#1

Es wird immer schlimmer!

in Umwelt, Natur & Artenschutz 16.06.2015 20:56
von tippletopple | 718 Beiträge | 22195 Punkte

Das Bundesamt für Naturschutz in Deutschland legt ersten Artenschutz-Report vor:

Ein Drittel der Arten sind in ihrem Bestand gefährdet
Zu den zentralen Verursachern gehört die intensive Landwirtschaft
Wildnisgebiete und nutzungsfreie Wälder sind für Erhalt der Artenvielfalt unabdingbar

Auszüge aus dem Bericht:

"Der Zustand der Artenvielfalt in Deutschland ist alarmierend, denn ein Drittel der auf Roten Listen erfassten Arten ist im Bestand gefährdet und weitere Arten sind sogar schon ausgestorben..... BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel

Deutschland beherbergt rund 48.000 Tierarten, 9.500 Pflanzen- und 14.400 Pilzarten. In der Roten Liste Deutschlands wurden mehr als 32.000 heimische Tiere, Pflanzen und Pilze hinsichtlich ihrer Gefährdung untersucht. Dabei zeigt sich ein ernüchterndes Bild: Rund 31% wurden als bestandsgefährdet eingestuft, 4% sind bereits ausgestorben.

Von den aktuell untersuchten 11.000 Tierarten sind 30% bestandsgefährdet und 5% ausgestorben. Fast 28% der Wirbeltierarten, die Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere umfassen, sind aktuell bestandsgefährdet. Bei den wirbellosen Tieren, zu denen beispielsweise die Insekten gehören, gelten sogar 45,8% der bislang 6.057 untersuchten Arten und Unterarten als bestandsgefährdet, extrem selten oder bereits ausgestorben.

An vorderster Stelle der Ursachen für die Gefährdung der Arten stehen intensive Formen der Landbewirtschaftung. Weitere wesentliche Gefährdungen liegen in der Forstwirtschaft, Wasserbau und Gewässerunterhaltung, Baumaßnahmen sowie Sport- und Freizeitaktivitäten. Unter den 25 wichtigsten Gefährdungsursachen dominieren damit Maßnahmen, die mit einer Intensivierung der Nutzung von Natur und Landschaft und damit einhergehenden Veränderungen bzw. der Zerstörung der Lebensräume verbunden sind. Aktuell spielt der Klimawandel noch keine große Rolle als Gefährdungsursache.....


Ja liebe Freunde, nun haben wir es mit Zahlen belegt, was wir ohnehin schon längst wissen und immer befürchtet haben.

Und in Österreich ist es nicht viel anders, es wird nur durch die gebirgige Topographie die vorhandene "Wildnis" etwas besser bewahrt, dafür ist aber in besiedelungsfähigen Lagen die Situation noch angespannter als in Deutschland.

Kann man denn wirklich nichts dagegen tun?

Grüße
Chris



zuletzt bearbeitet 16.06.2015 21:06 | nach oben springen

#2

RE: Es wird immer schlimmer!

in Umwelt, Natur & Artenschutz 16.06.2015 22:36
von Heiko70 | 1.951 Beiträge | 16280 Punkte

Servus Chris,

man sollte was dagegen tun, ob man kann, das steht auf einem anderen Blatt.

Warte mal bis wir das Freihandelsabkommen mit den USA unterzeichnet haben, dann wird alles nochmal um nen Ticken schlimmer, dann wird gefrackt was das Zeug hält, um die letzte Rohstoffe aus unserem Schiefergestein zu lösen. Also Chemie in den Boden um Gase auszuschwemmen.

Es wird doch nur geredet und kleine Schutzgebiete werden erstellt, damit das gemeine Volk Ruhe gibt. Diese kleinen Maßnahmen werden dann aber ganz groß dargestellt.

Naja, so lange wir auf unseren Luxus nicht verzichten wollen und so lange wir billigen Strom wollen, so lange wird wohl Raubbau betrieben.

Aber es gibt ja eine schöne Werbung im TV, mit dem Musterehepaar Geiß, die sagen ja, "je mehr du verbrauchst, desto mehr sparst du". Es handelt sich dabei um eine Stromfirma, die mit diesem, mehr als fraglichen, Slogan wirbt.

Heiko


Leben ist etwas Seltenes, die meisten Menschen existieren nur. (Oscar Wilde)


nach oben springen

#3

RE: Es wird immer schlimmer!

in Umwelt, Natur & Artenschutz 17.06.2015 01:15
von steffen1978 | 1.152 Beiträge | 28734 Punkte

Hallo zusammen,
je mehr ich raus gehe (und das ist oft), desto mehr entdecke ich kleine und große Ecken, die davon (intensive Landwirtschaft, permanente Mahd, Düngen mit Dreck usw.) ausgenommen sind - teilweise wenigstens. Es gibt noch Kleinode - ich wünsche mir, dass diese noch 50 Jahre überdauern, dann haben die Menschen endgültig umgedacht oder sich umgebracht^^ Letzteres glaube ich aber nicht. Für mich gibt's eine klare Tendenz zum "Besseren". Ich bin 36 und was in 50 Jahren passiert, werde ich nicht mehr sehen, aber ich hab da so ein Gefühl, dass das, was wir in den nächsten 10 Jahren nicht killen, in 50 Jahren zahlreicher und beständiger sein wird, als heute.
LG
Steffen


nach oben springen

#4

RE: Es wird immer schlimmer!

