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Saturnia spini - Zuchtbericht

in Zuchtberichte von Schmetterlingen 29.01.2017 11:58
von Heiko70 | 1.947 Beiträge | 16169 Punkte

Saturnia spini


Ich beschreibe hier eine ex ovo Zucht von Saturnia spini. Diese Art gilt als schwer zu züchten. Ich selbst hatte mit dieser Zucht meine erste ex ovo Zucht und kann nicht bestätigen, daß die Zucht schwer ist. Wenn man gewisse Richtlinien einhält, geht die Zucht doch recht einfach von statten. Die Kopula dagegen ist doch recht schwer bis gar nicht zu erreichen. Im Gegensatz zu anderen Saturnia Arten.
Auf genaue Zeitangaben von Häutungen werde ich verzichten, da es sich um eine Zimmerzucht handelt und die natürliche Entwicklungszeit somit verfälscht ist.

Im April 2014 erhielt ich 20 Eier dieser Art. Diese wurden in einer kleinen Kunststoffbox gelagert. Im Laufe der nächsten Tage schlüpften 12 Räupchen.



Die L1 Räupchen wurden gleich nach dem Schlupf in kleine Dosen gebracht und leicht besprüht, damit sie trinken konnten. Danach kamen sie in eine Salatbox, in der frische Schlehe war. Die Schlehe wurde täglich gewechselt, da die, noch jungen, Blätter schnell welkten. Die Box hatte am Deckel und auf der Seite Löcher, um einen guten Luftaustausch zu gewährleisten. Spini sollte nicht zu feucht gehalten werden und die Luft muß gut zirkulieren können. Die 12 Raupen saßen in einer Gruppe zusammen und fraßen auch in der Gruppe. In diesem Stadium hatte ich 2 Verluste.

Raupe frisch geschlüpft.


ältere L1 Raupen


Nach ein paar Tagen häuteten sich die Raupen zu L2. Die Häutungen waren relativ synchron. Nach wie vor hielten sie sich in der Gruppe auf und fraßen auch in der Gruppe. Die Haltungsbedingungen waren die Gleichen wie in L1. Täglicher Futterwechsel und ein gut belüfteter Behälter. Die Raupen entwickelten sich prächtig und fraßen sehr gut. In dieser Haut hatte ich einen Verlust. Wie in L1 sind die Tiere tiefschwarz.



Die Häutung zu L3 war ebenfalls absolut synchron. Die Tiere waren stets im gleichen Entwicklungsstadium. Nun brachte ich die 9 übrigen Raupen in einen etwas größeren Behälter. Dieser war ebenfalls sehr luftdurchlässig um keine Staunässe oder stehende, feuchte Luft zu haben. Immernoch fraßen und ruhten die Raupen in der Gruppe. Sie sind noch immer komplett schwarz.



Ab L4 kamen die Tiere in einen luftigen Raupenkasten. Das Futter wurde gewässert angeboten. Der Standort des Raupenkastens war am Südfenster und hatte einige Stunden am Tag volle Sonne. Die Schlehe welkte trotz Wässerung sehr schnell und mußte wieder jeden Tag gewechselt werden. Die Tiere sind immer noch schwarz. Ich konnte nun beobachten, daß sie zwar in der Gruppe ruhten, aber einzeln fraßen. Die Tiere wurden in 2 Behälter aufgeteilt. Einer mit 4 und einer mit 5 Raupen.

Raupengruppe


Einzelne Raupe


Die L5 Raupen änderten sich dann farblich. Die Warzen waren nun gelb oder orange und die Härchen wurden hell, kurz nach der Häutung praktisch weiß. Die Raupen sind prächtig und fraßen sehr viel in dieser Haut. Wie schon zuvor wurden sie im Raupenkasten gehalten. Schlehe gewässert und der Standort war am Südfenster in der Sonne. Die Entwicklung ging sehr gut voran und es traten weder Kranheiten noch Verluste auf. Nun vereinzelten sich die Tiere selbst in der Ruhephase.

Frisch gehäutete L5.


Ältere L5.


