#1

Warum das Hobby des Schmetterlinge sammelns Vergangenheit ist...

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 16.08.2015 18:01
von Gelöschtes Mitglied
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Liebe Freunde,

soeben entdeckte ich den über nachfolgenden Link erreichbaren, wirklich ausgezeichneten, englischsprachigen Artikel, der sich in wie ich meine sehr adäquater Art und Weise, mit der Geschichte des Schmetterlinge-Sammelns auseinander setzt!

Es werden hohe Persönlichkeiten genannt, die selbt unserem Hobby fröhnten, und auch auf die Ursachen, warum unsere Leidenschaft zusehend aus den Augen der Öffentlichkeit verschwindet eingegangen!

Was mir besonders gut gefallen hat, ist die kritische Haltung gegenüber der Pauschalaussage, dass Schmetterlinge sammeln unmoralisch sei, und dem Arterhalt schade! Unter Anderem fand ich folgenden Satz in dem Artikel:

" Jede Spinne verbaraucht in ihrem Leben mehr Schmetterlinge, als ein Sammler sammeln könnte...." und "das Sammeln würde auch heute wieder den Kindern den Zugang zur Natur ermöglichen..."

Bitte lest ihn selber, diesen Artikel,...eine echte Empfehlung!!!!

Hier der Link:

http://www.independent.co.uk/environment...w-10448852.html

Liebe Grüße
Michi


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#2

RE: Warum das Hobby des Schmetterlinge sammelns Vergangenheit ist...

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 16.08.2015 19:37
von steffen1978 | 1.139 Beiträge | 27827 Punkte

Hallo Michi,
der Artikel ist absolut lesenswert, bringt er doch einige sehr wesentliche Punkte klar formuliert auf den Punkt:
Die Schmetterlinge werden dramatisch weniger, sowohl was die Individuenanzahl als auch die Artenvielfalt angeht.

Eine Schuldzuweisung wird dort nicht gemacht - was ich gut finde - denn schuld ist da das falsche Wort. Landeigner wollen aus ihrem Land etwas "gewinnbringendes" machen, ideal Bauland, sonst eben Ackerland. Forsteigner wollen Holz gewinnen. Auf den wenigen stadtnahen naturbelassenen Flächen wollen Leute ihre Hunde ausführen, Joggen, Rad fahren, Party feiern, usw... Dazu wollen Leute möglichst nahe Einkaufszentren, billigen Kies, Sand, Torf... Das alles ist nichts was man generell als verwerflich ansehen sollte, denn aus Sichtweise eines Waldeigentümers mag ein schnell wachsender dichter und dunkler Nadelwald eben sinnvoller sein als ein zeitraubender, wenig Ertrag bringender lichter Mittelwald mit langsam wachsenden Bäumen wie Buche/Eiche usw.

Das folgende Zitat aus Deinem Artikel bringt es auf den Punkt:"I look back on it now with a mixture of shame and gratitude. Shame at killing such lovely things, but also thankful that I was able to discover the natural world for myself through my brief passion for Lepidoptera. Through watching them closely, butterflies entered my soul."

In einer Sache möchte ich Dir, Michi, aber ein wenig Paroli bieten: Klar, Spinnen, Wespen, Hornissen und vor allem Vögel fressen eine Unmenge an Insekten. Auch an Autoscheiben enden viele. ABER: Sie suchen ihre Beute nicht nach Seltenheit aus! Wenn eine Meise ein RL 1 Tier frisst, muss sie sich nicht schämen, denn es ist ihr ganz normales Leben, dazu gehört fressen und gefressen werden. Im Durchschnitt fresssen sie eben das was häufig ist. Wenn Menschen sammeln (man sollte ihnen eine höhere Intelligenz als Spinnen und Meisen zutrauen, die schlicht Hunger haben), dann kann das viele Gründe haben. Da man sich bei diesem Thema die Finger verbrennt, lass ich es, es soll jeder selbst wissen was er/sie mit dem Gewissen vereinbaren kann, ich lass mir da auch nicht reinreden. Nur, Märchen erzählen lass ich mir auch nicht.

