#1

Zucht von Arctia flavia

in Zucht von Schmetterlingen 12.10.2014 14:00
von hall | 1.062 Beiträge | 7281 Punkte

An alle die schon einmal eine Ex-ovo-Zucht von Arctia Flavia versucht haben.

Heuer ist mir zu ersten mal eine Eizucht von Arctia Flavia-Raupen zufriedenstellend gelungen. Da die Raupen erwachsen überwintern ist es wichtig sie im Herbst soweit zu bringen. 2 frühere Versuche endeten mit dem Ergebnis daß die Raupen ab ca. L3 das Fressen einstellten und nach und nach starben. Dieses Problem haben heuer einige Kollegen die ich mit Eiräupchen versorgte. Mich würde nun interessieren ob jemand unter den Bärenzüchtern unter welchen Haltungsbedingungen die Raupen auch bis zur Überwinterungsreife brachte. Da im Gebirge der Tau sehr früh einfällt und erst am späten vormittag auftrocknet habe ich meine Raupen
relativ feucht gehalten Eine Partie erwachsener Raupen habe ich noch von einem schweizer Kollegen erhalten die noch größer waren als meine Raupen.
Sollte die Überwinterung auch klappen so gibt's es nächstes Jahr reichlich Eier denn die Kopula ist zum Glück leicht zu erzielen.

Werner

Angefügte Bilder:
IMG_0473.JPG

nach oben springen

#2

RE: Zucht von Arctia flavia

in Zucht von Schmetterlingen 12.10.2014 23:25
von Heinz (gelöscht)
avatar

Lieber Werner,
der Einfachheit halber hänge ich hier einen Zuchtbericht an, der meiner Erfahrung entspringt:

Die Zucht vom Engadiner Bär Arctia flavia

Nachstehende Tipps bzw. Ratschläge zur Zucht dieses herrlichen Bärenspinners stellen lediglich meine Erfahrungen aus mehreren durchgeführten Zuchten dar und erheben keinerlei Anspruch auf alleinige Richtigkeit. Jedenfalls konnte ich die Zuchten ohne nennenswerte Ausfälle durchführen.

Gleich vorweg sei erwähnt, dass ich Hinweise von Züchtern, die Überwinterung der Raupen wäre nur im Gebirge ab einer Höhe über etwa 1.500 m möglich, keinesfalls nachvollziehen kann. Ich selbst überwinterte die Raupen jedes Mal bei mir an der Schattenseite des Hauses auf einer Seehöhe von etwa 350 m.

Die Kopula findet von etwa Mitternacht bis zu Mittag des nächsten Tages statt.
Die geschlüpften Räupchen kommen in Petrischalen oder kleine Plastikboxen. Als Futter reiche ich Löwenzahn und Spitzwegerich. Überhaupt führe ich die gesamte Zucht vor und nach der Überwinterung, nicht aber während dieser Phase, bis zur Verpuppung in Plastikdosen durch, die mit dem Wachstum der Raupen auf immer größere Gefäße getauscht werden. In den Deckel der Behälter bohre ich, je nach Größe der Raupen, kleinere od. größere Löcher. Die Raupen ab l3 haben meiner Erfahrung nach, keinerlei Probleme damit, wenn sich an den Behälterwänden Kondenswasser bildet.
In einer Box mit einer Größe von etwa 40x30x20 cm kann man etwa 15 – 20 erwachsene Raupen halten. Hinweise, die ich gelesen habe, dass erwachsene Raupen einzeln zu halten seien, kann ich auf gar keinen Fall nachvollziehen bzw. bestätigen.

Ab l2 kommt auf den Boden der Zuchtgefäße eine Schicht Holzwolle oder Zupfmoos, die sich ebenfalls mit dem Wachstum der Raupen im Volumen vergrößert. Anfangs reicht eine Schicht von etwa 2 cm, halb- bis ganz erwachsene Raupen brauchen dann schon eine Moos- bzw. Holzwolleschicht von etwa 10 cm, zumal sie sich gerne darin verkriechen.
Auf diese Bodenschicht lege ich ein Stück Küchenpapier und darauf dann das Futter. Nasse Blätter sind möglichst zu vermeiden, vielmehr habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Tierchen auch mal ganz gerne angewelkten Löwenzahn od. Spitzwegerich nehmen.
Als Liebhaber der Freilandzuchten stelle ich die Zuchtbehälter Tag und Nacht in’s Freie in den Schatten. Jedoch gönne ich den Tierchen die noch nicht so heiße Vormittagssonne und stelle die Behälter für einige Stunden in die Sonne.

