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Zuchtprotokoll - Smerinthus kindermanni orbata (Grum-Grshimailo, 1890)

in Zuchtberichte von Schmetterlingen 14.06.2017 14:21
von MichaelF | 17 Beiträge | 561 Punkte

Basisdaten

Fundort: Kasachstan, Syr-Darja River Valley, Akkala Village
cult./leg.: leg. Serge Yevdoshenko, fem.ex.nat.: 30.06.2014, cult. ex ovo; M. Frank, NZ: wahrscheinlich F2
Zuchtzeitraum: 27.April 2015 bis 14. April 2016 (Schlupf des letzten Falters)

Die Eiablage erfolgte in der Nacht vom 16. bis 20. April 2015 von einem F1-Weibchen (2. Generation des Vorjahres) das am 14. April 2015 schlüpfte; das Männchen am Tag davor. Die Aufzucht der Elterntiere erfolgte an Salix caprea.
Nach der Übernahme der Eier am 27. April 2015, (18. Stück) wurden diese in einem kleinen Behälter mit Papiereinlage gelagert, und auf den Schlupf vorbereitet.

Entwicklungsstadium L1 | (Dauer: 5 Tage)


Am 30.04.2015 ab 16:00 Uhr begann der Schupf der Eiräupchen. Den Tieren wurde im Gegensatz zur Vorgängergeneration von Beginn an Salix matsudana (Korkenzieher-Weide), von einem trockenen, sonnigen Standort gereicht. Bis zum Abend des 1. Mai waren bis auf 2 Eier alle Eiräupchen geschlüpft. Das Futter wurde gut angenommen.

Beim Futterwechsel am Vormittag des 2. Mai, wurden 3 Räupchen tot aufgefunden. Die Tiere sahen vertrocknet aus, und es muss angenommen werden, dass sie nicht begonnen haben zu fressen. Die beiden übrigen Eier zeigten ebenfalls noch keine Tendenz, Eiräupchen zu entlassen. Von ursprünglich 18 erhaltenen Eiern waren mit oben genanntem Datum somit exakt 13 Raupen in L1 am Leben. Diese Tiere allerdings, waren merklich gewachsen und wirkten gesund.

In der Nacht auf 4. Mai, und bereits am Tag davor konnte keine nennenswerte Nahrungsaufnahme mehr festgestellt werden. Die Tiere saßen in der typischen Sphinxhaltung an Blättern und Wänden des Zuchtbehälters, und bereiteten sich auf die Häutung nach L2 vor.

Entwicklungsstadium L2

Am späten Vormittag des 4. Mai begannen sich die ersten Raupen nach L2 zu häuten. Die Häutung dauerte bis in den frühen Nachmittag an. Kurz nach 16 Uhr waren alle Tiere gehäutet, und die ersten hatten bereits wieder mit der Nahrungsaufnahme begonnen. Insgesamt machten alle Raupen einen gesunden Eindruck.

Bereits am 6. Mai stellten die ersten L2 Tiere die Nahrungsaufnahme erneut ein, um in Häutungsruhe zu gehen. Das Wachstum und die Entwicklung der Raupen in diesem Stadium können als äußerst schnell beschrieben werden.

Entwicklungsstadium L3


Bei der Mittags-Fütterung am 7. Mai, waren schon einige Tiere in L3 und hatten bereits wieder mit der Nahrungsaufnahme begonnen. Am Abend hatten sich alle Tiere gehäutet. Auch diese Häutung verlief ohne Probleme, und alle Tiere setzten die Nahrungsaufnahme unmittelbar fort. Bereits am nächsten Tag konnte ein
merklicher Zuwachs an Körpergröße und Umfang festgestellt werden. Das Wachstum der Raupen setzte sich auch in diesem Stadium unvermindert rasch fort. Am Abend des 9. Mai befanden sich bereits wieder viele Raupen in Häutungsruhe. Die Tiere hatten inzwischen eine durchschnittliche Länge von 25mm erreicht.