Ich glaube, das Thema "Sammeln" wird nie enden, dafür werde ich immer wieder dubioseste Argumente lesen können und ich freu mich heute schon drauf. Ganz ehrlich, hier gibts ja eine handvoll Leute, die mich ein wenig kennen. Diese dürften wissen, was ich meine und dass ich nicht gegen das Sammeln bin. Ich bin gegen unverantwortliches/unmoralisches Sammeln, aber das zu erklären dürfte schwer sein. Vielleicht noch ein Nachsatz, denn ich "lernte" anderenorts, dass nur Sammler wirklich Ahnung haben und natürlich alle Daten immer zur Verfügung stellen.... Ich frage mal ohne eine Antwort zu wollen: Geben alle Sammler, die keine Genehmigung dazu haben, tatsächlich alle Daten weiter? Die wenigen, die eine Genehmigung haben, werden das tun, denn sonst ist die futsch, die anderen müssen sich im halb legalen Raum bewegen, was ich nicht gut finde, da einerseits quasi Kinder, die nen geschützen (wenn auch noch so häufigen) Falter fangen, dadurch "kriminalisiert" werden, andererseits aber der totale Mißbrauch auch nur so einzudämmen ist. Stellt Euch mal vor, jedes Kind, dass Fussball gut findet, fände auch Sammeln gut, dann wär das eine Dimension, die sehr wohl den Arterhalt massivst beeinträchtigen würde... Nur ists nicht so - wie auch aus dem Artikel raus kommt, interessiert die Natur viel zu wenige, was dazu führt, dass die Arten aussterben ohne dass sie jemand "weggesammelt hat". Ich versuche das immer differenziert zu sehen (soll bedeuten, ich hab keine Ahnung), aber ich werde eines nie tun: Ich werde nie Leute als unfähige Deppen hinstellen, die sich mit der Natur beschäftigen und dennoch NICHT sammeln.

Unmoralisch finde ich im Übrigen, wenn jemand 300 Raupen einsammelt, diese als sehr selten anpreist, und dann 25 Euro für 15 Raupen verlangt.... da muss jemand noch erwachsen werden...

Beste Grüße
Steffen



zuletzt bearbeitet 16.08.2015 22:15 | nach oben springen

#3

RE: Warum das Hobby des Schmetterlinge sammelns Vergangenheit ist...

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 17.09.2015 17:55
von tippletopple | 715 Beiträge | 20764 Punkte

Lieber Michi und Steffen,

zu den im Artikel genannten prominenten Sammlern wie Churchill und Chamberlain fällt mir noch ein Politiker ein, nicht weil er so bekannt ist wie die beiden, sondern weil er auch als Politiker! Schmetterlinge sammelte, ohne dass dies als merkwürdig empfunden wurde:
Der bedeutendste Wiener Bürgermeister im 19.Jhdt, Cajetan Felder (regulierte die damals sehr wilde Donau, errichtete die Hochquellenwasserleitung und besiegte damit die Cholera, baute das Rathaus...) wanderte zu Fuß nach Skandinavien und in den Nahen Osten, lernte dabei 14 Sprachen und sammelte leidenschaftlich Schmetterlinge. Später nutzte er seine politischen Verbindungen in der ganzen Welt und so kam es, dass er über 1000 Tagfalter!! erstbeschrieben hat (heute ist sein Name in Australien/Ozeanien geläufiger als bei uns). Seine Sammlung bildet neben der von Rothschild ein Kernstück im Museum of Natural History in London.
Seine Publikation über seine Erstbeschreibungen zählt heute zu den schönsten (und teuersten) Schmetterlingsbüchern, die jemals erschienen sind.

Der jetzige langjährige Bürgermeister von Wien ist studierter Biologe, Fachgebiet Amphibien. Von ihm ist mir keine einzige Zeile über irgendeinen Frosch bekannt.
So ändern sich eben die Zeiten. Heute gewinnt man Wählerstimmen, indem man die Haustierbesitzer hätschelt und nicht die, die sich mit "wilden" Tieren abgeben.
Es gibt in Österreich (8 Mio Einwohner) ca 1,3 Mio Katzen, dies wird als normal empfunden, die Beschäftigung von wenigen mit Schmetterlingen wird abschätzig beurteilt.

ich behaupte jetzt einmal ein paar Dinge:

1. Ohne Sammler wüssten wir gar nicht, welche Schmetterlingsarten überhaupt existieren.
2. Ohne Sammler wüssten wir außerdem nicht, welche davon selten bzw bereits ausgestorben sind
3. Ohne Sammler(material) wäre wissenschaftliche Arbeit nur stark eingeschränkt möglich.

Also bitte nicht aufhören zu sammeln!

Grüße
Chris

PS Fotografieren ist weiterhin erlaubt und sogar erwünscht!



zuletzt bearbeitet 17.09.2015 17:56 | nach oben springen

#4

RE: Warum das Hobby des Schmetterlinge sammelns Vergangenheit ist...

