#1

2016 - Ein schlechtes Falterjahr?

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 27.10.2016 09:22
von Ovid | 210 Beiträge | 1480 Punkte

Hallo zusammen!

Irgendwie war dieses Jahr zumindest in den Habitaten, in denen ich unterwegs war, kein gutes Falterjahr....!

Ich habe mehrfach versucht, an witterungsmäßig eigentlich optimalen Abenden zu ködern.
Es war unfassbar. Da war nichts am Köder! Ich meine wirklich NICHTS.

Wimmelte es vergangenes Jahr zumindest noch vor Pyramideneulen und Hausmuttern, so war dieses Jahr nicht ein einziges Exemplar am Köder.
Selbst die obligatorischen Asseln, Käfer oder Hundertfüßler kamen nur ganz vereinzelt.

Dass es am Köder lag, kann ich ausschließen. Die gleiche Mischung war in den Vorjahren sehr erfolgreich.

Woran lag es dann?

Auch bei den Tagfaltern fand ich es erschreckend, wie wenige Tiere unterwegs waren.
Es gab von vereinzelten Arten ein größeres Aufkommen als im Vorjahr, aber die typischen Tagfaltervertreter waren zum Teil hier fast gar nicht da. Ich habe z.B. bei uns so gut wie keine Kleinen Füchse und auch nur ganz wenige Admirale gesehen.

Weißlinge gab es mehr, das kam mir aber vermutlich auch nur so viel vor, weil kaum was anderes flog.

Vielleicht war es ein besonders gutes Jahr für Parasiten gewesen?


Meine Hoffnung auf das kommende Jahr ist jedenfalls gedämpft, denn woher soll denn eine Faltervielfalt plötzlich kommen, wenn in diesem Jahr kaum etwas unterwegs war.

Es muss aber Regionen gegeben haben, wo es ein besseres Falterjahr war. So soll es ja die Kleinen Füchse z.B. recht zahlreich in NRW gegeben haben.

Wie waren Eure Erfahrungen in diesem Jahr?

* Flog bei Euch auch merklich weniger oder war es "normal"?
* Falls weniger flog - was vermutet Ihr, woran es lag?
* Gab es Massenvorkommen bestimmter Arten?
* Falls ja, welche?
* Was war sonst auffällig / anders?

Ich würde mich sehr über zahlreiche Rückmeldungen aus allen möglichen Regionen und eine angeregte Diskussion über mögliche Ursachen freuen!

Viele Grüße,
Ovid


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#2

RE: 2016 - Ein schlechtes Falterjahr?

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 27.10.2016 10:51
von Manfred | 755 Beiträge | 25023 Punkte

Hallo Tatjana,

erst einmal danke für deinen schönen Bericht.

In unserer Region NRW war das Jahr auch nicht so wie das letzte Jahr. Nur vereinzelte Arten waren häufiger, so der Kleine Fuchs und einige Nachtfalter, wie Tiliacea aurago und Thera juniperata. Weißlinge gab es weniger als in den letzten Jahren. Am Köder war es auch sehr ruhig, nur vereinzelte Falter.

In Spanien habe ich kaum Schwankungen bemerkt. Zur gleichen Zeit am selben Ort war die Artenvielfalt ähnlich wie im letzten Jahr. Bei einigen Arten waren die Exemplare häufiger, von anderen Arten flogen weniger Falter.

LG Manni



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#3

RE: 2016 - Ein schlechtes Falterjahr?

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 27.10.2016 12:02
von Ovid | 210 Beiträge | 1480 Punkte

Hallo Manni,

danke für Deine prompte Rückmeldung!
Hast Du eine Idee, woran es gelegen haben könnte?

War das Wetter schuld?

Die Zusammenfassung und der Vergleich sagen:
Viel Regen und viele Unwetter zu Beginn des Sommers im Juni und anschließend unbeständig, aber dennoch im Mittelwert einer der wärmsten Sommer der vergangenen 20 Jahre.

