#1

Gluphisia crenata - Zuchtbericht

in Zuchtberichte von Schmetterlingen 26.11.2016 18:34
von Heiko70 | 1.944 Beiträge | 16154 Punkte

Gluphisia crenata


Diese kleine Zahnspinnerart soll, laut Ekkehard Friedrich (Handbuch der Schmetterlingszucht), schwer zu züchten sein.
Ich bekam Eier dieser Art und hab die Zucht versucht. Ich konnte feststellen, daß, wenn man ein paar Dinge beachtet, die Zucht nicht so schwer ist, wie im Buch beschrieben.
Da diese Art im Zimmer gezüchtet wurde, werde ich auf Datumsangaben, was die Häutung der Raupen betrifft, verzichten, da sie nicht der natürlichen Entwicklung entsprechen. Im Zuchtbericht werden Angaben gemacht, die für eine erfolgreiche Zucht erforderlich sind.

Die Eier bekam ich am 08.07.2015. Sie sind hellgrün und flach. Im Bild sind die Eier an Eiche zu sehen. Das kommt davon, weil das Weibchen mit einem Eichenblatt im Behälter war. Die Tiere fressen und legen an Schwarzpappel.



Nach kurzer Eiruhe schlüpften die L1 Raupen. Diese wurden auf junge, frische Schwarzpappelblätter gebracht. Die Raupen begannen auch gleich mit dem Fensterfraß mitten im Blatt. Es wurde ein Sitzpolster gesponnen neben dem gefressen wurde. Beim Futterwechsel schnitt ich mit einer Schere rund um das Polster und hab diesen Ausschnitt, mit der Raupe, auf ein frisches Blatt gelegt. Die Tiere wechselten ohne Probleme auf das neue Futter und begannen dort mit dem Spinnen eines neuen Polsters und mit dem Fensterfraß.



Die L2 Raupen verhielten sich im Prinzip genau so, wie in L1. Vom Verhalten und auch vom Fraß war kein Unterschied zu erkennen. Die Häutung wurde auf dem Ruhepolster vollzogen. Auch hier war der Futterwechsel und der "Umzug" der Raupe kein Problem. Laut Friedrich ist die Raupe sehr träge und somit schlecht auf neues Futter umzusiedeln. Dies kann ich nicht bestätigen. In dieser Haut hatte ich massiven Verlust, was aber nicht an der schweren Zucht lag, sondern am Futter. Ich hatte einmal eine andere Pappelart angeboten, welche beharrlich verweigert wurde. Die kleinen L2 Raupen, die nicht in Häutungsruhe waren (ca. die Hälfte) verstarben bereits am nächsten Tag.



Auch bei den L3 Raupen gab es keinen Unterschied im Verhalten, jedoch wurden die Blätter nicht mehr mit kleinen Fenstern befressen, sondern es wurden große Löcher in die Blätter gefressen. Immernoch saß die Raupe auf einem Ruhepolster, neben dem das Loch ins Blatt gefressen wurde. In der Natur leben die Tiere in zusammengesponnen Blättern, welches auch im Buch von Friedrich beschrieben wurde. Dies soll durch die Zucht an der lebenden Pflanze ermöglicht werden und soll den Erfolg versprechen. Auch dies konnte ich nicht beobachten. Die Raupen saßen auf den Polstern und machten keinerlei Anstalten, die Blätter zusammen zu spinnen. Ein Lösen vom Sitzpolster ist nicht ratsam, das Polster kann aber sehr schön ausgeschnitten werden. Die Tiere wechseln dann ohne Weiteres auf das neue Blatt.



Die L4 Raupen waren nun schon größer und befraßen die Blätter vom Rand. Immer noch saßen sie auf einem Sitzpolster in der Blattmitte. Da das Blatt aber nun fast ganz gefressen wurde, mußte dieses Polster nicht mehr ausgeschnitten werden, sondern ich gab das Blatt einfach auf das neue Futter. Auch hier gab es keinerlei Probleme beim Umsetzen auf frisches Futter. Wie schon vorher auch, wanderten die Raupen freiwillig auf das frische Blatt.



In L5 wurde nun alles anders. Die Raupe hatte nun eine völlig andere Färbung und sie saß auch nicht mehr auf einem Polster. Zur Ruhe begaben sich die Raupen nun an einen Zweig oder sie saßen am Blattstiel oder der Mittelrippe. Das Blatt wurde von Aussen befressen und die Raupen ließen nur noch den Stiel übrig.



