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Staurophora celsia - Zuchtbericht

in Zuchtberichte von Schmetterlingen 31.10.2016 12:31
von Heiko70 | 1.947 Beiträge | 16169 Punkte

Staurophora celsia


Am 20. 10. 2015 bekam ich Eier dieser schönen Eulenart. Ich hatte bereits vorher schon ex ovo Zuchten versucht, die mir aber immer mißlangen. Streng nach dem Motto "geht nicht, gibts nicht", hab ich mich nun nochmal an die Zucht dieser Art gewagt.
Im Zuchtbericht werde ich auf genaue Häutungsdaten verzichten, zum Einen, weil man sie durch die versteckte Lebensweise der Raupe sowieso nicht genau erkennen konnte, zum Anderen, weil es eine Zucht war, die in der Wohnung durchgeführt wurde und somit nicht der natürlichen Entwicklungsdauer entspricht. Ich finde es ist besser, an Stelle der genauen Häutungszeiten, die Zuchtbedingungen zu beschreiben.

Die Eier wurden von mir überwintert. Dies geschah in einem Trinkbecher mit Wasser, in diesen Becher wurde ein Weiterer gesteckt, der zur Hälfte abgeschnitten war. Über den offenen Boden habe ich einen Damenstrumpf gestülpt und auf diesen die Eier platziert. Die Eier waren an einem trockenen Grashalm gelegt worden. Der Becher fand seinen Platz im Gemüsefach meines Kühlschranks.



Mitte April 2016, nahm ich die Eier aus dem Kühlschrank und verbrachte sie in eine kleine Konststoffdose. Ab und an gab ich einen Tropfen Wasser auf das untergelegte Küchentuch. Ca. 2 Wochen später schlüpften die L1 Räupchen.
Diese sind winzig und begannen von Anfang an, sich zu verstecken.
Ich richtete eine Ferrero Roche Dose als Zuchtbehälter her. Am Boden wurde Küchenpapier ausgelegt, darauf habe ich kleine Graspflänzchen gelegt. Diese riß ich mitsamt der Wurzel aus, schnitt die Wurzel, bis kurz vor dem Strunk, ab und legte diese kleinen Horste in die Dose. Vorher wurden sie natürlich genau auf Schadinsekten und Spinnen untersucht. Die Raupen gab ich dann auf diese Horste.
Bereits am nächsten Tag konnte ich kleine Gespinste entdecken, in denen die Raupen saßen. Die Gespinste wurden mit Kot und kleinen Pflanzenteilen verkleidet.





Beim Futterwechsel gestaltete es sich äusserst schwer die kleinen Raupen zu finden, denn die Gespinste waren nicht nur zwischen den Blättern, sondern auch zwischen den Halmen und vor allem an der Wurzelbasis gesponnen. Die Raupen waren zu klein und zu empfindlich, um sie durch ein Zerzupfen der Pflanzen zu suchen. Als Lösung dieses Problems gab ich einfach weitere kleine Pflanzenhorste auf die Alten. Die Raupen begannen auch ihre alten Gespinste zu verlassen und nach oben auf die neuen Pflanzen zu ziehen. Manche blieben in den alten Gespinsten und gingen nur zum Fressen nach oben.
Selbst der Zerfall der alten Horste und das gelb werden der Blätter hielt die Tiere nicht auf, sich genau dort am liebsten aufzuhalten.
In der Natur ist am Boden natürlich auch nicht alles sauber, sondern umgeben von abgestorbenen Pflanzenteilen.

Bis die Tiere eine Größe von ca. 5-6 mm hatten, blieb ich bei dieser Haltungsweise. Nur arg zersetzte Pflanzenteile und vom Schimmel angegriffene Teile wurden entfernt und nach Raupen untersucht.

Ab einer Größe von ca. 5-6 mm konnte ich dann die Zuchtbehälter öfter reinigen. Die Raupen waren gut zu erkennen, allein durch ihre Gespinste, die jetzt fast ausschließlich an der Halmbasis zu finden waren. Die Zucht verlief in dieser Zeit sehr gut und ohne Verluste.

Bei einer Größe von ca. 1-1,5 cm wurden die Tiere dann in Salatboxen verfrachtet. Die Graspflanzen wurden, nach der vorher beschriebenen Methode, in die Boxen gelegt. Ich achtete darauf, daß die Luftfeuchte nie zu niedrig wurde. Die Pflanzen hielten dann gut 4-5 Tage so aus, ohne abzusterben oder gelb zu werden. So konnte ich vermeiden, die Tiere dauernd aus ihren Gespinsten zu holen.
In dieser Größe konnte ich beobachten, daß die Tiere sich gegenseitig anknabberten, wenn zu viele im Behälter waren. Dies veranlasste mich dazu, sie in kleineren Gruppen unterzubringen. Das gegenseitige Anfressen hörte auch gleich auf.



Die Zucht verlief bis dahin noch immer gut und außer den Verlusten durch Kanibalismus, war die Zucht Verlust frei. Das Gras wählte ich immer größer und auch die Grashalme immer dicker. Es wurden keine bestimmten Grassorten bevorzugt, die Halmbasis muß nur weich sein und frisch. Blütenhalme, die härter und trockener sind, wurden verschmäht. Die Tiere fraßen nur noch an den Strunken und nicht mehr an den Blättern, sobald sie ca. 1 cm groß waren.
Die Gespinste wurden zwischen den Halmen angelegt, teils von zwei Tieren bewohnt. Im Gespinst wurden die Halme und deren Basis befressen. Waren diese weg, wurde ein neues Gespinst angelegt.