Bei besonders guten Zuchtbedingungen bzw. in seltenen Ausnahmefällen gedeihen die Raupen bis zum Spätherbst bis zum Erwachsenenstadium. In diesem Fall nehmen sie dann im nächsten Frühjahr kein Futter mehr auf sondern entschließen sich, mal früher, mal etwas später, zur Verpuppung. Meist jedoch stellen die Raupen bereits in der vorletzten Haut das Fressen ein und bereiten sich auf die Überwinterung vor.
Dafür verwende ich Holzkisten, in deren Deckel und Boden ich Löcher bohre. Auf den Boden kommt die besagte 10-cm-Schicht Moos. Darauf zur Sicherheit ein paar Futterblätter und die Raupen dazu. Darauf eine Schicht trockenes Buchenlaub. Und irgendwo in dieses Gemisch verkriechen sich die Raupen und warten geduldig auf den nächsten Frühling.
Die Kiste stelle ich in den Schatten. Sobald Schnee vorhanden ist, kommt eine dicke Schicht davon in die Kiste, auf das Laub. Es hat sich als vorteilhaft erwiesen, diese Schneeschicht immer wieder zu ergänzen.

Keine Panik wenn die Tierchen vor dem Winterschlaf ganz deutlich an Größe und Volumen abnehmen. Es hat den Anschein, als würden die Raupen kurz vor der Winterpause „zurückwachsen“. Das habe ich jedes Mal bei jeder Raupe bemerkt, hat aber niemals zu Ausfällen geführt.

Nach der Winterruhe beginnen die Raupen suchend herumzulaufen.
Die Raupen werden jetzt etwa 1 - 2 mal täglich in handwarmem Wasser gebadet. Sobald frisches Futter vorhanden ist legt man ein paar Blätter in die Box. Die Tierchen fangen sehr bald an zu fressen und wachsen dann recht gut heran. Wenn die Raupen zu fressen beginnen, werden sie nicht mehr gebadet.

Nach der Überwinterung wird die Überwinterungskiste ausgetauscht gegen Plastikboxen und mit frischem Moos bzw. Holzwolle halb befüllt. Jetzt ist es auch wichtig, weitere Verstecke anzubieten. Das geschieht am besten mit zusammengeknülltem Zeitungspapier. Man formt also kleine lockere Bällchen aus Papier und legt diese obenauf. Darin legen sich die Raupen gerne ihre Schutzgespinste an und verpuppen sich alsbald.

Die Puppen dürfen keinesfalls aus ihren klebrigen Schutzgespinsten herausgenommen werden.

Nach einer Puppenruhe von etwa 3 – 4 Wochen kann man sich am Anblick eines wunderschönen Bärenspinners erfreuen.


Nette Grüße
Heinz


Alles, was gegen die Natur ist, hat auf die Dauer keinen Bestand!


nach oben springen

#3

RE: Zucht von Arctia flavia

in Zucht von Schmetterlingen 13.10.2014 12:18
von steffen1978 | 1.152 Beiträge | 28734 Punkte

Hallo Heinz und andere Bärenzüchter,
Zitat aus dem Bericht von Heinz: "Die Puppen dürfen keinesfalls aus ihren klebrigen Schutzgespinsten herausgenommen werden."
Gibt es dafür eine einfache Begründung, etwa die Lageempfindlichkeit oder Ähnliches?
Gruß und Danke,
Steffen


nach oben springen

#4

RE: Zucht von Arctia flavia

in Zucht von Schmetterlingen 13.10.2014 14:26
von hall | 1.062 Beiträge | 7281 Punkte

Lieber Heinz,

danke für die ausführlichen Tipps. Vor 4 Jahren habe ich auch Raupen, die ich erwachsen erhalten habe, erfolgreich überwintert. Allerdings hatte ich damals schon die Falter im Mai, also viel zu früh für einen Freilandanflug. Die Falter fliegen bei uns erst ab Ende Juli bis Ende August. Das heißt ich muß die Überwinterung bis Anfang Juli hinauszögern.
Es wird mir also nichts übrig bleiben als die Überwinterung im Kühlschrank fortzusetzen oder ich fahre "zweigleisig", 1 Teil der Raupen mit kurzer Überwinterung, der Rest mit längerer Überwinterung.

Werner


nach oben springen

#5

RE: Zucht von Arctia flavia

in Zucht von Schmetterlingen 13.10.2014 15:31
von tippletopple | 718 Beiträge | 22195 Punkte

Lieber Werner, Heinz und Steffen!