in Umwelt, Natur & Artenschutz 17.06.2015 07:54
von hall | 1.062 Beiträge | 7281 Punkte

Hallo zusammen,

der Artenschwund wird sich fortsetzen und durch die Überbevölkerung sich noch verstärken. Nur die Wiederstandsfähigsten und Anpassungsfähigsten werden eine gewisse Zeit überleben. Zu dieser Art gehört leider auch der Mensch der der Hauptverursacher dieser Misere ist. Die Menschheit sägt fleißig auf dem Ast auf dem sie sitzt. Das geht so lange bis das ganze System kippt und wir das gleiche Schicksal erleiden wie die Saurier. Danach fängt alles wieder von vorne an.

Ein unverbesserlicher Pessimist
Werner


nach oben springen

#5

RE: Es wird immer schlimmer!

in Umwelt, Natur & Artenschutz 17.06.2015 09:54
von Ovid | 212 Beiträge | 1490 Punkte

Hallo zusammen!

Auch wenn Werner mit seiner düsteren Zukunftsvision gewiss nicht ganz unrecht hat, gefällt mir doch eher die optimistische Sichtweise von Steffen und dieser möchte ich mich darum auch anschließen.

Warum?
Wenn ich nicht der Überzeugung wäre, dass bereits ein "Umdenken" in der breiten Masse der Bevölkerung begonnen hat, hätte ich mich nicht entschieden, ein Kind in diese Welt zu setzen.
Die breite Masse ist es doch, die, wenn sie zusammensteht, die geldgierigen Oligarchen unter Druck setzen und damit etwas bewegen kann.

Wenn wir es nur schaffen, unseren Kindern ein Vorbild zu sein und ihnen genug Selbstvertrauen zu vermitteln, dass sie von sich aus zu der Überzeugung gelangen, dass es sehr wohl Sinn macht, für etwas zu kämpfen, wofür es sich zu kämpfen lohnt, dann ist in meinen Augen der Grundstein für einen Wandel zum Besseren gelegt.

Es ist an uns, nachfolgenden Generationen ein Wertesystem vorzuleben, in dem der Einklang, Schutz und Respekt mit und vor der Natur einen sehr hohen Stellenwert einnehmen.

Dazu muss man sich einfach nur die Zeit nehmen, raus zu gehen und den Kindern die kleinen und großen Wunder da draußen zu zeigen. Damit sie sie wahrnehmen, damit sie sie mit ihrer kindlichen Neugier erforschen und damit sie erkennen, dass es sich hier nicht um "ekliges Ungeziefer oder störendes Unkraut" handelt, sondern um schützenswerte Lebensformen, auf deren Existenz der Mensch so dringend angewiesen ist, dass er ohne nicht existieren könnte.

Die Natur hat in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass sie wahre Überlebenskünstler in Flora und Fauna hervorzubringen im Stande ist.

Sicher werden in 50 Jahren nicht mehr alle heute existenten Arten vorhanden sein, aber es wird genauso sicher auch neue geben - robustere Arten, die sich an die veränderten Lebensbedingungen angepasst haben. Das war schon immer so, seit sich auf unserem blauen Planeten Leben entwickelt hat und das wird immer so sein. Das belegt ja auch die Theorie von Charles Darwin, die die natürliche Selektion und die Gendrift als Säulen der Evolution anführt.

Doch wir können durch unser Verhalten darauf Einfluss nehmen, ob die überdauernden und sich neu entwickelnden Arten eher anspruchslose Omnivoren aus der Sparte "unkaputtbar" wie z.B. die Schaben sein werden oder ob es weiterhin hochspezialisierte Arten mit enormen Habitatansprüchen wie beispielsweise einen Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Glaucopsyche nausithous) geben wird.

Mit Verlaub, lieber Werner: mit Deiner pessimistischen Einstellung ist es um ein Vielfaches schwerer, etwas Entscheidendes zu bewirken. Da brauchts wirklich eine gesunde Portion Optimismus und Hoffnung!

Und ich kaufe Dir den unverbesserlichen Pessimisten auch nicht ab.... denn Du beweist uns täglich mit Deinen beneidenswerten Zuchterfolgen das Gegenteil!
Wärst Du wirklich ein unverbesserlicher Pessimist, dann würdest Du gar nicht erst damit anfangen, zu züchten! Denn eines habe ich in meinem etwas mehr als einem Jahr "Hobby-Entomologen-Dasein" gelernt: Es braucht zum Züchten gaaaanz viel Optimismus - das geht schon damit los, dass man es sich überhaupt erst einmal zutrauen muss!!!

So, und jetzt schaut mal alle ganz tief in die Augen meiner knapp 5jährigen Tochter, dann seht ihr, was ich meine - denn ich finde, dieses Bild sagt viel mehr über meine Ansichten aus als mein ganzes Geschreibsel!