Zur Verpuppung wurden zwei Blätter zusammengesponnen. Der Kokon ist nicht zu sehen. Er wurde aus festen Fäden gesponnen. Die Blätter wurden so eng aneinander gepresst, daß die Puppe flach und "gequetscht" aussah. Die Puppen gingen in Überwinterung. Ich hatte sie aus den Kokons genommen und in Moos überwintert. Bis Anfang Januar im Freien, später im Kühlschrank.



Im Frühjahr, nachdem ich die Puppen aus dem Kühlschrank nahm, schlüpften dann auch bald die Falter. Meine Bedenken, daß sie sich nicht gut entwickeln würden, weil die Puppen so flach waren, waren nicht begründet. Bis auf eine Puppe, die abgestorben war und faulte, schlüpften alle aus. Die Falter waren alle sehr gut entwickelt.



Eine Kopula kam nicht zu stande, da die Tiere recht zeitversetzt schlüpften und die Weibchen, trotz Kühlschrankhaltung, nur eine Nacht lockten. Bereits in der zweiten Nacht begannen sie unbefruchtete Eier zu legen.


Allgemeines zur Zucht:

Die Zucht ist sehr leicht durch zu führen. Sehr wichtig ist das Futter. Es wird ausschließlich Schwarzpappel gefressen. Andere Pappeln werden verweigert und die Tiere sterben dann, zumindest in den ersten Häuten, schnell ab. Mit Schwarzpappel als Futter ging die Zucht reibungslos.
Das Verhalten der Tiere, während einer Zucht, ist offensichtlich völlig anders als in der Natur. Dort spinnen die Tiere Blätter zusammen und fressen die Blatttüten langsam auf. In der Zucht konnte ich in keiner Phase beobachten, daß Blätter zusammengesponnen werden.
Das Futter wurde nicht gewässert. Alle zwei Tage wurde es erneuert. Ich bot Blätter am Zweig an, da diese nicht so leicht welken. Der Futterwechsel machte nie Schwierigkeiten. Die kleinen Knospen an der Zweigspitze müssen entfernt werden, da Pappelknospen kleben und die jungen Raupen daran hängen bleiben können.
Die Raupenzeit war vom 11.07. bis 02.08., also sehr kurz. Dies entspricht sicher keiner natürlichen Entwicklungsdauer.
Die Zuchttemperatur war Zimmertemperatur, also dauerhaft 22-25 Grad, ohne Nachtabsenkung.
Die Puppen entnahm ich aus dem Kokon und überwinterte sie in Moos. Bis Januar im Freien, später im Kühlschrank. Anfang April nahm ich sie aus dem Kühlschrank und lagerte sie im Zimmer.
Der erste Falter schlüpfte am 21.04.2016.

Zuchtbehälter:

Die Zucht wurde bis zum Ende in Kunstoffboxen durchgeführt. L1 bis L3 ohne Löcher im Deckel, ab L4 dann mit kleinen Löchern im Deckel. Die Tiere leben in feuchten Gebieten auf Schwarzpappel. Darum verzichtete ich auf eine gute Lüftung der Behälter, um die relativ hohe Luftfeuchte zu gewährleisten.
Der Boden wurde mit Küchenpapier ausgelegt.



www


Leben ist etwas Seltenes, die meisten Menschen existieren nur. (Oscar Wilde)


zuletzt bearbeitet 27.11.2016 12:08 | nach oben springen

#2

RE: Gluphisia crenata - Zuchtbericht

in Zuchtberichte von Schmetterlingen 26.11.2016 20:06
von Manfred | 786 Beiträge | 30508 Punkte

Lieber Heiko,

wieder mal ein toller Zuchtbericht, danke. Es ist immer wieder schön Deine Zuchtberichte zu lesen.
Bitte weiter so.

Viele Grüße,
Manni



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#3

RE: Gluphisia crenata - Zuchtbericht

in Zuchtberichte von Schmetterlingen 26.11.2016 20:14
von steffen1978 | 1.135 Beiträge | 27646 Punkte

Hallo zusammen,
da schließe ich mich gerne dem Manni an!
Sehr informativ, tolle Bilder, alle relevanten Information dabei, dazu noch Vergleiche mit Freilandbeobachtungen - kurz gesagt, besser gehts wohl nicht.

Danke fürs posten, Heiko!
Gruß
Steffen


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#4

RE: Gluphisia crenata - Zuchtbericht

in Zuchtberichte von Schmetterlingen 27.11.2016 10:57
von murrex • † 2017 - vormals Moderator des EP | 447 Beiträge | 3065 Punkte

Hallo Heiko,

auch von mir ein ganz großes Lob. Toller Zuchtbericht und super Bilder.

VG Ulrich



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