Ich versuche auch, den Engadiner Bär zu züchten und habe ein Gelege aus der Schweiz in Plastikdosen mit kleinen Löchern zunächst
erfolgreich bis L3 gezogen, Futter war ausschließlich Löwenzahn.
Nachdem dann einige Raupen (meiner Ansicht nach wegen zu hoher Luftfeuchtigkeit) zurückgeblieben sind, habe ich die Tiere auf 5 Boxen mit jeweils 12 Stk aufgeteilt und diese unterschiedlich feucht gehalten. Also geschlossen mit wenigen Löchern bis hin zu luftigen Gazedeckeln. Es gab bei allen Behältern Raupenausfälle, meist gingen sie nach erfolgter Häutung nicht ans Futter und schrumpften leicht zusammengerollt auf die halbe Körpergröße. Es sind bis heute etwas mehr als ein Drittel der Raupen auf diese Weise eingegangen. Am geringsten waren die Verluste dort, wo der Kot gerade noch mit einem Pinsel vom Küchenpapier heruntergerollt werden konnte.
Die verbliebenen Raupen haben bis vor ca einer Woche noch kräftig gefressen, sind ca 4 maximal 5cm lang und scheinen sich auf die Überwinterung umzustellen.
Ich habe sie jetzt in einen mit Moos gefüllte Plastkbehälter gegeben, der mehrere Etagen hat und eigentlich zum Keimen von Soja verwendet wird. Der hat unten eine Wasserschale und durchlässige Etagen darüber. Diesen Behälter habe ich in den Kühlschrank bei ca 6 Grad gegeben, da das Wetter fast wieder sommerlich geworden ist. Die dazugegebenen Löwenzahnblätter werden teilweise noch angeknabbert und 2 Mal in der Woche erneuert.
Ich werde eine Holzkiste laut den Angaben vom Heinz vorbereiten, um die Raupen im Freien zu überwintern, da ich auch ein Fan von dieser Methode bin.
Wie groß oder wieviele Löcher machst du da, Heinz?
Hier noch Bilder:

Raupen ca 4cm

zurückgebliebene Raupen, re die alte Haut und li das daraus geschlüpfte und geschrumpfte Tier

Behälter

Grüße
Chris



zuletzt bearbeitet 13.10.2014 15:35 | nach oben springen

#6

RE: Zucht von Arctia flavia

in Zucht von Schmetterlingen 13.10.2014 16:26
von hall | 1.062 Beiträge | 7281 Punkte

Hallo Chris,

wie ich schon erwähnt habe ist es im Lebensraum von Arctia flavia relativ lange taufeucht. Aus diesem Grund habe ich meine Raupen auch ziemlich feucht gehalten. Da es im Gebirge ab dem späten Vormittag in der Vegetation trockener wird hat man natürlich das Problem diese Bedingungen in der Zuchtbox zu haben. Ich habe immer 2 Lagen Küchenrolle als Einlage verwendet die ich alle 2 Tage wechselte. Das Papier nimmt doch sehr viel Feuchtigkeit auf. Wie du schon festgestellt hast muß man einen Kompromiß zwischen zu feucht und zu trocken finden. Ich hatte nur geringe Ausfälle durch Durchfall was auf eine zeitweise zu hohe Feuchtigkeit hindeutet. Es ist aber möglich daß ich mit der Zucht nur Glück gehabt hatte.

Die Raupen im Freien überwintern ist sicher optimal man sollte aber doch bei Schneearmut auf den Frost achten. In der Natur überwintern die Raupen geschützt unter einer oft meterdicken Schneeschicht. Hier ist sicher keine Frostgefahr. Im Kühlschrank ist die Überwinterung weniger risikoreich.

Werner



zuletzt bearbeitet 13.10.2014 16:36 | nach oben springen

#7

RE: Zucht von Arctia flavia

in Zucht von Schmetterlingen 13.10.2014 17:46
von Heinz (gelöscht)
avatar

Hallo Steff,
Begründung, die Puppen nicht aus dem klebrigen Gespinst zu nehmen ist ganz einfach die damit gemachte Erfahrung.
Bei den ersten Zuchten dachte ich, dass dieses klebrige Zeug doch nur hinderlich sein könnte und entfernte es. Resultat: kaum brauchbare Falter, fast nur Krüppelfalter.
Dann ließ ich es so, wie die Raupen es vorbereitet hatten und bekam fast ausschließlich lupenreine Tiere. Und das schon bei einigen Zuchten.

An Chris: Die Löcher sind gerade mal so groß, dass die Raupen nicht durchschlüpfen können, also mit einem 3-mm-Bohrer.