Nach fast 2 Wochen, in denen die Raupen viel fraßen und eine Endlänge von 9-10 cm erreichten, begannen die Raupen einen schleimigen, fast flüssigen Kotballen abzugeben. Diese Tiere hatte ich dann sofort isoliert, um die fressenden Tiere nicht mit dem Schleim in Kontakt zu bringen. Die Raupen wanderten recht lange bevor sie einen geeigneten Platz fanden, um sich einzuspinnen. Teilweise vergingen 3 Tage vor dem Einspinnen. Die Kokons wurden grundsätzlich am Boden angebracht und immer wurden Zweige als Gerüst mit einbezogen. Eine Raupe sponn einen Kokon, der mehr einem Vogelnest glich. In diesem Kokon war keine Reuse gesponnen und die Kokonwände waren sehr dicht. Die Puppe hatte ich aus dem Kokon entfernt, sie war gut entwickelt und schlüpfte auch als ordentlicher Falter aus. Ich gab die wandernden Raupen in luftige Behälter mit Zweigen und Blättern. Alle 9 fertigten einen Kokon und verpuppten sich einwandfrei.

"Vogelnestkokon"


Normaler Kokon


Die Puppen gab ich ins Freie, an die Nordseite. Dort lagerten sie den ganzen Sommer, Herbst und Winter. Kein Falter schlüpfte im ersten Frühjahr, alle 9 Puppen überlagen ein Jahr. Eine Puppe trocknete im Sommer aus und die restlichen 8 wurden auf eine zweite Überwinterung vorbereitet. Die gesamte Dauer lagen die Tiere auf der Nordseite.

Puppe im geöffneten Kokon.


Im Frühjahr des 2. Jahres, also 2016, schlüpften dann alle 8 Falter. Der erste im Januar, als ich eine Puppe ins Warme brachte, die Restlichen im Laufe des Aprils. Diese Falter schlüpften unter Freilandbedingungen. Ein Weibchen konnte seine Flügel nicht aufpumpem, alle anderen waren top entwickelt. Eine versuchte Kopula konnte nicht beobachtet werden. Weder unter Freilandbedingungen, noch im Zimmer, am offenen Fenster. Obwohl die Weibchen lockten waren die Männchen nicht zu bewegen, eine Kopula einzugehen.

Januarfalter, Männchen.


Aprilfalter, Männchen



Allgemeines zur Zucht:

Die Raupen schlüpften am 26. April 2014 und die letzte Raupe hat sich am 30. Mai 2014 eingesponnen. Die Raupenzeit betrug somit gerade mal einen Monat. Die Falter schlüpften im April 2016 (Ausnahme der eine "getriebene" Falter im Januar). Die Puppenruhe betrug somit fast 2 Jahre. Mit Eiruhe kann man die gesamte Zuchtdauer also auf 2 Jahre setzen.
Futterpflanze war Schlehe, täglich gewechselt.
Die Tiere wurden in den ersten drei Stadien in Kunststoffbehältern gehalten. Diese standen im Zimmer, nicht in der Sonne. Die Behälter waren mit Löchern in den Seiten und im Deckel versehen, um eine gute Luftzirkulation zu gewährleisten. Die Haltung war stets eher trocken. Das Futter wurde jeden Tag gewechselt und auch der Behälter gereinigt. Die Temperatur war ca. 20-22 Grad.
Verluste traten ausschließlich in den ersten beiden Häuten auf.
Ab L4 hielt ich die Tiere in Gaze bespannten Raupenkästen auf gewässerter Schlehe. Der Standort war nun am Südfenster. Die Kästen bekamen mehrere Stunden am Tag pralle Sonne. Die Temperaturen stiegen bei Sonnenschein auf ca. 30 Grad. Die Tiere hielten sich in der Sonne auf, krabbelten nicht in die Schattenseite des Futters.
Die verpuppungsreifen Raupen kamen einzeln in einen Behälter, den ich mit Küchenrolle ausgelegt hatte. In die Behälter gab ich Zweige mit Blättern. Die Raupen liefen relativ lange umher. Beim Kokonbau wurden stets Zweige mit einbezogen. Die Verpuppung war bei allen 9 Raupen einwandfrei.
Während des zweiten Sommers vertrocknete eine Puppe. Die 8 verbliebenen Puppen schlüpften nach dem zweiten Winter. Die Lagerung der Puppen war in den zwei Jahren immer im Freiland, Wind und Wetter ausgesetzt. Der Puppenbehälter stand nordseitig.
Kopula wurde keine erreicht.

NG Heiko


Leben ist etwas Seltenes, die meisten Menschen existieren nur. (Oscar Wilde)


zuletzt bearbeitet 29.01.2017 16:02 | nach oben springen


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