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 17.09.2015 19:48
von hall | 1.060 Beiträge | 7257 Punkte

Leider ist gegen Unwissenheit (sprich Dummheit), Egoismus und Gier noch kein Kraut gewachsen.
Erschreckend dabei ist daß sehr viele Menschen in diese Kategorie fallen.

Werner


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#5

RE: Warum das Hobby des Schmetterlinge sammelns Vergangenheit ist...

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 17.09.2015 20:27
von steffen1978 | 1.139 Beiträge | 27827 Punkte

Hallo zusammen,
Was genau bedeutet denn "sammeln"?
Ich kann auf eine Börse gehen, Kästen kaufen, dort angebotene Falter kaufen und damit eine Sammlung anlegen, also "sammeln".
Ich kann mir Eier oder gar Puppen von (exotischen) Zuchtfaltern kaufen, diese ziehen/schlüpfen lassen und präppen und dann in einen Kasten geben, ist auch "sammeln".
Ich kann lokal/global durch die Gegend ziehen und Tiere entnehmen, diese präppen und in eine Sammlung geben, das ist ebenso sammeln.

Nun sehe ich nicht, was daran einen Erkenntnisgewinn bedeuten sollte. Dieser kommt doch in allen Fällen nur dadurch, dass man sich ausgiebig mit den Tieren beschäftigt - sei es durch die Zucht, durch Literatur, durch Betrachtung (hier hat das Präparieren einen riesen Vorteil) und Beobachtung der Tiere sowie deren Eigenschaften und Lebensräume.

Für viele Menschen ist das "sammeln" einfach ein schönes Hobby - für einige eine Passion. Je nach Art des "Sammelns" kann daraus ein Erkenntnisgewinn entstehen, muss aber nicht - und ich vermute mal, so mancher A. atlas oder O. priamus ist in einem Kasten weil es auch im präparierten Zustand noch beeindruckende Tiere sind, nicht mehr und nicht weniger.

In ganz vielen Fällen ist nicht das Konservieren der Tiere der entscheidende Aspekt - ich denke, es ist die intensive Beschäftigung in einer mehr oder weniger geeigneten Art und Weise, die zählt. Die Motivation dazu mag oft auch durch den Sammeltrieb oder die Sammelleidenschaft kommen, aber letztendlich ist das nicht der wesentliche Kern.

Eine Aussage aber denke ich, stimmt ganz sicher: Es beschäftigen sich viel zu wenige Menschen mit Insekten, und ja, Heinz, du hast völlig recht - es geht nicht nur um besonders prächtige Schmetterlinge, es geht um Natur und Lebewesen in jeder Größe/Form/Farbe/Ausprägung.

Wenn ich mal wieder (mehr oder weniger erfolglos) versuche, ein Tier zu bestimmen, nutze ich immer neben Lebendfotos (soweit verfügbar) auch Abbildungen von Präparaten. Manche Details sind eben im natürlichen Ruhezustand nicht oder nicht ausreichend erkennbar. In manchen Bereichen sind jedoch Fotos klar unschlagbar, beispielsweise bei Präimaginalstadien. Selbst wenn jemand ein astreines Raupenpräparat hinbekäme, müsste man zweifelsfrei eingestehen, dass eine gepräppte L2-Raupe sicher keine L3 mehr wird.

Naja, lange Rede kurzer Sinn: Ich kann Euch allen versichern, ob man nun Schmetterlinge "sammelt" oder diese "züchtet" und/oder "fotografiert" ohne diese zu "sammeln", spielt in der Gesellschaft der "normalen Menschen" oft keine große Rolle... Wer dann Nachts auch noch vor eine Lampe sitzt um "Motten" (!?!) anzulocken, der muss eh einen an der Waffel haben. Insekten haben nur eine sehr kleine Lobby. Sie schmecken nicht besonders (vermute ich mal), sie sind - bis auf Bienen/Hummeln - scheinbar nicht allzu nützlich... und manche sind sogar bisweilen eklig (Motten vor allem). Die Tatsache, dass Insekten aber oftmals gleichzeitig auch empfindlichste Bio-Indikatoren sind, die recht schnell verschwinden, wenn sich "Kleinigkeiten" verändern, sehen nur wenige. Das ist schade, aber vielleicht ändert sich das ja irgendwann :-)

Grüße
Steffen


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#6

RE: Warum das Hobby des Schmetterlinge sammelns Vergangenheit ist...