Entwicklungsstadium L4

Die erste Raupe häutete sich am späten Vormittag des 10. Mai nach L4. Am späten Nachmittag hatten sich bereits 6 Raupen erfolgreich nach L4 gehäutet. Interessant war, die Tiere beim Verzehr der eigenen Raupenhaut zu beobachten. Erst nachdem diese verzehrt war, wurden wieder Blätter befressen. Gegen Abend hatten sich die meisten Raupen erfolgreich gehäutet, und wurden auf zwei Zuchtbehälter aufgeteilt.

Am 11. Mai wurden alle Raupen wieder in einem gemeinsamen, aber wesentlich größeren, Zuchtbehälter untergebracht. Alle Tiere hatten sich erfolgreich gehäutet, fraßen gut, und setzten ihr rasches Wachstum ungebremst fort.

Inzwischen zeichneten sich auch deutlich zwei Farbvariationen bei den Raupen ab. Die Mehrzahl wies eine blaugrüne Färbung auf, während einige Raupen aber auch gelbgrün gefärbt waren.

Entwicklungsstadium L5

Das erste Tier häutete sich in der Nacht auf den 14. Mai nach L5. Im Laufe des Tages häuteten sich zwei weitere Raupen. Die restlichen befanden sich in den Abendstunden noch in Häutungsruhe. Die älteste Raupe hatte bereits am Nachmittag wieder mit der Nahrungsaufnahme begonnen.

Während der folgenden Nachtstunden häuteten sich nun auch die restlichen Tiere. Nur eine Raupe befand sich am Vormittag des 15. Mai noch in L4. Aber auch dieses Tier stand unmittelbar vor der Häutung. Alle Tiere waren nach wie vor kräftig und gesund, und wirkten äußerst vital. Tags darauf befanden sich alle Raupen in L5. Die unterschiedliche Färbung der einzelnen Tiere war einem hellen, gelbgrünen Farbton gewichen. Die Raupen sahen nun alle gleich aus, und auch in ihrer Entwicklung waren nur unwesentliche Unterschiede erkennbar. In der vergangenen Nacht war zum ersten Mal so gut wie das gesamte Futter verzehrt worden. Nur einzelne Blattreste befanden sich am Morgen noch im Zuchtbehälter. Insgesamt haben die Tiere die Menge der Nahrungsaufnahme beinahe verdoppelt, und wuchsen wie bereits beobachtet mit einer unglaublichen Geschwindigkeit. Mit 16. Mai betrug die durchschnittliche Länge der Raupen ca. 50mm.

Ab dem 19. Mai wurden die Tiere zusätzlich mit Salix caprea (Sal-Weide) gefüttert, da kurzfristig keine weiteren Blätter von Salix matsudana in ausreichender Menge gereicht werden konnten. Dieses für die Raupen bisher unbekannte Futter wurde aber problemlos angenommen.

Ab dem Morgen des 20. Mai begannen einige Raupen mit der Wanderphase. Die Tiere maßen inzwischen gut 70mm und mehr, und zeigten am Rücken eine Verfärbung ins rostrote. Auch stellten diese Tiere die Nahrungsaufnahme ein. Am Abend desselben Tages, wurden die wandernden Tiere in ein Behältnis versetzt, in dem sich eine etwa 5cm hohe Auslage aus frischer Erde befand.

Am Nachmittag des 21. Mai fraß noch eine Raupe, die restlichen Tiere waren bereits in der Wanderphase oder unter die Erde gegangen. Dieses Tier benötigte noch bis zum 24. Mai bis es bis es die Nahrungsaufnahme einstellte, und ebenfalls in die Wanderphase eintrat. Noch am späten Abend desselben Tages grub auch diese Raupe sich ein. Um die bereits in Puppenruhe befindlichen anderen Tiere nicht zu stören, wurde die Raupe in einem eigenen kleinen Behälter untergebracht.