Quelle: Wetteronline

Laut Bilanz des Deutschen Wetterdienstes hattet Ihr in NRW die sonnenärmste Gegend:

Zitat
Nordrhein-Westfalen:
Nordrhein-Westfalen kam im Sommer auf 17,7 °C (16,3 °C), etwa 245 l/m² (240 l/m²) und als sonnenscheinärmstes Bundesland auf nur rund 545 Stunden (554 Stunden). Wiederholt schwere Gewitter, die in Hamminkeln-Mühlenrott am Niederrhein 120,3 l/m² brachten, führten am 1. Juni zu großen Überflutungen.



Bayern war Spitzenreiter beim Niederschlag:

Zitat
Bayern:
Bayern war mit 17,4 °C (15,9 °C) das zweitkühlste und mit fast 310 l/m² (314 l/m²) das niederschlagsreichste Bundesland. Die Sonne schien mehr als 635 Stunden (623 Stunden). Nürnberg-Netzstall meldete am 11. August mit 1,3 °C die niedrigste Temperatur in diesem Sommer. Gewittriger Dauerregen führte am 1. und 2. Juni in Simbach, im Landkreis Rottal-Inn, zu einer Niederschlagsmenge von über 180 l/m² in 48 Stunden. Es entstanden gewaltige Überschwemmungen, die zahlreiche Häuser zerstörten und sogar sieben Menschen das Leben kosteten. Der bundesweit meiste Regen im Sommer fiel am unmittelbaren nördlichen Alpenrand mit bis zu 700 l/m².



Welchen Einfluss könnte das gehabt haben?
Wie sind aufgrund dessen die Aussichten für 2017?

Ich würde mich über weitere Rückmeldungen sehr freuen!

Viele Grüße,
Ovid



zuletzt bearbeitet 27.10.2016 12:03 | nach oben springen

#4

RE: 2016 - Ein schlechtes Falterjahr?

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 27.10.2016 13:48
von tippletopple | 683 Beiträge | 16818 Punkte

Liebe Ovid,

interessanter Beitrag!

Die Ursache für dieses wohl mißlungene Schmetterlingsjahr 2016 ist in der ersten Jahreshälfte zu suchen. Dort gab es Hagel (alle meine Obstbäume bis auf einen waren gerade in der Blüte), Ergebnis: die Blätter mussten erst wieder aus Nebenknospen austreiben.
Dann im Mai, als die Blätter so richtig saftig waren, kam der Frost. Satte grüne Eichenwälder wurden plötzlich über Nacht zu schwarzen Ruinen, Buche, Kastanie, Nuss etc ebenso. Es sah gespenstisch aus in den Wäldern und es gab bis in den Juni hinein praktisch kein Futter für die Raupen. Auf Eiche und Buche fressen sehr viele Arten!
Dann der Juni- eine Katastrophe! Nur Regen, Regen, Regen.... überall Rekordmengen!
Noch nicht genug! Der Juli war saukalt, ich hab sogar einmal die Heizung aufgedreht.
Da nützt dann die lange schöne Spätsommerperiode danach auch nichts mehr, 6 Wochen durchgehend warmes Sonnenwetter im August/September hatten wir schon lange nicht mehr. Die hebt natürlich den Jahresdurchschnitt, was Wärme betrifft, wieder an. Aber für unsere Schmetterlinge war es zu diesem Zeitpunkt bereits gelaufen.
Also aus meiner Sicht: ein Drittel der üblichen Menge und Arten (wenns hochkommt) ist durchgekommen, der Rest im Frühsommer draufgegangen.
Leider

Grüße
Chris



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#5

RE: 2016 - Ein schlechtes Falterjahr?

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 27.10.2016 16:40
von Anthocharis | 467 Beiträge | 3463 Punkte

Hallo zusammen,
ich stimme Chris weitgehend zu!
Auch hier war das Frühjahr und der Frühsommer sehr verregnet, dazu kamen die ganzen Unwetter.
Dementsprechend spät kamen die ersten Falter hervor.

