#1

Sterben wir Insektenfreunde aus?

in Umwelt, Natur & Artenschutz 10.11.2014 20:13
von tippletopple | 718 Beiträge | 21973 Punkte

Liebe Freunde!

Eine Studie misst und beschreibt exakt, wie sehr die Anzahl der Leute, die sich intensiv mit der heimischen Tierwelt befassen, in Zukunft sinken wird.
Befürchtet hab ich das schon immer, aber wie drastisch das hier dargestellt wird, gibt einem schon zu denken!

Man kann ruhig die statistischen Dinge überfliegen, die Aussagen sitzen auch so!

[[File:GS 2013 Bericht Erosion Artenkenner End-2.pdf]]

Grüße
Chris


Dateianlage:
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#2

RE: Sterben wir Insektenfreunde aus?

in Umwelt, Natur & Artenschutz 11.11.2014 10:34
von Ovid | 212 Beiträge | 1490 Punkte

Hallo Chris,

danke für diesen hoch interessanten Artikel!
Auf erschreckend schonungslose Art und Weise werden einem hier Fakten vor Augen geführt, die wir alle wahrscheinlich unterbewusst bereits geahnt, aber wohl bewusst verdrängt haben.

Besonders die "Diskussion" ab Kapitel 5 (Seite 59ff) sollten wir uns alle mal genauer durchlesen.

Die Phrase "Umweltschutz geht uns alle an" bekommen schon die Kleinsten im Kindergarten vermittelt - allerdings als inhaltslose Hülle- dort endet der Umweltschutz dann leider meist schon bei der Mülltrennung.

Aber auch meine persönliche Erfahrung aus der (nun doch schon fast ein Vierteljahrhundert zurück liegenden) eigenen Schulzeit im Gymnasium bestätigt bereits den Trend, der sich offenbar verschärft noch fortsetzt:

Zitat
„Lehrer vermitteln im Schulunterricht keine Artenkenntnisse mehr / Schule versagt total / in Schulbüchern früher 20 Arten, heute nur noch eine /
im Gymnasium hatte ich als Note 1,5, aber habe keine 10 Pflanzenarten dort gelernt / Hilferufe von Lehrern, die keine 5 Pilzarten für den Unterricht
bestimmen können / kennen nicht mal mehr Zaunkönig / scheuen Exkursionen im Gelände mangels Artenkenntnis / Lehrer haben Angst, überhaupt
hinauszugehen - wenn Unfall, sind sofort die Eltern mit Rechtsanwalt da / Biologielehrer haben keine Ahnung; aus eigener Praxis der Lehrerausbildung:
lernen in Ausbildung zu wenig und ist im Unterricht nicht mehr gefragt / Lehrer könnten Mentoren sein, wenn Artenkenntnisse da wären / früher der Lehrer als Heimatkundler: Schüler mehr draußen, Unterricht im Freien“



Einiges davon traf bereits zu meiner Schulzeit zu. Und auch mit vielen anderen Argumenten, die in den umrahmten Kästchen aufgelistet werden, kann ich mich und / oder mein Umfeld wieder erkennen.

Da läuft etwas erschreckend verkehrt! Wie kann man die Problematik wieder in das Bewusstsein der Allgemeinheit zurück bringen?

Ich habe während meiner Zeit im Gymnasium in einem "Arbeitskreis Umwelt" mitgemacht, der aus 10 Schülern bestand und immer wieder Aktionen (Ausstellungen, Mitmachexperimente, Ausflüge, Verkauf von Umweltschutzpapier-Schulheften etc.) auf die Beine stellte. Von vielen wurden wir als die "Ökofreaks" belächelt. Aber wir haben uns wenigstens im Rahmen unserer Möglichkeiten engagiert.

Ich bin gewiss kein Hardliner, was Umweltschutz angeht, aber ich bin Mutter einer 4jährigen Tochter und ich trage die Verantwortung für ihre Zukunft mit.
Mir ist es enorm wichtig, dass sie ein möglichst umfangreiches Artenwissen von mir mitbekommt, damit sie versteht und weiß, was es zu schützen und zu bewahren gilt.

Schauen wir uns doch mal selber an: wie geht es denn Euch? Ihr habt neues Zuchtmaterial bekommen und braucht Futterpflanzen, die nicht Löwenzahn, Weide oder Liguster heißen... z.B. Ulme, Erle, Götterbaum... was auch immer.... wie schaut denn sowas eigentlich aus und wo find ich es? Stimmt's nicht?
Diese Situation kennen wir doch sicher fast alle, oder?^^


Da fängt es ja schon an - und das bei uns, die wir uns als Hobbyentomologen bezeichnen.
Wie ist das dann bei denen, für die ein Schmetterling irgend so ein Vieh ist, was halt da so bunt vorbeiflattert....?

Ich denke, bei der "mittelalten" Generation der heute 30-50 jährigen wird sich wohl kaum noch viel ausrichten lassen.
Aber kann man nicht den Kindern und Jugendlichen wieder ein bisschen mehr Umweltbewusstsein nahe bringen?
Und wenn ja, wie?

