#1

Kleine Habitate in Eurer Nähe

in Umwelt, Natur & Artenschutz 05.06.2017 02:23
von steffen1978 | 1.151 Beiträge | 28589 Punkte

Hallo zusammen,
ich bin oft in besonderen Gebieten unterwegs und finde dort auch seltene Arten. Das ist schön. Nur besteht die Welt leider nicht nur aus besonderen Habitaten, sondern oft nur noch aus Feldrändern, kleinen Schneisen, Waldwegen usw. Aber auch dort kann man viel sehen! Ich gebe mal ein Beispiel...

1) Abgemähter Weg - viele würden nun schreien warum das sein muss... Ja, das muss sein, denn der Weg liefert fast nur Gras, wenn er nicht gemäht wird. Mit etwas Grasrest und einer hohen Mahd haben alle eine Chance, das Mahd-Gut bleibt dort auch erst mal liegen! Nicht nur jammern, wenn etwas gemäht wird - auch die Chance sehen!


2) So sieht's in einem kleinen Gebiet rechts daneben aus - noch nicht gemäht, auch wenn das noch kommen wird... Meterhoch Gras, dazwischen trockene Stellen mit viel Bunter Kronwicke, Hufeisenklee, Hornklee, Steinklee, Esparsette, Wicken, usw...


3) Auch Wiesenknopf, Fingerkraut, Malven, Rotklee kommen gut vor


4) Kurz danach Wegränder voller Blüten, überwiegend Wicken, Knoblauchrauke, Kronwicken, Osterhoppeltieren, usw...


5) Noch mal der Weg im Detail... wo viel verschiedenes wächst, viel blüht, viele Bäume (hier Eiche, Ahorn, Buche, Schlehe, Weißdorn, Liguster, Weiden, usw) wachsen, da leben Tiere...


6) Zum Teil ist's sehr grasig... Was ich garantieren kann: Einmal durchlaufen sind 5 Zecken... Na dann Prost!


7) Am trocken heißen Bahndamm Mohnblumen, Wiesensalbei, Kornblumen, Rittersporn, Kratzdisteln, Karden, usw...


8) Zwar nicht wichtig für den Hauhechelbläuling, aber auch Hauhechel kommt vor... sogar Thymian und Dost findet man...


9) Trockene ruderale Bereiche bieten ein besonderes Mikroklima. Egal ob Wegerich oder Sauerampfer, alle Pflanzen wachsen in diesen Bereichen etwas "anders" - langsamer, dünner, trockener...


10) Beilfleckwidderchen


11) Kleiner Fuchs


12) Rüsselkäfer


Nun, was gibt's dort? Viel... mehr als ich jetzt auf die Schnelle schreiben kann....

Daher nur ein paar Schlagworte:
Kleines Nachtpfauenauge, Kleespinner, Eichenspinner, Brombeerspinner, Brauner Bär, Rotrandbär.
Tageulen: "mi" und "glyphica", mit Glück ne "tenebrata", dazu deceptoria und luctuosa.

Tagfalter:
Leptidea sp, Colias alfacariensis+hyale, Colias croceus, Pieris sp.
Polyommatus bellargus + icarus, Plebejus argyrognomon, Cupido argiades (eines der besten Vorkommen in Ingolstadt), Aricia agestis.
Papilio machaon.
Tagpfauenauge, kleiner Fuchs, Admiral, Distelfalter.
Blauer Eichenzipfelfalter, Nierenfleck.

Zygaena filipendulae + loti + ephialtes (selten).

Einige Spanner.... und einige Eulen...

*Zeigt doch mal Eure kleinen Habitate in Eurer Umgebung* Es braucht ja nichts gigantisches sein... Insekten gibt's an jeder Hecke und in jeder Wiese.... Leider nicht mehr so viele wie es mal gewesen sein mögen, aber es gibt sie. Ich freue mich auf Eure Bilder!

Viel Spaß beim Bahndämme/Wiesen/Waldwege/Straßenränder/Hecken/usw absuchen :-)
Grüße
Steffen



zuletzt bearbeitet 05.06.2017 02:37 | nach oben springen

#2

RE: Kleine Habitate in Eurer Nähe

in Umwelt, Natur & Artenschutz 05.06.2017 10:02
von Heiko70 | 1.951 Beiträge | 16280 Punkte

Hallo zusammen,

ein schönes Thema hast du da eröffnet und ich schließe mich da gleich mal an.

Es geht in diesem Beitrag um ein Papilio machaon Biotop, welches "unbeabsichtigt", künstlich gebaut wurde. Ja, auch das gibt es.
Bilder bitte anklicken, dann werden sie groß.

Situation:
Die Stadt Straubing hat, nach dem Megahochwasser 2002, die Donaudämme des Landkreises erweitert. Das heißt, sie wurden nach Aussen, vom Fluß weg, versetzt, um dem Fluß die Möglichkeit zu geben, sich auszubreiten, ohne die Gefahr eines Hochwassers zu haben. An den Stellen, die es erlaubten, wurden die Dämme bis zu 100 Meter und mehr versetzt.
Den Bauern wurden Felder abgekauft, die nun im Bereich zwischen Donau und Damm waren. Diese Felder sind jetzt Feuchtwiesen und Auwälder.

Am nackten Damm, wurden Saatmischungen ausgesät. Diese Mischungen wurden von der örtlichen Landschaftspflege erstellt und genau "berechnet", welche Sorten von Gräsern, Blumen und anderen Pflanzen vorkommen sollten.
Diese Ansaat ergab eine wunderbare Magerwiese, die an der Strecke wächst. Mit den Jahren kamen andere Pflanzen dazu, die sich selbst aussäten, bzw. von Vögeln angetragen wurden.