Urticae und io sind im Frühjahr jedes Jahr, so auch dieses, die häufigsten Arten. Wenig später kamen die levana, sie sind der absolute Gewinner des Jahres, so viele levana f. prorsa wie dieses Jahr sah ich noch nie. Bläulinge und Weißlinge flogen wie im letzten Jahr auch. Auch die üblichen Verdächtigen (rhamni, c-album, aegeria...) flogen in gewohnter Anzahl. Cardamines erschien mit rund einem Monat Verspätung Anfang Mai, sorgte aber für reichlich Nachwuchs. Wie jedes Jahr sind jurtina und hyperantus im Sommer die dominierenden Arten, was sicherlich an der Lebensweise in der Wiese liegt.
Schlecht erwischt hat es den Admiral, ich fand ausschließlich parasitierte Raupen (5 im Spätsommer) und rund ein Dutzend Falter, ebenfalls im Spätsommer. Dafür gab es massig cardui, 40 innerhalb von zwei Tagen, im Mai. Normalerweise ist das die Jahresanzahl.
Du führst an, dass Parasiten ein gutes Jahr gehabt haben. Ich würde sagen jain. Zum einen profitierten sie natürlich von der geringen Individuenzahl. Andererseits hatten auch sie mit dem schlechten Start zu kämpfen.
Wespen (zwar keine Parasiten, aber als Vergleich sicher ok) gab es dieses Jahr so wenige wie lange nicht. Durch den vielen Regen soffen die Erdnester regelrecht ab, aber auch sie erhielten einen enormen Schub im Spätsommer. Ich beobachte seit September ein Wespennest, ich dachte es wäre längst vorbei, aber wenn ich nun spazieren gehe (auf der neuen mannii Wiese) finde ich täglich mehrere Dutzend Arbeiterinnen.

Darüber hinaus durfte ich zwei neue Arten verzeichnen.
Cupido argiades und Pieris mannii!

Auch am Licht war ordentlich was los.

Alles in allem kann man festhalten, dass der Spätsommer (wir hatten hier 8 Wochen keinen Regen) die Populationen nochmal etwas stabilisierte. Hinten raus normalisierte es sich wieder, dementsprechend optimistisch freue ich mich auf das nächste Jahr!

P.S.: Deine Wetteraufführung zu NRW ist nur der Durchschnitt, wir bewegten uns in der Trockenperiode bei 25-35°C und sicherlich bis zu 10/11h Sonne täglich!


Viele Grüße, Joe


zuletzt bearbeitet 04.12.2016 12:04 | nach oben springen

#6

RE: 2016 - Ein schlechtes Falterjahr?

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 27.10.2016 20:55
von steffen1978 | 1.060 Beiträge | 18847 Punkte

Hallo zusammen,
Diese Diskussion wird ja an einigen Stellen geführt und es wundert mich, wie unterschiedlich die Aussagen hinsichtlich "einzelner Arten" doch ausfallen können! Was ich jedenfalls dabei zu lernen glaube, ist, dass integrale Wetterdaten wenig bringen, denn ob es 2 Wochen trüber Nieselregen ist, oder zwei Tage Dauerregen, mag eine identische Niederschlagsmenge ergeben, aber die Wirkung ist ne völlig andere. So verhält es sich auch mit Durchschnittstemperaturen. Im Durchschnitt mittle ich alles, Tag/Nacht/super heiß/immer halbwarm. Die daraus zu gewinnende Aussage ist für Schmetterlinge offenbar wenig relevant. Wie andere ja bereits schrieben, kann ein einziger kräftiger (5 minütiger!) Hagelschauer oder eine einzige viel zu kalte Nacht genügen - und diese fallen im Mittel ggf. ja nicht mal auf!

Es ist immer auch ein persönliches Empfinden dabei, denn wenn man nur am Wochenende raus gehen kann und dann grad am Wochenende das Wetter übel ist, sieht man in Summe natürlich weniger.... 2015 war ein optimales Wochenende-Jahr, denn viele Wochenenden waren wesentlich falter-optimaler als in 2016. Mein "Empfinden" zu diesem Jahr (im Vergleich zum letzten) lautet wie folgt:

Tagfalter: In Summe weniger, Flugzeit in Einzelfällen 1-3 Wochen später, im Frühjahr insgesamt eher mau. Aber nicht alle Arten waren rar, es gab einige, die waren super vertreten (P. coridon habe ich gute 550 Tiere als Imago notiert!), andere waren vergleichsweise selten. Hängt natürlich davon ab, wo man zählen gehht, daher sind Daten eh nur von relativem Wert...