Ich würde mich freuen, wenn sich hierzu eine Diskussion mit reger Beteiligung entspinnen würde! Vielleicht hat der/die eine oder andere ja bereits Erfahrungen oder zumindest umsetzbare Ideen...?

Viele Grüße,
Tatjana


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#3

RE: Sterben wir Insektenfreunde aus?

in Umwelt, Natur & Artenschutz 11.11.2014 12:52
von annabeth99 (gelöscht)
avatar

Hallo ihr Lieben,

meine Schulzeit ist nun ein paar Jahre her und was den Biologieunterricht angeht, doch sehr durchwachsen.
Ich hatte Lehrer, die eine Amsel nicht von einer Meise unterscheiden konnten - auf der anderen Seite aber auch Lehrer die sehr engagiert zB botanische Kenntnisse versucht haben zu vermitteln. Alles in allem muss ich aber sagen, dass ich den Biologieunterricht immer als recht sinnvoll und lehrreich empfand.
Das fing in der Grundschule schon an mit Heimatkundeunterricht. Es wurde uns beigebracht wie verschiedene Tiere aussehen (und zwar nicht nur Kuh und Schwein), wie verschiedene Getreidesorten heißen und aussehen, wir mussten Laub trocknen und Mappen erstellen, in denen die Bäume beschrieben wurden. Man schickte uns ins Ferienlager, wo es Rallyes durch den Wald und Naturkundeunterricht gab.

Auf dem Gymnasium ging es weiter. Es wurden Kenntnisse zu Vögeln, Lurchen, Kriechtieren, Säugetieren, Insekten und Spinnen vermittelt. In den späteren Jahren mussten wir Pflanzen bestimmen mit dem Rothmaler - der übrigens recht schwer zu lesen ist, wenn man keine Ahnung hat. In der Oberstufe wurde sich dagegen vermehrt mit Zellbiologie, Genetik etc. beschäftigt. Was Sinn macht, denn das vermittelt Kenntnisse, die für manche später im Beruf durchaus nützlich sein können.

Ich kann also nicht sagen, dass die Schule da in irgendeiner Form versagt hat. Gut, ich kann nur von meinen Erfahrungen sprechen und ich hab keine Ahnung ob den Schülern auch jetzt noch diese Kenntnisse vermittelt werden und wie es in anderen Bundesländern oder in Österreich und der Schweiz aussieht. Das Problem ist doch eher, dass es die Schüler nicht interessiert. Mit Artenkenntnis kann man sich nunmal keine goldene Nase verdienen. Es geht doch heut schon frühzeitig darum möglichst effizient und zukunftsgerichtet zu lernen. Das habe ich schon in der Grundschule gemerkt. Dass es außer mich einfach kaum einen interessiert hat. Die Kinder werden von ihren Eltern einfach nicht in diese Richtung geschubst. Vielen Eltern ist es schlicht egal, ob das Kind am Computer sitzt oder in der Natur ist. Und solange die Eltern da nicht aktiv werden und ihren Kindern vermitteln wie wichtig das ist.... kann auch die Schule nicht viel ausrichten. Da sind die Eltern in der Pflicht, nicht die Schule.

Ich sehe es an mir: meine Eltern haben mich frühzeitig mit in die Natur genommen und mir allerlei Tiere gezeigt. Haben mir beigebracht was da für Vögel in unserem Garten wohnen. Haben mir Naturfilme und Bestimmungsbücher gezeigt. Haben mich draußen spielen lassen so lange ich wollte und sich nie beschwert, wenn die Sachen dabei schmutzig wurden. Das kann keine Schule leisten.

Im Nachhinein muss ich sagen: ich hatte Glück. Und ich bin unheimlich dankbar, denn ohne meine Eltern wäre ich heute auch nur ein Durchschnittstrottel, der eine Amsel nicht von einer Meise unterscheiden könnte.

Viele Grüße, Nicole


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#4

RE: Sterben wir Insektenfreunde aus?

in Umwelt, Natur & Artenschutz 11.11.2014 19:57
von steffen1978 | 1.149 Beiträge | 28565 Punkte