Bis zur Verpuppungsreife hielt ich die Tiere in 5-7er Gruppen in den Salatboxen und hatte mit dieser Methode keine Verluste. Die Luftfeuchte war relativ hoch, weil ich keine Löcher in den Boxen hatte. Die Tiere begrüßten dies offensichtlich. Sie wuchsen gut und entwickelten sich prächtig. Die Zuchtdauer zog sich etwas in die Länge.





Bei Erreichen der Verpuppungsreife, begannen auch die Verluste. Nicht weil die Tiere falsch gehalten wurden, sondern weil ich nicht erkannte, daß sie reif zur Verpuppung sind. Die Tiere, die sonst dreckig braun waren, leicht durchscheinend und fest in der Kosistenz, wurden nun kleiner, weißlich und labbrig. Sie bewegten sich kaum mehr und schienen krank zu sein. Es wurde kein Gespinst gesponnen und ich sonderte anfangs diese Tiere aus, im Glauben sie würden sterben.
Erst als ich durch Zufall eine der ausgesonderten Raupen vergaß, stellte ich fest, daß sie sich in der Küchenrolle eingesponnen hat. Die Puppe war aber leider verkrüppelt, da es zu trocken war. Die nachfolgenden Tiere, die sich so verfärbten, gab ich dann in einen Behälter mit Kokoshumus, der feucht angeboten wurde. Dort gruben sie sich leicht ein und fertigten direkt an der Oberfläche einen ganz einfachen Kokon, mehr eine Decke, die die Mulde, in der sie lagen, abdeckte.
Nur Präpuppen, die absolut in Ruhe gelassen wurden, gaben gesunde Puppen. Die Präpuppe liegt lange, meist über eine Woche, bevor sie sich verpuppte. Leider bekam ich durch die Fehler, die ich machte, nur 5 gesunde Puppen.



Die Puppen selbst dürfen auch nicht zu trocken gelagert werden. Erst nach einigen Tagen des Erhärtens nahm ich die Puppen aus ihren Kokons und verfrachtete sie in einen Schlupfbehälter, auf Küchenpapier. Dieses feuchtete ich immer wieder an, so daß es nicht naß war, aber auch nie austrocknete.
2 Puppen trockneten mir trotzdem ein und ein Falter schlüpfte nur verkrüppelt aus. Die Puppenruhe betrug ca. 2 Wochen.

Zwei Falter waren aber super entwickelt und endlich hatte ich die ex ovo Zucht dieser Tiere geschafft.



Allgemeines zur Zucht:

Die Zucht an sich ist nicht schwer, die Tiere sind auch recht robust, was die Hygiene im Zuchtbehälter angeht. Zersetzte Pflanzenteile, gelbe Blätter und auch leichter Schimmel, werden gut vertragen. In der Natur leben die Raupen ja auch am Boden und dort ist´s sicher nicht sauber.
Das Futter darf nicht trocknen, der Behälter sollte also nicht zu arg mit Luftlöchern versehen sein. Ich benutzte Behälter, die sowieso nicht dicht schließen und vermied es, zusätzlich Löcher in diese zu machen.
Die Zucht selbst dauert etwas, vor allem das letzte Raupenstadium zieht sich trotz warmer Zimmerzucht in die Länge. Bei mir dauerte die Raupenzeit vom 26.04.-16.07.2016, also fast 3 Monate.
Die Puppe liegt dann nur ca. 2 Wochen, die Präpuppe allerdings liegt ca. 1 Woche oder länger.
Zur Präpuppenzeit erscheinen die Tiere recht empfindlich gegen Störung zu sein.
Bei der nächsten Zucht werde ich auch den Fehler nicht mehr machen, daß ich erwachsene Raupen, die weiß werden und schrumpfen, als krank einstufe. Dies ist das Erscheinungsbild der verpuppungsreifen Raupe. Diese bewegt sich kaum mehr, ist aber mehrere Tage in dieser Form zu beobachten, bevor sie sich eingräbt und einen sehr einfachen Kokon spinnt.
Die gesamte Zucht verlief vom 26.04.2016 (Schlupf der L1 Raupen) bis 11.08.2016 (Schlupf des ersten Falters).

Zuchtbehälter:
Anfangs Ferrero Roche Behälter, am Boden Küchenpapier und ausgerissene Grashorste darauf gelegt. Die Wurzeln beschnitten und die Pflanzen nach Schadinsekten und Spinnen untersucht.
Später wurden Salatboxen benutzt. Einrichtung wie oben. Das Gras wurde dann auch größer, mit dickeren Halmen benutzt, aber auch als ganze Pflanze mit beschnittenen Wurzeln angeboten.


Leben ist etwas Seltenes, die meisten Menschen existieren nur. (Oscar Wilde)


zuletzt bearbeitet 31.10.2016 23:02 | nach oben springen

#2

RE: Staurophora celsia - Zuchtbericht

in Zuchtberichte von Schmetterlingen 31.10.2016 23:09
von steffen1978 | 1.138 Beiträge | 27682 Punkte

Hallo Heiko,
das ist ein richtig toller Zuchtbericht, der alle für mich interessanten Aspekte beinhaltet!
Danke für die Mühe, die Zucht dieser hübschen Eule am Ende nochmal aufzubereiten :-)
Grüße
Steffen


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