Nachtfalter: Ich hatte 100 Arten Eulen im Stadtgarten am Licht, dazu kommen Spinner, Spanner, Schwärmer, Kleinschmetterlinge.... Eigentlich für Ingolstadt nicht schlecht. Aber: die Anzahl war im Vergleich zum Vorjahr teilweise extrem mager! Die häufigste war A. exclamationis mit 129 Tieren im gesamten Jahr...

Licht war also bei mir artenmäßig ok, anzahlmäßig sehr mau. Einen Abend, der hektisch wurde (wie letztes Jahr nicht unüblich) gab es nicht. Noch trostloser war Ködern... Im letzten Jahr musste ich mich oft schnell entscheiden, welche Art ich für ein Foto eindose. Dieses Jahr haben sich nur ca 10 Falter überhaupt an den Köder getraut. Wohl gemerkt: Selber Ort, selbe Zeit, selber Köder...

Dennoch sah ich Arten (vor allem am Licht) zum ersten mal. Kann sein, dass ich sie davor einfach ignoriert habe, denn wenn da 20 Hausmuttern und 3-4 Schwärmer ums Licht segeln, dann haben andere weder die Ruhe sich zu setzen noch nimmt man sie im Getümmel überhaupt wahr.... Dieses "Problem" hatte ich in 2016 sicher nicht, da war genug Zeit sich alles in Ruhe anzusehen :-(

Ich habe einige Vermutungen, die aber zum Teil recht widersprüchlich ausfallen, daher bin ich noch unentschlossen...
1) Der Sommer in 2015 war ne Granate - bei mir im Durchschnitt 4(!) Grad wärmer was die Tagshöchsttemperaturen angeht als 2016. Nur hat das auch möglicherweise Opfer gekostet. Die Bäume hatten teilweise schon im August kein Laub mehr. Einen goldenen Herbst gab es teilweise nicht, das war schon davor verbrannt/vertrocknet/abgefallen. Die lange Trockenheit in 2015 und die Hitze im Spätsommer haben sicher auch Arten nciht gut abgekonnt...
2) Das Frühjahr in 2016 war oft kühl und regenreich. Das hat viele Tiere in der Entwicklung zurückgeworfen oder gar derb geschadet. Teilweise waren Einzelevents wie Hagel oder sehr kalte Nächte vorhanden, die so in 2015 bei mir nicht auftraten.
3) Juni/Juli ... omg... ok, es gab gute Tage, aber es war viel feuchter und weniger sonnenreich als in 2015.
4) Dieses Jahr ist vieles grün gebieben - der Hopfen wurde gut geerntet, es gab wenigstens einige Pilze zu finden, der Spargel war mies. Letztes Jahr war der Hopfen kurz vorm abnippeln, Pilze waren rar aber der Spargel super. Auch wenn sich beide Jahre in Mittelwerten nicht viel unterscheiden (habe Tages- und Nachttemperaturen für beide Jahre TAGEWEISE eben verglichen - da sieht man nen heftigen Unterschied!) sind beide Jahre völlig unterschiedlich -bei mir zumindest- verlaufen.

Was nächstes Jahr kommen wird ist schwer zu sagen. Manche Leute sagen ja, dass aus starken Raupenjahren schlechte Falterjahr werden und umgekehrt. Was die Schillerfalter angeht, müsste ich dann ja optimistisch sein - da gabs weder Raupen noch Falter (es gab sie, aber wenig...).

Anbei noch die 10 Tagfalter (es zählen nur Imagos - keine Raupen oder Eier), die ich am häufigsten fand:
rhamni (214), agestis (246), icarus (284), bellargus (340), idas (380), hyale/alfacariensis (453), coridon (553), pamphilus (705), galathea (853), jurtina (866).

Verlierer unter den Tagfaltern in diesem Jahr sind: croceus (2), camilla (5), urticae (51), medusa (72).