Hallo zusammen :)
Ich glaube, dass die Schule nie ersetzen können wird, was Eltern zu leisten vermögen. Auch wenn es heute so ist, dass oft beide Elternteile arbeiten (müssen), kann ein 1-2 stündiger Bio-Unterricht pro Woche nie einen kompletten Tag in der Natur mit naturinteressierten Eltern ersetzen. Ob Bio-Lehrer "gut" oder "schlecht" sind - ob sie Artenkenner sind oder nicht - ist, glaub ich, gar nicht so wichtig. Das Problem mag vielleicht darin liegen, dass das Interesse für Natur oft in jungen Jahren eh vorhanden ist, aber ohne Förderung (durch Leute, die "mitgehen") eben schnell abklingen kann. Ich fand in dem Bericht, den Chris dankenswerterweise hochgeladen hat (TOP), sehr interessant, dass man dort feststellte, dass "Artenkenner-/innen" oftmals mit 13 Jahren oder mit ca 22 Jahren an dieses Thema herangeführt wurden. Ist irgendwie auch logisch, denn dazwischen gibts erfahrungsgemäß ne Zeit, da sind andere Dinge wichtiger^^ Was Chris gestern im Chat zu Recht anmerkte ist, dass die Foren in diesem Bericht nicht erwähnt (oder in Betracht gezogen) wurden. Auch hier wird ja in dieser Hinsicht viel Arbeit geleistet. Ich denke auch, dass man eigentlich nicht beigebracht bekommen kann, wie eine Pflanze oder ein Tier aussieht und wo man sie/es finden kann. Das geht nur draußen - und man muss selber draußen sein. Da denke ich fängt das Problem an... Als ich 12-13 war, ging man raus wann immer es möglich war, weil auf den langweiligen 6 Fernsehprogrammen nix kam und Internet gabs eh nicht, Handy gabs nicht und was sollte man drinnen dann schon machen. Auch heute gehen die jungen raus - zum Baden ins Freibad oder and den schön glatt gemähten See (wenn möglichst keine komischen Tiere und Pflanzen drin rumschwimmen, die eklig sind^^). Manche jungen Leute - grad in der Stadt - haben es auch nicht so einfach wenn sie "in die Natur" möchten... Ich hatte das Glück, dass ich mit dem Rad in ca 35 Minuten zumindest den Truppenübungsplatz erreichen konnte und auch das Esso Gelände greifbar war - seit ich ein Auto habe, ist die Welt ne andere, auch das sollte man nicht vergessen... Was auch noch als - wie ich denke - wichtiger Faktor hinzu kommt, ist, dass Sammeln genau wie Züchten bei vielen Arten verboten ist. Mag sein, dass man die meisten Tagfalter recht locker ohne Sammeln/Züchten bestimmen kann, aber bei den Nachtfaltern wird das schwierig. Ich hab als Kind alles heimgeschleppt was ich finden konnte - Gott sei dank hat das keiner gesehen^^ Naja, ich glaub man kann über dieses Thema ewig schreiben - Fakt ist: Da die Arten eh rapide abnehmen, wird es für die kommenden Artenkenner recht einfach...
Gruß
Steffen



zuletzt bearbeitet 11.11.2014 20:01 | nach oben springen

#5

RE: Sterben wir Insektenfreunde aus?

in Umwelt, Natur & Artenschutz 11.11.2014 20:16
von Heiko70 | 1.948 Beiträge | 16224 Punkte

Hallo,

ich möchte mich auch mal zu Wort melden.

Erstmal danke für den Post Chris und für den Diskussionsanstoß.

Ich geh nun mal von meiner Warte aus. Bei uns in der Schule wurde in Bio, die heimische Natur und deren Bewohner gerade mal angeschnitten. Ich war ja damals schon ein absoluter Naturfreak, auch ohne Schule. Ich könnte jetzt sagen, meine Eltern hätten mich dazu gebracht, mein Vater ist ebenfalls sehr naturverbunden, aber nein, so war es nicht. In mir steckte ein Naturbursche seit eh und je, meine Eltern haben meine Aktivitäten lediglich in höchstem Maße unterstützt. Das taten sie aber bei meinem Bruder auch und der hat mit Natur praktisch nix am Hut.
Ich konnte mit 10 Jahren schon jede Menge Pflanzen und auch Tiere beim Namen, teils sogar beim wissenschaftlichen Namen benennen, weil ich, ganz zum Leidwesen meiner Eltern, die Naturbücher, ob über Pflanzen oder Tiere, regelrecht gefressen hatte. Die Schulbücher ließ ich neben liegen.
Was ich sagen will, ist, daß die Naturverbundenheit schon in der Wiege liegt, was durch Schule und Eltern aber sicher noch verstärkt wird.
Wenn ich nun die heutigen Kinder anseh, hab ja selber welche, die mittlerweile Jugendliche sind, dann ist auch das Interesse da, bei meiner Tochter beispielsweise. Ich muß aber auch feststellen, daß man an manchen Orten, an denen ich früher Käfer und Raupen suchte und fand, heute Häuser stehen oder Naturschutzgebiete sind, zu denen man keinen Zutritt hat.
Bei Mona wurde das Naturinteresse so sehr schnell ausgebremst. Sie hat große Freude mit ihrem Hund und ansonsten nutzt sie die Dinge, die heute von der Jugend genutzt werden, sprich Smart-Phone und i-Pad.
Ich versuche sie immer wieder einzubeziehen, sie schaut auch immer wieder nach meinen Zuchten und freut sich mit mir, aber das war es dann auch schon.

Andererseits ist es aber auch kein Wunder, werden doch heute die Kinder schon dumm angeredet, wenn sie mit Keschern nach Kaulquappen oder Schmetterlingen jagen.

Grüße, Heiko


Leben ist etwas Seltenes, die meisten Menschen existieren nur. (Oscar Wilde)


zuletzt bearbeitet 11.11.2014 20:17 | nach oben springen


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