Nette Grüße und alles Gute
Heinz


P.S.
Ich hatte vor ein paar Jahren mal mit Brennnessel gezüchtet und bekam aus 14 Puppen 3 Falter mit gelbem Hinterleib.


Alles, was gegen die Natur ist, hat auf die Dauer keinen Bestand!


zuletzt bearbeitet 13.10.2014 19:59 | nach oben springen

#8

RE: Zucht von Arctia flavia

in Zucht von Schmetterlingen 13.10.2014 19:20
von steffen1978 | 1.152 Beiträge | 28734 Punkte

Hallo zusammen,
Auch ich bekam Raupen (denke L3) am EP-Treffen am 27.9.2014, wofür ich mich gerne nochmals beim "Spender" bedanken möchte. In einer ca 10x20x6 cm³ großen Kunststoffbox, welche oben mit Gaze bespannt war, befanden sich rund 20 Raupen, die mit Löwenzahn gefüttert wurden. Bereits am 28.9. fand ich 2 tote Raupen und dieser Trend setzte sich fort. Ich hielt die Raupen schattig in einem überwiegend unbeheiztem Zimmer unter den gegebenen Bedingungen weiter, bis ich ca. die Hälfte der Tiere verloren hatte (sie starben ohne erkennbaren Ausfluss, also vermutlich vertrocknet). Ich stellte die Zuchtbedingungen dann um und verwendete ein geschlossenes Zuchtgefäß mit ausreichend Einlage und täglicher Reinigung (Temperatur wie es sich bei gekipptem Fenster Tags und Nachts ergab). Das Ergebnis war jedoch identisch - täglich 1-3 tote (scheinbar vertrocknete) Raupen. Nur eine Raupe wuchs gut und dürfte eine Länge von ca 5 cm erreicht haben, bevor sie sich nicht mehr aus ihrem "Wohnort" (einer Toilettenpapier-Rolle, in der sie sich eine Sitzfläche gesponnen hat) herausbewegen wollte. Das Tier lebt aber zum Glück und verbringt seit Freitag sein Dasein im Kühlschrank, unter Beigabe von Löwenzahn und etwas Brombeere. Ich kann nur vermuten, dass fehlende Feuchte eine mögliche Ursache für das Absterben der Raupen verantwortlich war, denn das Futter war aus meiner Sicht von guter Qualität und wurde täglich ergänzt (aber nicht täglich komplett entnommen, sodass sowohl etwas latschiger Löwenzahn als auch kräftig frischer Löwenzahn verfügbar war). Ich bekam bereits sehr gute Tipps und Hinweise hier im EP per Chat und per PN, habe mich aber dennoch dazu entschieden, diesen Beitrag zu posten, denn Tipps und Hinweise per PN helfen "nur dem einen Empfänger", aber gewisse Fragen oder Beobachtungen werden wohl immer wieder kommen - und dazu ist so ein Forum ja auch da^^
Nun hoffe ich, dass ich wenigstens die eine Raupe über den Winter bekommen kann, auch wenn das für ne Nachzucht etwas wenig sein dürfte....
In diesem Sinne, erfolgreiche Zucht und Grüße
Steffen

P.S.: @Heinz: Danke für die Info, die Natur wird sich schon was dabei gedacht haben, denn aus Gaudi machen die Raupen kein Kokon - seh' ich absolut genauso.
@hall & @tippletopple: Merci für die Hinweise per PN und im Chat :)


nach oben springen

#9

RE: Zucht von Arctia flavia

in Zucht von Schmetterlingen 13.10.2014 19:41
von Manfred | 787 Beiträge | 32667 Punkte

Hallo liebe Züchter,

auch bei mir war es sehr verlustreich, denn bis auf zwei Raupen sind alle verendet. In den Berichten von Werner und Heinz steckt sehr viel Erfahrung, das sind schon tolle Züchter. Ich glaube, dass die Zucht dieser Art eine große Herausforderung ist.
Nun kann ich nur hoffen, dass die zwei Raupen die Überwinterung schaffen und es im nächsten Jahr wenigstens einige schöne Fotos gibt.

Herzliche Grüße,
Manfred



nach oben springen



Besucher
1 Mitglied und 23 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Clothianidin
Besucherzähler
Heute waren 1354 Gäste und 9 Mitglieder, gestern 2195 Gäste und 24 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 4151 Themen und 16308 Beiträge.

Heute waren 9 Mitglieder Online:



disconnected Chat Mitglieder Online 1
Xobor Forum Software von Xobor