Gruß
Steffen

P.S.: Es hängt natürlich stark davon ab, wo man zählen geht.... Absolute Zahlen sind daher wenig wert.



zuletzt bearbeitet 27.10.2016 20:57 | nach oben springen

#7

RE: 2016 - Ein schlechtes Falterjahr?

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 28.10.2016 18:21
von Heiko70 | 1.875 Beiträge | 15230 Punkte

Hallo zusammen,

hier im Straubinger Raum, Niederbayern, war es sehr durchwachsen. Das Frühjahr war kalt und verregnet, dann auch noch Hagel und Frost im Frühsommer und dann wieder Dauerregen. Ähnlich wie bei Chris.
Die Falterpopulationen hatten gar keine Chance, sich wie üblich zu entwickeln. Was zur Folge hatte, daß die Schmetterlinge sehr rar waren und zwar in allen heimischen Arten.
Was allerdings sehr auffällig war, die Wanderfalter waren dieses Jahr in unseren Breiten schon häufig anzutreffen. V. atalanta in einer Häufigkeit, wie ich sie so ned kenn. V. cardui auch wiedermal gut vertreten, nachdem die letzten Jahre bei dieser Art schwach waren.C. croceus war dann im Spätsommer da, die jedoch nicht mehr oder weniger wie sonst.
A. convolvuli war auch extrem vertreten. Allerdings fand ich da zum Großteil totgefahrene Raupen. Das tollste Ereignis dieses Jahr war ein A. atropos Weibchen, welches an meiner Hausmauer saß. Erstmalig hab ich dieses Tier in der Natur gefunden.

Eine Prognose für nächstes Jahr ist schwer zu sagen, aber ich denke die Populationen erholen sich wieder, sofern das Klima nicht wieder so verrückt spielt.

NG Heiko


Leben ist etwas Seltenes, die meisten Menschen existieren nur. (Oscar Wilde)


zuletzt bearbeitet 28.10.2016 18:21 | nach oben springen

#8

RE: 2016 - Ein schlechtes Falterjahr?

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 31.10.2016 10:16
von crazy collector | 848 Beiträge | 13977 Punkte

Servus,

ja auch bei mir wars dieses jahr etwas durcheinader. Das lange kalte Frühjahr hatte auch ein paar gute Tage, an denen
z.B. Aglia tau so zahlreich war wie selten in den letzten Jahren. Auch Admirale waren schon sehr zeitig und in größerer Anzahl zu sehen als sonst üblich.

Dafür gings anderen Tagfaltern wie dem kleinen Fuchs, Tagpfauenauge und sogar den Weißlingen recht schlecht was ihre Anzahl betraf.
Lichtfänge in der Nacht waren ebenfalls sehr übersichtlich. Dennoch hatte ich dieses Jahr Arten am Licht, die ich zuvor noch nie hier gesehen
hatte, was mich natürlich unheimlich freut.

Auch das Ködern, welches letztes Jahr bei wie eine Bombe einschlug und Massen an Faltern, darunter dutzende kleine und große Weinschwärmer
in der Dämmerung anzog, viel dieses Jahr total ins Wasser. Es gab sporadisch mal ne Hausmutter oder Pyramideneule. Ordensbänder wie
das Rote oder gar Eichenkarmine wie letztes Jahr waren vergebens zu suchen.

Im Spätsommer schaute ich mir noch Gebiete mit dem Vorkommen der Berghexe an, und ich muss sagen das es dieses Jahr ungewöhlich viele davon gab.
Neben diesen flogen auch noch coridon und carniolica in Massen wie ich sie noch nie sah, aber auch nur an ganz bestimmten Stellen.

Bleibt also nur zu hoffen dass sich nächstes Jahr wieder alles etwas normalisiert und die Wetterkapriolen sich im zaum halten.
Doch wir wissen alle das die Klimaveränderungen unaufhaltsam sind und uns noch weitere Jahre bringen werden, in denen allles hoch und runter geht.


Schwäbische Grüße, Andy
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#9

RE: 2016 - Ein schlechtes Falterjahr?