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 18.09.2015 12:55
von tippletopple | 715 Beiträge | 20764 Punkte

Lieber Steff,
ich kenne keinen ernsthaften Sammler (damit schließe ich jene aus, die das nur vorübergehend oder zum Vergnügen mal ausprobieren), der sich nicht ausgiebig mit der zu sammelnden Materie beschäftigt, unabhängig, um welche Materie es sich dabei handeln mag. Für einen echten Sammler "leben" die Objekte, egal ob es sich um fossile Knochen oder Oldtimer handelt. Es ist die Leidenschaft, sie alle möglichst vollständig zusammenzutragen und möglichst alles über sie zu wissen.
Wobei sich das Verhältnis zwischen Zusammentragen und Wissen bei jedem Sammler natürlich unterscheidet, ja auch verändert im Verlauf eines Sammlerlebens.
Zunächst steht sicher das Zusammentragen im Vordergrund und das Wissen im Hintergrund. Das Wissen und auch das daraus resultierende Wissenschaftliche kommt erst im Lauf der Jahre (ich rede hier nicht von hauptberuflichen Entomologen) und manchesmal auch nie. Aber weiß man das, wenn jemand zu Sammeln beginnt?

Grüße
Chris



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#7

RE: Warum das Hobby des Schmetterlinge sammelns Vergangenheit ist...

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 18.09.2015 13:22
von Heiko70 | 1.947 Beiträge | 16169 Punkte

Grüß euch,

wenn ich an meine Anfangszeiten zurück denke, so begann ich damit, Raupen einzutragen, groß zu ziehen und den Falter frei zu lassen. Irgendwann hatte ich mal eine Zucht, die mich stark beschäftigte. Soweit ich mich erinnern kann, war das eine Windenschwärmerraupe, die ich klein fand und groß zog.
Dieses Tier hatte mich, im Gegensatz zu den Vorherigen, sehr in den Bann gezogen und ich wollte es behalten.
Lebendig ging das natürlich nur begrenzt und auch die Schönheit wäre dann nicht von Dauer, somit hab ich dieses Tier präpariert und in einen kleinen, selbstgebauten Kasten gesteckt.
Das Präparat war natürlich unter aller Sau und kurz darauf zerfressen und ausgebleicht, aber der Virus war ab diesem Zeitpunkt in mir.

Ich hatte vorher schon alles an Büchern "gefressen", was ich über Schmetterlinge fand und später dann noch stark vertieft und auch speziellere Literatur gekauft, bzw. von meinen Eltern bekommen.

Jetzt "sammle" ich seit fast 30 Jahren und das Ganze wurde zur Leidenschaft, ja fast schon Sucht. Nicht nur das Sammeln, nein, vor allem die Zucht und die Lebensweise hat es mir angetan. So waren es anfangs die großen, bunten Falter und seit einigen Jahren sind es auch die kleinen, Unscheinbaren, die mich reizen. Gerade weil bei diesen Tieren die Lebensweise und Präimaginalstadien meist nicht, oder nur wenig bekannt sind.

Meine Sammlung besteht seit eben fast 30 Jahren und hat gerade mal 2000 Exponate. Diese Menge präppen einige Sammler in einem Jahr oder noch kürzerer Zeit.
Jeder sieht das Sammeln anders, für mich ist es keine Trophäenjagd, sondern tatsächlich eine Erinnerung an meine vergangenen Zuchten und vor allem auch ein Beweis, was in meiner Nähe, oder direkt in meinem Dorf fliegt. Zusätzlich kann ich auch sehen wann ich züchtete und wie lange eine Zucht dauerte und welche Arten ich nachgezüchtet habe. Rein aus Lust am Sammeln mach ich das nicht, diese Zeiten sind vorbei.
Selbst wenn ich mal Exoten züchte, sammle ich die nicht aus Lust, sondern eben der Erinnerung wegen und des Zuchtnachweises. Ich könnte dazu natürlich auch nur Bilder machen, das stimmt, aber dieses Tier, daß ich in der Sammlung sehe, hat ein gewisses "Leben", wie schon Chris es sagte.
Fertige Präparate nehme ich, um eine Familie zu vervollständigen, dies aber nur ganz selten.

NG Heiko


Leben ist etwas Seltenes, die meisten Menschen existieren nur. (Oscar Wilde)


zuletzt bearbeitet 18.09.2015 16:44 | nach oben springen



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