Optimistische Grüße,
Eure Ovid



zuletzt bearbeitet 17.06.2015 09:54 | nach oben springen

#6

RE: Es wird immer schlimmer!

in Umwelt, Natur & Artenschutz 17.06.2015 21:06
von tippletopple | 718 Beiträge | 22195 Punkte

Ich habe weniger Angst vor Geld- und Machtgier (die hat es schon immer und wird es auch immer geben) als vor Dummheit, Unwissen und Desinteresse.

Ersteres wird sich nicht ändern, beim Zweiten habe ich ein kleinen Funken Optimismus: So wie Steffen schreibt, findet langsam ein Umdenken in den Köpfen von manchen statt, da und dort gibt es Stellen, wo geschützt wird, auch wenn sie noch klein sind.
Immer mehr Gemeinden kommen drauf, dass sie etwas Besonderes haben, das es zu bewahren gilt.

Ich bin sicher Steffen, dass du mit 86 Lenzen (vorausgesetzt du rauchst weniger!) mit der Kamera unterwegs sein und sehen wirst, dass einige der fast ausgerotteten Arten sich in Schutzzonen erfangen haben.

Aus meiner persönlichen Lebenserfahrung weiß ich, dass das Pendel immer zurückschlägt. Momentan schauts schlecht aus für die Artenvielfalt. Wenn das Wissen über die dramatische Lage wächst, dann entsteht ein Druck. Und dann schlägt das Pendel zurück, das war immer schon so.
Warum sollte die Landwirtschaft, die eindeutig als Hauptverursacher der Misere dasteht, nicht auch gezwungen werden, gewisse Dinge zu unterlassen? Jedem Betrieb werden Auflagen vorgeschrieben, warum nicht auch den landwirtschaftlichen Betreibern? Düngeverbot oder Mähreduzierung für bestimmte Flächen oder prozentuell, warum nicht?
Es gäbe eine Fülle von kleinen Verbesserungen zu Lebensraumerhaltung, die keinem wirklich weh tun. Wenn die Bürgermeister oder die Gartenbesitzer jene absurde Säuberung von jeglichen Wildpflanzen unterlassen würden, alte Bäume stehen lassen und Totholz nicht nur als Müll betrachten würden, wenn sumpfige Wiesen nicht als Schandfleck in den Augen vieler angesehen würden, dann wäre schon einiges zum Besseren hin geschehen!
Ein Anfang zumindest.
Diesen Druck langsam stärker werden zu lassen, das müssen wir tun. Ganz im Sinne von Ovid, schließlich sind wir das unseren Nachkommen schuldig.

Grüße
Chris



nach oben springen

#7

RE: Es wird immer schlimmer!

in Umwelt, Natur & Artenschutz 18.06.2015 07:17
von hall | 1.062 Beiträge | 7281 Punkte

Hallo Chris,

wie heißt es so schön: "Die Worte hör ich wohl, allein fehlt mir der Glaube".
Es gibt einfach zu viele Egoisten auf unserer schönen Erde und die treiben
Millionen Menschen in die Armut. Diesen bleibt in ihrer Not oft nichts anderes übrig
als viel zu zerstören um überleben zu können.


Werner



zuletzt bearbeitet 18.06.2015 07:17 | nach oben springen

#8

RE: Es wird immer schlimmer!

in Umwelt, Natur & Artenschutz 07.07.2015 00:48
von Schwärmerliebhaber | 62 Beiträge | 379 Punkte

Der Mensch schafft das in Kürze, wofür die Evolution hunderte oder tausende Jahre benötigt. Allerdings ist diese künstliche Evolution nicht von Nachhaltigkeit geprägt, weil sich die Arten nicht mehr an die Gegebenheiten anzupassen vermögen - sie gehen unter. Ich stamme aus einer sehr ländlichen Region zwischen drei Großstädten. Wenn ich den Bestand an Schmetterlingen heute mit dem von vor 30 Jahren vergleiche, so muss ich feststellen, dass viele Arten erheblich dezimiert worden sind. Und das liegt mit ziemlicher Sicherheit an der zunehmenden Zerstückelung von Lebensräumen. Hier ein kleines Wäldchen und dort ein nettes Wieschen - und hernach ein Naturschutzgebiet mit Holzeinschlag und angrenzendem Solarfeld - wäre ich ein Schmetterling, so wanderte ich freiwillig aus - doch wohin? Ich wage die Prognose, dass innerhalb der kommenden hundert Jahre gut die Hälfte aller einheimischen Arten verschwunden sein wird. Dann bleiben zukünftigen Generationen nur noch die Präparate der heutigen Sammler zu Studienzwecken... eigentlich ein eher trauriger Ausblick wie ich finde.



nach oben springen



Besucher
0 Mitglieder und 41 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Clothianidin
Besucherzähler
Heute waren 230 Gäste und 1 Mitglied, gestern 2195 Gäste und 24 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 4151 Themen und 16308 Beiträge.

Heute war 1 Mitglied Online :



disconnected Chat Mitglieder Online 0
Xobor Forum Software von Xobor