Kommunen genügend Möglichkeiten, wichtige Lebensräume und damit komplette Populationen zu vernichten, ohne dafür belangt oder im Vorfeld gestoppt werden zu können. Die unkundige Öffentlichkeit stört das nicht. In ihrer Wahrnehmung werden ja ohnehin meist nur "unnütze" Flächen planiert, verbaut oder abgetragen und damit für die Zivilisation nutzbar gemacht. Beispiele gibt es genügend, von der Ausweisung von Gewerbegebieten in wertvollsten Apollo-Biotopen bis hin zur alljährlichen sommerlichen Arbeitsbeschaffungsmaßnahme der Straßendienste, die kilometerlange Straßenränder und Böschungen samt den hier lebenden Schwalbenschanzraupen niedermähen. Oder das im großen Stil praktizierte Beschneiden von Schlehenhecken in den Wintermonaten, bei dem jährlich hunderttausende von betulae-Eiern vernichtet werden. Wehe aber, wenn an der gleichen Hecke dann im Sommer ein Sammler mit einem Netz, ein für alle Laien erkennbares "Symbol des Bösen", einen einzigen Falter fängt ... Schimpf und Schande sind ihm sicher!

Um sicher zu gehen, dass ich nicht falsch verstanden werde:
Ja, es ist illegal, geschützte Falter der Natur zu entnehmen. Die Strafen dafür können für Einzelpersonen überproportional empfindlich sein, auch dann, wenn sie nicht auf Profit aus sind.
Profitgier muss auch aus meiner Sicht zwingend unterbunden werden, aber eben sowohl bei Entomologen, als auch bei Bauprojekten, etc.

Dramatisch wird jedoch sein, dass auf Grund der Kriminalisierung unseres Hobby sich immer weniger dafür begeistern lassen, immer weniger Art- und Biotopkenntnis vorhanden sein wird und man vielfach wertvolle Lebensräume vernichten wird, einfach weil sie keiner mehr kennt und ihre Bedeutung oder Existenz vergessen wurde. .. Und es wird kein Hahn mehr danach krähen ...


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#2

RE: Artenschutz

in Schmetterlinge: Diverses 11.04.2017 22:53
von David27 | 100 Beiträge | 1477 Punkte

Hallo Werner,
ich denke besser und verständlicher könnte man dieses Problem nicht ansprechen...
Meiner Meinung nach gehören die Naturschutzgesetze mal gründlich überschrieben, besonders bei Lepidoptera und anderen Insekten.

Man kann sogar hier, mitten auf dem Land, merken wie sehr die Artenvielfalt (nicht nur bei Gliederfüßeren sondern eigentlich bei allen Biologischen Familien/Stämmen) schwindet. Wobei man eigentlich behaupten können sollte: "Am Land gibt's eh genug "
Ausweichplätze", im Gegenteil...

Und als Sohn von (nicht biologischen) Landwirten kenne ich beide Seiten und muss sagen das ich heulen könnte...
Auch wenn ich nur 14 Jahre alt bin, merke selbst ich wie stark selbst noch so "banale" Arten wie A. urticae oder A.io immer seltener werden.
Das Schlimme daran ist, dass eben ICH es schon merke obwohl ich im Vergleich mit Anderen noch nicht lange dabei bin.
Jeder der sich meine Beschreibung im Profil durchgelesen hat weis in welcher Beziehung ich zur Natur stehe.

In diesem Sinne,
Nachdenkliche Grüße aus dem (nicht mehr ganz so schönen) Waldviertel

PS: Jeder der sich mit einem Kescher auf eine Wiese traut hat einen Preis für Selbstbewusstsein verdient!


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#3

RE: Artenschutz

in Schmetterlinge: Diverses 12.04.2017 07:36
von hall | 1.048 Beiträge | 7175 Punkte

Hallo David,

gäbe es doch mehr junge Leute wie Du. Leider ist die Masse der Menschen nur einseitig interessiert. Gegen Internet und Co., fragliche Freizeitaktivitäten bleibt die Natur auf der Strecke. Durch die Werbung wird das Konsumverhalten gezielt gesteuert. Alles mit dem Argument der Wirtschaftsförderung und Arbeitsplätzesicherung..
Leider spielen allzuviele Politiker und Bürgermeister hier mit. Es ist z. B. nicht einzusehen daß jede auch noch so kleine Gemeinde ein Gewerbegebiet braucht. Natürlich auf wenig ertragreichem Grundflächen wie Sumpfgebiete, Ödland usw. Es muß nicht unbedingt alles erschlossen werden um der Profitgier einiger weniger
gerecht zu werden. Auch die erschreckende Zersiedelung der Landschaft mit all ihren negativen Begleiterscheinungen sollte eingebremst werden. Ich habe in den letzten 50 Jahren meiner Sammeltätigkeit den massiven Rückgang der Artenvielfalt miterlebt obwohl ich in einer gebirgigen Gegend wohne wo doch sehr viele Lebensräume noch relativ unberührt sind. Mit dem Kescher auf die Wiese zu gehen habe ich schon lange aufgegeben da ich mich nicht ständig mit den Kommentaren unwissender Leute herumschlagen möchte. Genau von solchen Leuten für die unsere schöne Bergwelt mit Seilbahnen, Schipisten, Parkplätzen usw. erschlossen wird.

Viele Grüße von einem pessimistischen Sammler und Züchter
Werner


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#4

RE: Artenschutz

in Schmetterlinge: Diverses 23.07.2017 09:45
von Bigfoot | 14 Beiträge | 70 Punkte

Ich beobachte derzeit hier auch einen Rückgang mancher Schmetterlingsarten. Durch die Klimaerwärmung ist z. B. Aglais urticae hier in meiner Gegend (bei Frankfurt) nahezu verschwunden. Dafür hat N. polychloros hier stark zugenommen


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