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 31.10.2016 17:27
von tippletopple | 683 Beiträge | 16818 Punkte

Landkärtchen waren heuer wirklich massenweise unterwegs:



Grüße
Chris



zuletzt bearbeitet 31.10.2016 17:48 | nach oben springen

#10

RE: 2016 - Ein schlechtes Falterjahr?

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 31.10.2016 19:02
von Anthocharis | 467 Beiträge | 3463 Punkte

Hallo Chris,
ja, so gut, dass mir folgende Bilder gelangen :)





Beide Fotos in SH, Rendsburg-Eckernförde, Juli/August, also auch hier wieder prorsa!

P.S.: Ich mag solche Fotos, wo Lepis auf der Hand sitzen, aber fotografier das mal einhändig...

P.P.S.: Kann es sein, dass levana von Schlechtwetterperioden "gestärkt/bevorteilt" wird. Als feuchteliebende Art...


Viele Grüße, Joe


zuletzt bearbeitet 31.10.2016 19:07 | nach oben springen

#11

RE: 2016 - Ein schlechtes Falterjahr?

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 01.11.2016 07:58
von hall | 1.012 Beiträge | 6904 Punkte

Ich bin in der glücklichen Lage in einer gebirgigen Gegend (Nordtirol) zu wohnen wo doch noch viele Lebensräume sind die vom Menschen noch nicht zu stark beeinflußt sind.
Das heurige Jahr war sehr durchwachsen was ich auf die ungewöhnlichen Wetterbedingungen zurückführe. Sowohl Tag- als auch Nachtfalter waren gegenüber früheren Jahren auffallend wenig zu sehen. Besonders die sogenannten "Allerweltsarten" wie Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, Kohlweißlinge machten sich sehr rar. Nur Raupen vom Kleinen Fuchs waren wie immer in Anzahl zu finden.
Wie jedes Jahr im Herbst fliegt der Admiral sehr häufig in Gärten wo Sommerflieder wächst.
Interessanterweise waren in manchen Habitaten an feuchten Stellen relativ viele Lycaenidaen zu finden.
In der Nähe von meinem Wohnort fliegt jedes Jahr Lopinga achine recht häufig. Auch heuer waren wieder sehr viele Falter unterwegs.
Colias palaeno f. europomene war in höheren Lagen häufig zu sehen und auch Erebien flogen nicht selten.
Wegen des unbeständigen Wetters war ich nur einmal leuchten. Hier war den Anflug aber relativ gut was Arten- und Anflugmenge betraf.
Auffallend stark war heuer der Einflug vom Windenschwärmer/Herse convolvuli. Ich fand in meinem Garten und in der näheren Umgebung
innerhalb weniger Tage 3 weibliche Falter. Leider legten sie trotz Fütterung keine Eier.
Auch vom Oleanderschwärmer und Totenkopf wurden einige Raupenfunde gemeldet.

Viele Grüße
Werner


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#12

RE: 2016 - Ein schlechtes Falterjahr?

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 02.11.2016 22:56
von Papa Papillon | 3 Beiträge | 16 Punkte

Ich denke, dass es schwierig ist, aus lokalen Beobachtungen eine Prognose für Schmetterlingsbestände abzuleiten.
Die Natur ist da wesentlich komplizierter.

Ein Beispiel aus der Schweiz:
Die überwinterten Schwalbenschwanz-Falter schlüpften fast alle in einer kurzen Wärmeperiode im März 2016. Da gab es aber noch nirgends Futterpflanzen für die Ei-Ablage. Erst wurden die Eier ins Leere gelegt, dann wurde es kalt, und die Schwalbenschwanz-Weibchen flogen überhaupt nicht mehr.
Landesweit fehlte die Frühlings-Generation, die eigentlich anfangs Juli schlüpfen sollte!
Doch dann gab es einen kräftigen, andauernden warmen Südwind im Juli, der viele tausend Schmetterlinge von der Provence durch das Rhonetal ins Wallis, ins Schweizer Mittelland, in den Jura und nachweislich bis in den Schwarzwald blies. Vielleicht auch noch höher hinauf.
Wieviele? 100'000 oder mehr? Keine Ahnung. Es gibt keine Erhebungen, nur Annahmen.
Sie legten dann reichlich Eier, sodass im August viele Raupen (aber dannch auch viele Parasiten!) beobachtet wurden.