Verpuppung & Puppenruhe

Die erste Verpuppung fand während der Nachtstunden des 23. Auf den 24. Mai statt. Die meisten anderen Tiere folgten in den Stunden danach, und nach einigen Tagen Wartezeit, um das Aushärten der Puppen nicht zu stören, wurden diese am 27. Mai ausgegraben, und in einen Schlupfkäfig verbracht.

In der Nacht auf den 29. Mai verpuppte sich schließlich die letzte Raupe, die nach einem Tag Wartezeit zu den übrigen Puppen in den Schlupfkasten verbracht wurde. Um ein Austrocknen der Tiere an der Luft zu verhindern, wurden die Puppen in regelmäßigen Abständen mit lauwarmem Wasser besprüht, und mit einer Lage Toilettenpapier abgedeckt. Etwa Mitte November wurden die Puppen zur Überwinterung in einem Kübel mit lockerer Erde, und abgedeckt mit trockenem Laub und Gras zur Überwinterung ins Freie gebracht. Am 29. März 2016 wurden 10 Puppen aus dem Überwinterungsbehältnis genommen, und in einen Schlupfkäfig verbracht. Die restlichen 2 Puppen, die im November überwintert wurden, wurden bereits vor etwa 6 Wochen ins Warme geholt, woraufhin eine Puppe nach wenigen Wochen den Falter entließ, die andere zeigte zu diesem Zeitpunkt allerdings noch keine Tendenz zum Schlupf.

Schlupf der Falter

Das erste Tier, ein Weibchen, schlüpfte in den Vormittagsstunden des 3. September. Die Lagerung der Puppen erfolgte bis zu diesem Zeitpunkt bei Zimmertemperatur, allerdings waren die letzten Wochen fast durchwegs von Hitzetagen mit bis zu 35°C gekennzeichnet. Zum Zeitpunkt des Schlupfes betrug die Temperatur des Raumes um die 22°C.

Das zweite Tier, ebenfalls ein Weibchen, schlüpfte am 5. Februar 2016, nachdem die Puppe vor etwa 3 Wochen aus der Überwinterung ins Warme geholt worden war.

In der Nacht auf den 11. April schlüpften weitere 4 Falter, drei Männchen und ein Weibchen. Ein Pärchen wurde zur Nachzucht im Schlupfkäfig belassen, zwei männliche Falter für die Sammlung Frank präpariert.

Ein weiteres Weibchen schlüpfte in der Nacht auf den 12. April. Das Tier wurde für die Sammlung Frank präpariert.

Vier weitere Tiere, ein Weibchen und 3 Männchen, schlüpften in den Morgenstunden des 13. April 2016. Die Tiere wurden zur Weiterzucht in einen Flugkäfig verbracht.

Die vorletzte Puppe dieser Zucht, ein weibliches Tier, schlüpfte am Morgen des 14. April 2016. Dieses Weibchen wurde zusammen mit einem Männchen, welches am Vortag schlüpfte, zur Ergänzung der Sammlung Tony Kingston ins Vereinigte Königreich verschickt.

Zusammenfassung

Ausfälle: 2 Eier nicht geschlüpft, 3 Eiräupchen in L1 vertrocknet. Eine Puppe bei Überwinterung abgestorben. Die von [Danner et. al. (1998, 99 – Herbipoliana, Band 4/1)] beschriebenen hohen Ausfallsraten durch Durchfall bei Fütterung mit schmalblättrigen Salix-Arten können nicht bestätigt werden. Allerdings scheint die Verwendung von Futter aus schattigen und feuchten Standorten den Tieren sehr wohl zu schaden, was zu sehr hohen Ausfallsraten und zum Scheitern der Zucht führen kann [Dünnfelder et. al. (2015)]

Die Falter wurden für die Sammlung Frank präpariert, und sind unter den Nrn.: ♀♀ 812, 833, 838 ♂♂ 836, 837, archiviert.



zuletzt bearbeitet 14.06.2017 14:24 | nach oben springen



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