Das Gebiet wird ein paar mal im Jahr von Schäfern begangen. Die Maht erfolgt ausschließlich von Schafen.

Was kam nun dabei raus? Ein, streckenweise, Topbiotop für die verschiedensten Tiere. Insekten, Vögel, Säuger und auch Reptilien und Amphibien. Ob das in diesem Maße beabsichtigt war, wage ich zu bezweifeln.
Der Damm verläuft von West nach Ost, was bedeutet, daß die Südseite ganztags von der Sonne beschienen wird. Da der Damm ja nach oben hin schräg verläuft, hat dies zur Folge, daß Temperaturen am Boden erreicht werden, die man schon als heiß bezeichnen kann, da die Sonnenstrahlen senkrecht auftreffen.
Das Gebiet hat eine Länge von ca. 1,5 km, wobei eine Strecke von ca. 600 Metern der Hotspot ist.



Die Population:

Ich konnte nun in den letzten Jahren beobachten, daß sich hier der Schwalbenschwanz breit macht, mit jährlich zunehmender Populationsdichte. Die Generationen schwanken zwischen 2 und 3 pro Jahr, wobei es meistens 3 sind.
Sehr gut zu beobachten sind auch die verschiedenen Brutweisen im laufenden Jahr.

So werden im Frühjahr, Mitte April, wenn die Tage kurz sind und die Kraft der Sonne noch nicht im vollen Maße erreicht wird, ausschließlich kleine, kümmerliche Möhren belegt. Die Pflanzen sind noch niedrig, die Vegetation wächst noch spärlich und es gibt viele freie Stellen, an denen sich die Sonne anlegt und den Boden aufheizt. Dadurch entsteht ein sehr warmes Mikroklima am Boden. Dies wird von den Weibchen ausgenutzt und sie legen ihre Eier auf Pflanzen, die nahe am Boden sind.




Die zweite Generation, also ab Ende Mai, Anfang Juni, belegt nun den wilden Dill. Das Gras ist dichter geworden, Blumen wachsen hoch und die freien Stellen am Boden sind nun zu. Durch die Kraft der Sonne werden nun schon Temperaturen um die 40 Grad erreicht, was den Tieren die Möglichkeit bietet, Pflanzen zu belegen, die über der Vegetation stehen. In diesem Fall der wilde Dill. Weite Bereiche sind von dieser Pflanze bewachsen. Erst vor ein paar Tagen war ich dort unterwegs und konnte an jeder Dillpflanze Raupen entdecken. Innerhalb einer halben Stunde sah ich über 30 Raupen zwischen L1 und L5. Der Großteil war in L3 und L4. Dabei suchte ich noch nicht mal richtig sondern kuckte nur im Vorbeigehen an die Pflanzen.









Die Generation ab Mitte Juli belegt dann wieder die wilden Möhren und dort dann ausschließlich die Blüten. Gesucht werden Pflanzen, die solitär stehen und klein bleiben. Die Vegetation ist zu dieser Zeit wieder niedrig, da die Pflanzen, vor allem das Gras, durch anhaltende Hitze und Trockenheit verdörren. Dadurch können kleine Möhrenpflanzen wieder nach oben streben.



Die Falterdichte ist oftmals sehr hoch. So kann man an guten Tagen durchaus mal 20-30 Falter sehen, wenn man die Strecke abläuft. Dabei fällt auf, daß ein kleiner Bereich von ca. 600 Metern dichter besiedelt wird als der Rest der Strecke.
Die Flugzeit beginnt vormittags. Zur heißen Mittagszeit ist Flugpause und dann ab ca. 15 Uhr beginnt die zweite Flugphase. Man kann die Falter beim Patroulieren beobachten, wenn die Weibchen nach geeigneten Ablagemöglichkeiten suchen, aber auch die Männchen kann man sehr gut beobachten, wenn sie ihre Reviere verteidigen.
An den vielen Blüten sitzen manchmal mehrere Tiere zusammen beim Saugen.

Männchen im Territorialkampf



Beim Tanken



Erstaunlich ist, daß fast nur die Südseite des Dammes zur Fortpflanzung ausgewählt wird. Auf der Nordseite konnte ich bisher nur sehr wenige Eier und Raupen finden, obwohl die Vegetation die Gleiche ist. Vermutlich liegt es am Mikroklima, was an der sonnenabgewandten Seite wohl kühler sein dürfte, vor Allem wenn das Gras höher steht.

NG Heiko


Leben ist etwas Seltenes, die meisten Menschen existieren nur. (Oscar Wilde)


zuletzt bearbeitet 05.06.2017 18:01 | nach oben springen

#3

RE: Kleine Habitate in Eurer Nähe

in Umwelt, Natur & Artenschutz 28.06.2017 20:12
von crazy collector | 920 Beiträge | 21083 Punkte

Servus,

auch ich war heute in der Umgebung auf Tour, um nach allem möglichen zu schauen was gerade so fliegt.
Auf einem Kalkmagerasen wurde ich dann ganz schnell fündig.



Was ich gleich zu Beginn fand war für mich ein perönliches Highlight und eine Premiere zugleich.

Der große Esparsetten-Bläuling (Polyommatus damon) in einer Häufigkeit wie man es sich nicht vorstellen konnte.






Da war ich zur rechten Zeit am rechten ort. Es flogen aber "nur" Männchen, die Weiber werden wohl später kommen.
Ansonsten gab es noch diverse Widderchen und deren Raupen, wie Zygaena loti und Grünwidderchen.




Des weiteren noch Dickköpfe, Spanner und sonstige Arten.





Schwäbische Grüße, Andy
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