Die Artenvielfalt 2017 hängt stark von der Überwinterung ab. Viele Arten brauchen einen frostigen kurzen Winter, am besten ohne weihnächtlichen Wärmeeinbruch. Für andere spielt das Wetter keine Rolle (Kokon in der Erde zum Beispiel).
Wichtig für alle ist, dass nach dem Schlüpfen die Pflanzen bereit sind, bereit für Eier und Raupen.

Die Natur wird einige Fehlbestände ausgleichen. Aber immer weniger und immer seltener.
Solange wir Habitate zerstören, tragen wir entscheidend zum Rückgang bei.

Und wenn wir meinen, dass die gesetzliche Unter-Schutz-Stellung den gefährdeten Arten etwas nützt, dann irren wir uns.
Aber das ist eine andere Geschichte…


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#13

RE: 2016 - Ein schlechtes Falterjahr?

in Sammeln und Beobachten von Schmetterlingen 25.12.2016 00:21
von steffen1978 | 1.060 Beiträge | 18847 Punkte

Hallo zusammen,
ich bin grad mit meinen Fundlisten für den Wanderfalterbericht (J. Hensle, S4You), meine Transektabschnitte (UfZ), meiner Gesamtliste (ABE und ASK) recht beschäftigt. Ich finde, 2016 war hier in meiner Ecke kein gutes Falterjahr. Viele Arten waren rar, manche jedoch auch gut bis häufig. Das Wetter war einfach nicht besonders stabil - es gab einige Kälteeinbrüche und viel Regen. Ich möchte jedoch nochmal etwas aufwärmen, damit ich mein Jammern über 2016 relativieren kann:

Im ganzen Jahr sah ich nur zusammen 5 Tagfalter !
(Im Ganzen Jahr sah ich nur 5 Tagfalter... immer die gleichen)

So, dann schau ich mal in meine Liste des wirklich nicht guten Jahres 2016 (nur Falter(!) - ohne Raupen, Puppen Eier):
Bohrer = 80 Falter in 3 Arten
Eulenfalter = 1108 Falter in 104 Arten
Glasflügler = 1 Falter (eine Art...)
Mikrolepidoptera = 161 Falter in 28 Arten
Schwärmer = 30 Falter in 7 Arten
Sichelflügler = 21 Falter in 2 Arten
Spanner = 326 Falter in 47 Arten
Spinner = 111 Falter in 26 Arten
Tagfalter = 7001 Falter in 76 Arten (mit Präimaginalstadien wären es 84 Arten und rund 8000 Tiere)
Widderchen = 80 Falter in 7 Arten
Gesamtergebnis = 8919 Falter in 311 Arten

Auch wenn dieses Jahr nicht besonders gut (oder sogar teilweise echt schlecht) war, kann man noch Schmetterlinge finden. Die Nachtfalter und Kleinschmetterlinge stammen fast nur aus Funden an der Terrasse in Ingolstadt (am Licht). Auch die Tagfalterfunde stammen meist aus dem Raum Ingolstadt, dazu der Norden Münchens und die südliche (selten auch mittlere) Frankenalb (in Summe ca 30 Suchorte, wobei ich zum Teil an einem Tag/Wochenende mehrere Orte besucht habe). Wenn ich Eier und Raupen mit einrechne, erhöht sich die Anzahl auf knapp 10000 bestimmte und notierte Lepis bei 1500 Fundmeldungen. Gesucht wurde fast nur am Wochenende, denn Urlaub hatte ich keinen...

Ich habe meine Tagfalteraufzeichnungen (nur Imagos) für 2016 mal über die Kalenderwoche geplottet... Man erkennt wann es nur geregnet hat und wann ich im Urlaub (=Dienstreise) war^^



Wollen wir uns auf ein hoffentlich wieder arten- und individuenstärkeres Jahr 2017 freuen :-)

Viele Grüße
Steffen



zuletzt bearbeitet 25.12.2016 00:34 | nach oben springen



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